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29.05.09

Kader-Auflösung

Doping – Im Reitsport beginnt großes Aufräumen

Medaillengarant bei Olympia und weltweit führend in Zucht und Ausbildung: Doch das Image des deutschen Pferdesports war spätestens seit dem Dopingskandal in Peking arg lädiert. Die Auflösung der Spitzen-Kader stößt auf positive Resonanz, weil die deutschen Reiter darin den einzigen Weg aus der Krise sehen.

© DDP
Kader
Ludger Beerbaum hält die Kader-Auflösung für den richtigen Schritt

Sein Name steht im Pferdesport seit Jahrzehnten für großen Erfolg. Mit vier olympischen Goldmedaillen und zahlreichen Triumphen bei Welt- und Europameisterschaften ist Ludger Beerbaum der erfolgreichste Springreiter der vergangenen 20 Jahre. Nun aber ist der 45-Jährige der Auslöser einer ungeheuerlichen Erschütterung im deutschen Reitsport und einer beispiellosen Revolution im Kampf der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) gegen Doping und unerlaubte Medikation.

Wie in vielen anderen Sportarten fällt auch auf den Pferdesport immer wieder der Schatten des Dopings. So gab es bei Championaten wie den Olympischen Spielen wiederholt Disqualifikationen oder Suspendierungen von Reitern, bei deren Pferden die Verabreichung verbotener Substanzen nachgewiesen wurden. So passiert im August 2008 in Hongkong, als bei Christian Ahlmanns Schimmel Cöster das verbotene Mittel Capsaicin entdeckt worden war. Zudem hatte Marco Kutschers Pferd Cornet Obolensky eine nicht angemeldete Injektion erhalten, weshalb der Weltverband FEI den Reiter nun suspendieren will.

Angekratztes Image

Das Image des deutschen Pferdesports, seit jeher Medaillengarant bei internationalen Großveranstaltungen sowie in Zucht und Ausbildung weltweit führend, war infolgedessen arg lädiert. Und so setzte die FN nach den Reiterspielen folgerichtig Arbeitsgruppen ein, erhöhte die Zahl der Dopingkontrollen, versuchte, so weit wie möglich Transparenz in das Regel-Dickicht zu bringen, das zwischen Doping und verbotener Medikation unterscheidet.

Der Verband wähnte sich auf einem guten Weg. Bis Ludger Beerbaum am vergangenen Wochenende einräumte, in der Vergangenheit beim Umgang mit Medikationen nicht immer die Regeln eingehalten zu haben. "Im Laufe der Jahre habe ich mich darin eingerichtet, auszuschöpfen, was geht. In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird. Das ist heute nicht mehr aufrechtzuerhalten", so Beerbaum.

Daraufhin löste die FN am Donnerstag sämtliche Spitzen-Kader der olympischen Disziplinen Springen, Dressur und Vielseitigkeit auf und sperrte Beerbaum für alle Nationenpreise. Nun soll eine unabhängige Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) unter Leitung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Steiner die Missstände im deutschen Reitsport aufklären.

"Alle Fakten kommen auf den Tisch, und es ist gewährleistet, dass die Regelung von verbotenen Medikamenten und Doping hier noch einmal sorgfältig analysiert wird", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach und begrüßte das Vorgehen: "Der Reitsport ist mit dieser Maßnahme in die Offensive gegangen und zeigt, dass man einen sauberen Sport für die Zukunft will und nicht vor schwierigen Erkenntnissen der Vergangenheit zurückschreckt."

Zuspruch auf breiter Front

Ein erstaunlicher Aspekt dabei ist, dass sich auch die Funktionäre der FN der Befragung stellen. Präsident Graf Breido zu Rantzau wird vor der Kommission mit als Erster aussagen. Damit gesteht der Verband ein, dass er selbst das Problem nicht mehr lösen kann. "Die Funktionäre sind alle schon zu lange und zu nah dran. Da fehlt die Außensicht", sagt Peter Danckert (SPD), Vorsitzender im Sportausschuss des Deutschen Bundestages.

Am Tag nach dem großen Schnitt herrschte allenthalben Zufriedenheit und auch irgendwie Erleichterung im deutschen Lager. Otto Becker, Bundestrainer der Springreiter, sieht "eine große Chance auf einen Neuanfang". Doppel-Olympiasieger und Aktivensprecher Hinrich Romeike sagt: "Dann kann keiner mehr sagen, dass er von nichts gewusst habe." Gegen den Verdacht weitverbreiteten Dopings wehrt er sich jedoch vehement: "Wer Pferde bewusst dopt oder quält, der ist krank und fehlgeleitet."

Und Protagonist Beerbaum? Der Riesenbecker sieht der Anhörung gelassen entgegen. Er wolle der Kommission die Missstände des Reitsports aufzeigen. "Die Leute müssen endlich verstehen, dass unsere Pferde harten Anforderungen ausgesetzt sind, sich verletzen können und Behandlungen benötigen. Wir machen Leistungssport und keinen Streichelzoo", so Beerbaum. "Wir brauchen klare Regeln für die Benutzung von Medikamenten. Und wenn das alle am Ende verstehen, bin ich zufrieden."

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