14.10.12

Gefallener Rad-Star

Armstrong wehrt sich und will an den Lügendetektor

Überraschende Entwicklung im Dopingfall Lance Armstrong. Der Anwalt des gefallenen Rad-Stars bietet an, dass sein Klient einen Wahrheitstest durchführt. Das Ergebnis soll vor allem bei Klagen helfen.

Die Mauer des Schweigens um Lance Armstrong bröckelt immer mehr. Einer nach dem anderen aus dem Kreise seiner einstigen Domestiken erklärt eidesstattlich, dass der längst gestürzte Radprofi seine Erfolge mit unerlaubten Präparaten eingefahren hat.

Doch der Bezichtigte gibt sich cool, mimt den Unschuldigen und erwägt nun auch noch, seine Unschuld durch einen Lügendetektortest zu beweisen. Auf Vorschlag seines Anwalts Tim Herman überlege der Mann, der siebenmal die Tour de France gewann, sich einer Wahrheitskontrolle zu unterziehen.

"Vielleicht werden wir das tun", sagte Herman dem britischen Radiosender BBC 5. "Das Ergebnis eines mit guten Geräten und geeignetem Personal durchgeführten Tests würde ich nicht anfechten." Gleichzeitig räumte der Jurist aber ein, dass dies dem Ruf seines Mandanten nach den Enthüllungen in der Vorwoche vermutlich kaum helfen werde.

Anwalt will Wahrheits-Test auch von 26 Zeugen

Es wäre auch paradox. Die vor vier Tagen von der amerikanischen Antidoping-Agentur Usada veröffentlichen Dokumente belegen mehr als deutlich das ausgeklügelte Dopingsystem Armstrong, der sich nicht nur selbst mit unerlaubten Substanzen zu Höchstleistungen puschte. Aus diversen Zeugenaussagen geht hervor, dass der Texaner auch mit verbotenen Mitteln gehandelt hat.

Da Armstrongs Anwalt die Glaubwürdigkeit der Zeugenaussagen anzweifelt, plädiert Herman auch dafür, dass sich die Geständigen ebenfalls einem Lügendetektortest unterziehen sollten. Die Zahl derer, die er dazu bewegen wolle, beläuft sich auf 26. Darunter befinden solch klangvolle Namen wie der von Tyler Hamilton, dem der Olympiasieg von 2004 wegen Dopings aberkannt wurde, oder George Hincapie, beides jahrelange Edelhelfer von Armstrong. Hincapie war bei allen sieben Tour-Siegen seines Chefs an dessen Seite.

Weiterer Armstrong-Helfer gesteht

Als vorerst letzter Ex-Teamkollege zeigte sich am Samstag der Australier Matt White geständig. "Ich muss leider mitteilen, dass ich in einem Team war, dessen Strategie teilweise in der Einnahme von Doping bestand. Und auch ich war daran beteiligt", räumte der ehemalige Radprofi ein, woraufhin er als Sportdirektor des Rad-Teams GreenEdge zurücktrat.

Armstrong wäre nicht der erste aus dem perfiden Manipulations- und Betrugssystem des Radsports, der sich mittels eines Lügendetektors reinzuwaschen versuchte. Zu Beginn des Jahres versuchte das schon der zweimalige Tour-de-France-Gewinner Alberto Contador. Die Ergebnisse der speziellen Befragung wurden jedoch nie bekannt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS glaubte der Version des Spaniers nicht und verhängte im Februar 2012 eine zweijährige Dopingsperre.

Englische Zeitung fordert eine Million Dollar vom Texaner

Trotz der Veröffentlichung des erdrückenden Anklage-Berichts der Usada bestreitet Armstrong weiter vehement, jemals unlauter gearbeitet zu haben. Seine Haltung ließ er am Wochenende über seinen Sprecher Mark Fabiani wiederholt propagieren.

Nach Fabianis Worten äußerte sich Armstrong deshalb auch nicht zu den Forderungen der Londoner "Sunday Times", die rund eine Million Dollar vom Texaner zurückfordern will. Diese Summe hatte Armstrong 2004 in einer Klage gegen das Blatt erstritten, dass ihn in mehreren Artikeln des Dopings bezichtigte.

Quelle: DW/gm
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