02.10.12

Bayern München

Uli Hoeneß infiziert von der "Droge Basketball"

Im zweiten Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg haben die Bayern schon den höchsten Etat der Liga und wollen um den Titel spielen. Erstes Opfer des neuen Basketball-Fans Uli Hoeneß war Dirk Bauermann.

Von Jörg Rößner
Foto: picture alliance
Uli Hoeneß beim Basketball
Voller Begeisterung: Uli Hoeneß bei einem Heimspiel der Bayern-Basketballer

Mitte August, eine gute Woche vor dem Beginn der Fußball-Bundesliga, sah Uli Hoeneß die Zeit für ein Outing gekommen. Denn seine Leidenschaft gilt mittlerweile nicht mehr nur Manuel Neuer, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger: "Ich bin infiziert von der Droge Basketball", bekannte der Bayern-Präsident, "und freue mich irre auf den Saisonstart." Dieses Jahr müsse man "den Korb etwas höher hängen. Wir wollen um die Deutsche Meisterschaft mitspielen."

Hoeneß' Vorfreude muss in den vergangenen sechs Wochen jedoch erheblich gelitten haben. Denn am vergangenen Donnerstag, nur sechs Tage vor dem ersten Spiel der Bayern-Basketballer am 3. Oktober gegen die Baskets Oldenburg (16.30 Uhr, Sport1 live), verblüfften die Münchner mit einer unerwarteten Personalie: Sie entließen Trainer Dirk Bauermann, dessen Vertrag noch bis Sommer 2014 lief, und ersetzten ihn – zumindest vorerst – durch dessen bisherigen Assistenten Yannis Christopoulos.

Als Grund nannte der Verein offiziell "unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Entwicklung des Basketballs beim FC Bayern München". Aber die Klubführung war auch genervt von den Disziplinlosigkeiten einiger US-Stars, die Schlagzeilen mit Disko- und Oktoberfestbesuchen machten, und den zum Teil deftigen Pleiten in einigen Testspielen.

Leidenschaftlich – aber auch ungeduldig

Bauermann, der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer, musste erfahren, dass Hoeneß nicht nur ein besonders leidenschaftlicher Mensch ist – sondern auch ein ziemlich ungeduldiger sein kann. Wenn er den über allem stehenden Erfolg seines geliebten Klubs in Gefahr sieht, scheut er sich auch nicht vor unbequemen Entscheidungen. Denn nachdem in der vergangenen Saison mit dem Play-off-Aus im Viertelfinale gegen die Artland Dragons gerade so das offizielle Saisonziel erreicht wurde (intern hatte man zumindest eine Runde mehr erhofft), blies der FC Bayern im Sommer zum Großangriff.

Kurzerhand verabschiedete man sich vom Konzept, vor allem auf deutsche Profis zu setzten, lieh in Philipp Schwethelm und Bastian Doreth zwei Nationalspieler aus und verpflichtete in Tyrese Rice, Yotam Halperin und Lawrence Roberts drei hochkarätige und international erfahrene Stars aus dem Ausland. Damit seien der sportlichen Leitung alle Wünsche erfüllt worden, sagte Hoeneß, unterstrich damit die Ambitionen – und erhöhte den Druck. Das Signal ist klar: Der Meistertitel in der neuen Saison geht – ein Jahr nach dem Aufstieg – nur über die Bayern: Mia san mia jetzt auch im Basketball.

Trotz des zunehmend selbstbewussteren Auftretens freut sich die Liga weiterhin, dass sich der Deutsche Meister von 1954 und 1955 vor zwei Jahren wieder dem Projekt Basketball verschrieben hat. Schließlich wächst damit die bundesweite Aufmerksamkeit für die Bundesliga, vor allem in Städten und Regionen ohne eigenen Standort.

Schweinsteiger bei fast jedem Heimspiel dabei

In der vergangenen Saison stieg der Zuschauerschnitt um mehr als neun Prozent von 4051 auf 4422 Fans pro Partie, Schweinsteiger feiert jedes Tor auf dem Fußballfeld mit einer imitierten Freiwurfgeste und sitzt bei fast jedem Heimspiel seines Kumpels Steffen Hamann im Trikot auf der Tribüne. Und mit Kabel eins überträgt in der neuen Saison ein zweiter Fernsehsender außer Sport1 zusätzlich zehn Partien mit Bayern-Beteiligung im Free-TV.

Mit rund neun Millionen Euro haben die Bayern den mit Abstand höchsten Etat der Liga – vor Titelverteidiger Brose Baskets Bamberg und dem achtfachen Meister Alba Berlin. Bambergs Geschäftsführer Wolfgang Heyder empfindet deswegen "keinerlei Neid", betont aber, dass dieses Geld mit der Marke FC Bayern und nicht am Basketball-Markt verdient wurde. Die Muskelspiele aus München stören ihn nicht: "Das kennt man ja von den Bayern. Außerdem wäre es doch unglaubwürdig, wenn sie nach diesen Investitionen vom Halbfinale als Saisonziel sprechen würden."

Und sein Berliner Kollege Marco Baldi spricht vom "finanziell hochkarätigsten Kader, den es in Deutschland jemals gab. Es ist Kapital vorhanden – und das wird auch eingesetzt. So ein Europaliga-Team der oberen Kategorie tut der Liga gut."

Bayern, Bamberg und Berlin als Topfavoriten

Neben Serienmeister Bamberg, der nach dem Abgang von sechs Topspielern einen großen Umbruch bewältigen muss und den Berlinern, die nach einer enttäuschenden Saison ihren einstigen Spielmacher Sasa Obradovic als Trainer zurückholten, gehören die Bayern mit ihrem verstärkten Team zu den drei Topfavoriten auf den Titel. Jetzt müssen sie nur zeigen, dass Geld nicht nur Tore schießt, sondern auch Körbe wirft.

Damit Uli Hoeneß seine neue Droge auch weiter genießen kann.

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