24.09.12

Basketball-Superstar

Warum Kobe Bryant so gern Spider Man spielt

Wie der amerikanische Basketball-Superstar der Los Angeles Lakers mit seiner Familienstiftung Obdachlosen und Jugendlichen hilft – und was er dafür von der Gemeinde erwartet.

Foto: REUTERS
Kobe Bryant
Kobe Bryant möchte am Ende seiner Karriere nicht nur auf vier NBA-Titel zurückblicken

Normalerweise spricht Kobe Bryant nur dann mit der Presse, wenn seine Los Angeles Lakers mal wieder einen Gegner demontiert haben und er als Held die Halle verlassen kann. In der vergangenen Saison kam das zu selten vor. Vielleicht, so spekulieren Zyniker, sucht einer der wohl besten Spieler, den die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA jemals gesehen hat, dieser Tage deshalb andere Orte auf, um seinen Heldenstatus erhalten zu können.

So auch an diesem sonnigen Septembertag. In Downtown Los Angeles schlendert Bryant durch "Skid Row", jene Meile im Zentrum der "Stadt der Engel", in der die Obdachlosigkeit so offensichtlich ist, dass ein Multimillionär wie Bryant immer wieder anhalten muss, um das Elend um ihn herum wirklich begreifen zu können.

"Ich hatte im Leben Glück"

Bryant ist hier, weil er helfen will, weil er etwas an seine Gemeinde "zurückgeben möchte". Wie so viele Profis im Herbst ihrer Karriere. Zusammen mit Noch-Ehefrau Vanessa – das Paar lebt schon seit einiger Zeit getrennt – hat sich der fünfmalige NBA-Champion deshalb des Themas Obdachlosigkeit angenommen. "Das Thema beschäftigt meine Familie und mich schon lange", sagt Bryant. "Ich hatte viel Glück im Leben. Anderen ging es nicht so. Niemand sollte ohne Dach über dem Kopf schlafen müssen."

Nach einem Bericht der "Los Angeles Homeless Services Authority" lebten im vergangenen Jahr mehr als 51.000 Menschen ohne Dach über dem Kopf in der südkalifornischen Metropole. Viele davon suchen Schutz in der Los Angeles Mission, nur einen Steinwurf vom Staples Center, der allabendlichen Wirkungsstätte der Lakers, entfernt. Auf die Motivation für sein Engagement angesprochen, sagt Bryant: "Ich will ja nicht albern klingen, aber um es mal mit den Worten von Spider Man zu beschreiben: Mit viel Macht kommt auch viel Verantwortung." Nun gut, das Zitat stammt vom französischen Philosophen Voltaire aus dem Jahre 1832, wenn Bryant aber lieber Spider Man sein will, sei ihm das gegönnt.

"Ich habe Zeit, ich bleibe dabei"

Besonders die Obdachlosigkeit unter Jugendlichen liegt dem Lakers-Star am Herzen. Zusammen mit seiner Frau finanzierte er jetzt die Renovierung von "My Friend's Place", einem Drop-in-Center für sogenannte Straßenkinder. Das Zentrum nimmt jedes Jahr mehr als 1700 Jugendliche im Alter von 12 bis 25 auf, und der Supersportler gibt den Verbalpolitiker. Das Thema Armut, so Bryant, "ist nicht unbedingt ein populäres Thema. Hier musst du dir schon einmal die Hände ein bisschen schmutzig machen, um wirklich etwas erreichen zu können", sagt der Basketballspieler. Und mit ungewohnt scharfer Kritik fügt er hinzu: "Das ist kein Thema, bei dem Promis sofort aufspringen und sagen: 'Ich bin dabei, ich helfe mit.' Aber mir ist das egal. Ich weiß, dass wir Obdachlosigkeit und Armut nicht über Nacht abschaffen können, aber ich habe Zeit, ich bleibe dabei."

Mit seiner Familienstiftung will Bryant deshalb auch weiterhin Projekte finanzieren, die "Kids von der Straße holen". Als Nächstes steht der Bau von acht neuen Wohneinheiten für Straßenkinder mit mentalen Problemen an. Die Baupläne, so Bryant, habe er schon abgezeichnet. Natürlich, das gibt Kobe Bryant ungezwungen zu, spielt die persönliche Legendenbildung bei dem neuen Engagement des Superstars auch eine gewisse Rolle. "Meine Karriere nähert sich dem Ende", sagt er. "Wenn ich irgendwann zurückblicke, dann möchte ich nicht nur sagen, ich war ein guter Basketballspieler, der viele Meisterschaften gewonnen hat. Ich möchte mehr."

Umringt von strahlenden Teenagern

Und wer Kobe Bryant, dem viele voraussagen, dass er in der kommenden Saison wohl einen allerletzten Anlauf auf die Meisterschaft wagen wird, inmitten der großäugigen Teenager in der Cafeteria des renovierten Heims beobachtet, der merkt schnell, dass es dem Champion sehr ernst ist mit dieser Aussage. Strahlende Teenager umringen ihn, als er mitgebrachte Lakers-Fanartikel mit Autogrammen verziert.

"Hey", ruft er einem Reporter zu, "am Ende des Tages suchen wir alle nach Inspiration im Leben. Jeder will wissen, wofür er kämpft. Da geht es den Kids hier nicht anders als mir. Und selbst wenn du mal einige dunkle Momente im Leben hast. Du musst weiterkämpfen, du musst da durch. Das ist der einzige Weg." Besser hätte es Spider Man auch nicht formulieren können.

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