14.09.12

Bayern-Trainer

Heynckes sieht Outing schwuler Fußballer skeptisch

Nach dem Interview eines homosexuellen Bundesligaspielers diskutiert die Branche, ob der Profifußball bereit für Coming Outs ist. Bayern-Trainer Heynckes ist im Gegensatz zu Kanzlerin Merkel unsicher.

Foto: Getty
Heynckes
Bayern-Trainer Jupp Heynckes: "Ich bin sehr tolerant"

Im Gegensatz zu Bundeskanzlerin Angela Merkel und Uli Hoeneß sieht Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes nach wie vor Probleme, sollte sich ein Profi-Fußballer in Deutschland offen zu seiner Homosexualität bekennen. "Das ist ein ganz sensibles Thema, man kann nicht so leicht sagen: Sie sollen sich outen, das würde respektiert. Vielleicht sind die Gesellschaft, der Sport und ein kleiner Teil der Fans noch nicht so weit, das zu tolerieren", sagte der 67-Jährige.

Sollte ein Spieler zu ihm kommen und sich "outen", wäre das "eine Sache zwischen Spieler und Trainer. Ich würde das sehr diskret behandeln. Ich bin sehr tolerant", sagte Heynckes.

Ein anonym gebliebener Bundesligaspieler hatte die Debatte um schwule Fußballprofis mit einem Interview neu entfacht. Die Kanzlerin hatte dem Spieler daraufhin am Donnerstag Mut gemacht: "Er lebt in einem Land, in dem er sich vor einem Outing nicht fürchten muss. Wir können nur das Signal geben, dass er keine Angst haben muss."

Stiftung ermutigt zum Coming Out

Auch Bayern-Präsident Uli Hoeneß glaubt daran, "dass sich über kurz oder lang der eine oder andere Spieler outen wird. Der Fußball ist offen genug dafür", sagte Hoeneß. Er könne sich deshalb "nicht vorstellen, dass ein schwuler Spieler mit unseren Fans Probleme bekommt. Der FC Bayern ist vorbereitet." DFB-Präsident Wolfgang Niersbach bot homosexuellen Profis "jegliche Hilfe" des Verbandes an.

Auch die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld begrüßte am Freitag das klare Signal von Merkel an homosexuelle Fußballer, zu ihrer sexuellen Identität zu stehen. Die Stiftung betreibt das soziale Netzwerk "Fussball gegen Homophobie".

Jörg Litwinschuh, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung, ermutigte Profifußballer zum Coming Out: "Nach den eindeutigen und positiven Ermutigungen aus der Politik würde ich mich über ein klares Signal aus dem DFB-Präsidium freuen. Es gibt viele Expertinnen und Experten, die die Vereine auf den Tag X, wenn sich ein oder mehrere Spieler outen, vorbereiten könnten." Das Thema müsse im Verband "zur Chefsache" gemacht werden.

Quelle: DW/SUF
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