10.09.2012, 20:59

Formel 1 Technische Defekte bremsen Vettel im WM-Kampf aus

Formula One Grand Prix of Italy

Foto: epa

In Valencia haderte der Formel-1-Weltmeister mit Problemen der Lichtmaschine. Für Renault habe die Behebung nun oberste Priorität.

Seine Handschuhe verschonte Sebastian Vettel diesmal. Nachdem ihn beim Großen Preis von Europa in Valencia ein Defekt der Lichtmaschine ausgebremst hatte, hatte er die feuerfesten Überzieher noch frustriert hinter die Leitplanke geschleudert. In Monza erging es ihm nun kaum besser, auch auf der Hochgeschwindigkeits-Piste in Nord-Italien streikte fünf Runden vor dem Ende die Licht-Elektronik.

"Schalt sofort den Motor ab!", befahlen über Funk die Ingenieure, die den Schaden als Erste bemerkten. Kurz darauf kletterte Vettel aus seinem im Grünen geparkten Boliden und marschierte ohne äußerliche Frustreaktion davon. Innerlich dürfte es in ihm jedoch ausgesehen haben wie seinerzeit in Valencia. "Das ist natürlich sehr schade", sagte er später: "Es wären schöne Punkte gewesen." In manchen Rennen sei man eben nicht schnell genug. Monza war so ein Beispiel: "Da ist es wichtig, die maximale Punktzahl mitzunehmen. Leider ist das aufgrund der Zuverlässigkeit nicht gelungen."

Auf 39 Zähler ist Vettels Rückstand nun in der WM-Gesamtwertung gewachsen auf den wie entfesselt fahrenden Ferrari-Piloten Fernando Alonso. Der holte von Startplatz zehn aus nicht nur sieben Ränge auf, sondern machte Vettel auch mustergültig vor, wie das geht mit der Punkte-Hamsterei. Als der Spanier vier Runden vor Schluss spürte, dass Sauber-Pilot Sergio Perez wohl in einem schnelleren Auto saß und früher oder später zum Überholmanöver ansetzen würde, ließ er ihn lieber passieren, anstatt eine Kollision zu riskieren. 15 Punkte für Platz drei reichten dem 31-Jährigen, um anschließend von "Kino mit Happy End" zu sprechen. Bei sieben ausstehenden Rennen könnte der Spielfilm dieser Saison ähnlich ausgehen.

Renault entschuldigt sich

Zwar entschuldigte sich Motorenlieferant Renault nach dem Rennen bei Red Bull für die kaputte Lichtmaschine. Doch der Inhalt dieser Mitteilung dürfte Vettel und seinen Teamkollegen Mark Webber, der wegen eines Bremsplatten ebenfalls nicht ins Ziel kam, nur zusätzlich beunruhigen.

"Es liegt weder an Red Bull noch an Vettel noch an den Umständen noch an der Fahrweise", hieß es bei Renault. Bis zum nächsten Rennen in Singapur in zwei Wochen habe die Behebung dieses Problems nun oberste Priorität, versprach Renault-Ingenieur Cyril Dumont.

Schon jetzt frohlockt die Konkurrenz ob der Schwäche der einstigen Dominatoren. "Wir haben ein sehr starkes Fahreraufgebot und rücken Red Bull immer näher auf die Pelle", sagte McLaren-Chef Ron Dennis. Die vergangenen drei Rennen gewannen allesamt die Silberpfeile aus Großbritannien. "Red Bull scheint ein paar Probleme mit dem Auto zu haben. Hoffentlich können wir im Titelrennen zu einer Bedrohung werden", meinte Dennis genüsslich. Derzeit trennen beide Rennställe noch 29 Zähler in der Konstrukteurs-Wertung, im vergangenen Jahr waren es zur gleichen Zeit 126.

Probleme durch Regeländerungen

Der Grund für die Misere sind neben der offensichtlich schwindenden Zuverlässigkeit des Red Bull Änderungen im Reglement. Um Solofahrten wie im Vorjahr zu verhindern, haben der Weltautomobil-Verband Fia sowie Fomel-1-Boss Bernie Ecclestone den angeblasenen Diffusor verboten. Diese Technologie hatte 2011 den entscheidenden Vorsprung gebracht. Auch die Testfahrten vor Saisonstart liefen alles andere als optimal für Red Bull. Erst kurz vor dem Auftakt-Grand-Prix in Melbourne ließ Teamchef Christian Horner die hochsensiblen Dienstgeräte von Vettel und Webber noch einmal umbauen. McLaren etwa hatte da längst mit dem Feintuning begonnen. Nach dem schwarzen Wochenende von Monza nun grollte der Brite: "Es ist eine Riesenschande. Das ist so ein Tag, den müssen wir hinter uns lassen."

Anders als die beteiligten Piloten sprach der 38-Jährige von einer Vorentscheidung im Titelkampf, auch wenn er das Wort nicht konkret benutzte: "Es wird schwierig, aber wir werden weiterkämpfen. Wir können es uns nicht leisten, die Rennen nicht zu beenden." Sebastian Vettel sagte: "Auf den kommenden Strecken gibt es nicht so viele lange Geraden. Da können wir hoffentlich wieder angreifen." Die Handschuhe hatte er da längst artig im Motorhome verstaut.

(sip/B.N.)
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