26.08.2012, 07:25

Boxen Weltmeister - "König" Arthur Abraham trägt wieder die Krone

Robert Stieglitz v Arthur Abraham - WBO Super Middleweight Title

Foto: Getty

Robert Stieglitz v Arthur Abraham - WBO Super Middleweight Title Foto: Getty

Einstimmiger Punktsieg für den Berliner Arthur Abraham: Klare Treffer führen den 32-Jährigen zur Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht.

Comeback geglückt, Karriere gerettet: "King Arthur" Abraham trägt wieder Krone. Zum Song "Eye of the Tiger" aus der legendären Reihe der Rocky-Filme war der Profiboxer Sonnabendnacht in Berlin zum Ring marschiert – mit dem Weltmeistergürtel um die Schulter verließ er ihn wieder. Im dritten Anlauf schaffte es der 32 Jahre alte Berliner zurück auf den Thron. Der einst so souveräne Champion im Mittelgewicht nahm dem Magdeburger Robert Stieglitz vor 10.100 Zuschauern in der o2 World mit einem einstimmigen Punktsieg (116:112, 116:112, 115:113) den WBO-Gürtel im Supermittelgewicht ab.

"Es war mein Ziel, wieder Weltmeister zu werden, und ich habe es geschafft", sagte Abraham mit tränenerstickter Stimme. Als es um Alles oder Nichts ging, fand er sein Kämpferherz wieder. Nach den bitteren Pleiten gegen den britischen WBC-Titelträger Carl Froch und WBA-Weltmeister Andre Ward aus den USA hatte Abrahams Management mit viel Geschick eine weitere WM-Chance für den gebürtigen Armenier organisiert – es wäre wohl seine letzte geblieben. "Wenn er das vergeigt hätte, hätte ich auch keinen Rat mehr gewusst", sagte Abrahams Trainer Ulli Wegner.

Diesmal habe er sich an die taktische Marschroute gehalten, meinte Wegner. "Wenn Arthur sein Leistungsvermögen abruft, gehört er zur absoluten Weltspitze. Wir haben wieder einen würdigen Weltmeister." Manager Wilfried Sauerland konstatierte: "Der Druck war sehr groß nach den nicht erfreulichen Leistungen. Arthur ist zurück – jetzt können wir auf viele schöne Kämpfe hoffen."

Abraham boxt mit Übersicht

Abraham begann gegen Stieglitz aktiver als üblich, behielt stets die Übersicht und boxte, statt zu keilen. Einen K.o.-Sieg über den Techniker hatten ihm viele zugetraut – einen Punktsieg nicht. "Das war nicht der alte Arthur und nicht der neue, sondern der erfahrene, der aus seinen Niederlagen viel gelernt hat", sagte Abraham nach dem 35. Sieg im 38. Profikampf. "Die letzten zwei Jahre waren sehr hart für mich, es gab viele Tiefschläge."

Als Abraham zu mitternächtlicher Stunde über seinen Lernprozess sinnierte, war ausgerechnet derjenige nicht mehr anwesend, der solche Ratschläge nun gut gebrauchen könnte. Die zahlreichen blutenden Cut-Verletzungen des 31 Jahre alten Stieglitz mussten genäht werden. "So hatte ich mir das nicht vorgestellt", hatte der entthronte Weltmeister zuvor noch mitgeteilt.

Ex-Champion Graciano Rocchigiani, einst wie Abraham Titelträger im Mittel- und Supermittelgewicht, meinte: "Das war eine Bestrafung." Stieglitz soll sich nun auskurieren, dann könnte es zu einem Rückkampf mit Abraham kommen - der ist vertraglich vereinbart. "Wieder hinten anstellen ist Quatsch. Wir haben einen Deal", sagte Promoter Ulf Steinforth.

Nächster Gegner Felix Sturm?

Abrahams Lager jedoch schwebt ein Gegner vor, der einst auf Augenhöhe mit dem Berliner boxte und ihm dann enteilte: Mittelgewichts-Weltmeister Felix Sturm. Der WBA-Superchampion aus Köln will am kommenden Sonnabend in Oberhausen IBF-Titelträger Daniel Geale aus Australien entthronen.

Danach wolle er den Sieger des Duells Stieglitz gegen Abraham boxen, hatte Sturm vor Tagen verlauten lassen. "Wenn er diesen Kampf gesehen hat, wird er sich das noch einmal überlegen", meinte Abrahams Promoter Kalle Sauerland. "Ich boxe gegen jeden", erklärte Abraham mit demonstrativer Gelassenheit. Zum ersten Mal in zwei Jahren glaubte man ihm das wieder aufs Wort.

(dpa/bee)
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