26.08.2012, 07:08

Nach dem 2:1 Hertha-Trainer Luhukay lobt Wagner und rüffelt Allagui

Hertha BSC - Jahn Regensburg

Foto: DPA

Hertha BSC - Jahn Regensburg Foto: DPA

Von Uwe Bremer

Der Mut von Hertha-Trainer Luhukay zu zwei Stürmern wurde gegen Jahn Regensburg mit einem Sieg belohnt. Zufrieden ist er trotzdem nicht.

Der schwer erarbeitete Sieg hatte Spuren hinterlassen. Torschütze Sandro Wagner wurde wegen einer Prellung am großen Zeh in der Kabine behandelt. Änis Ben-Hatira, der beide Treffer eingeleitet hatte, musste am Sprunggelenk behandelt werden. So nahm von den Torschützen des 2:1 (2:0) gegen Jahn Regensburg, nur Sami Allagui am Auslaufen teil.

Er sagte: "Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis." Am dritten Spieltag der Zweiten Liga war dem Aufstiegsfavoriten aus Berlin endlich der erste Sieg gelungen. Erleichterung. "Beide Stürmer haben getroffen, das ist sehr gut", sagte Allagui.

Beide Treffer entsprangen einer deutsch-tunesischen Coproduktion. Änis Ben-Hatira, geboren in Berlin, ist ebenso tunesischer Nationalspieler wie der gebürtige Düsseldorfer Allagui. Nach 41 Minuten verwertete Allagui eine weite Ben-Hatira-Vorlage und schloss sie mit dem 1:0 ab. Wenig später eroberte Ben-Hatira den Ball am Regensburger Strafraum, seine Flanke verlängerte Allagui per Kopf, so dass Sandro Wagner den Ball aus einem Meter ins leere Tor zum 2:0 köpfte (43.). "Änis hat ein sehr gutes Spiel gemacht", sagte Allagui über seinen Kollegen.

Das Lob von Trainer Jos Luhukay verteilte sich indessen etwas anders. Der Hertha-Coach hob bei Ben-Hatira ebenfalls den Daumen. "Mit seiner Kreativität kann Änis Spiele für uns entscheiden."

Resultat rechtfertigt Entscheidung

Dann lobte Luhukay ausführlich Sandro Wagner (24). Die Verpflichtung des U21-Europameisters von 2009 in diesem Sommer hatte im Hertha-Umfeld für Stirnrunzeln gesorgt. Zu groß, zu wenig beweglich, technisch limitiert, lauteten die Vorurteile. Schließlich habe sich Wagner weder bei Werder Bremen noch beim 1. FC Kaiserslautern durchgesetzt. Und überhaupt erinnerte er viele Anhänger an den ungeliebten Rob Friend (mittlerweile Eintracht Frankfurt). Dazu hat Wagner nie etwas gesagt, er lässt Leistung sprechen. Nach seinem Treffer im DFB-Pokal in Worms (1:2) legte er auch gegen Regensburg nach. "Sandro hat ein gutes Spiel gemacht, nicht nur wegen seines Tores", sagte Luhukay. Der Trainer lobte den Einsatz, die Laufbereitschaft, nicht nur nach vorn, sondern auch als erste Verteidigungslinie. "Sandro hat immer wieder die gegnerischen Verteidiger bei deren Ballbesitz angelaufen." Ohnehin hat Hertha nicht viele Profis mit der Kampfkraft von Wagner im Kader, eine Qualität, die besonders in der Zweiten Liga wichtig ist.

Die Beurteilung der Leistung von Allagui, fiel wesentlich differenzierter aus. "Sami hatte zwei Lichtblicke", attestierte Luhukay seinem Königstransfer. Immerhin 1,5 Millionen Euro überweist Hertha für den Stürmer an den FSV Mainz. Doch trotz eines Tores und einer Vorlage rüffelte der Trainer, insgesamt sei Allagui "zu passiv" gewesen. "Er muss sich noch viel mehr ins Spiel einbringen."

Erstmals in der Liga hatte der Hertha-Trainer vor 29.886 Zuschauern im Olympiastadion auf zwei Stürmer gesetzt. Das Resultat rechtfertigt den Schritt. "Es ist wichtig für die Mannschaft, dass im dritten Anlauf endlich der erste Sieg gelungen ist", sagte Luhukay. Aber das Spiel insgesamt hatte ihm wenig gefallen. "Uns hat die Leichtigkeit gefehlt. Wir hatten zu wenig Tempo im Spiel, haben uns zu wenig Möglichkeit erarbeitet." Das lag jedoch am wenigsten an den Stürmern. Der Trainer ärgerte sich über die vielen langen Bälle, mit denen seine Mannschaft viel zu oft den Mangel an Ideen für den Spielaufbau überdecken wollte. Luhukay ist nicht entgangen, dass die neu zusammengestellte Mannschaft immer noch dabei ist, sich zu finden. "Das war keine große Fußballkunst, aber ein wichtiger Pflichtsieg", sagte Manndecker Maik Franz. "Das Ergebnis war gut. An allem anderen arbeiten wir."

Rückenprobleme: Kraft fällt aus

Ungeachtet aller Unzulänglichkeiten, mit Blick auf das Prestigeduell am Montag in einer Woche beim 1. FC Union sind die drei Punkte Gold wert. "Wir haben ab jetzt nur noch das Derby im Kopf", sagte Sami Allagui.

Ob Roman Hubnik in der Alten Försterei auflaufen kann, bleibt abzuwarten. Der tschechische Manndecker hat sich bei einem unglücklichen Zusammenprall mit Teamkollege Marcel Ndjeng eine Gehirnerschütterung zugezogen. Mitte der Woche soll er wieder ins Training einsteigen. Für einen anderen Hertha-Profi fiel die Generalprobe zum Derby aus. Thomas Kraft hat seine Sperre für vier Pflichtspiele mit dem Abpfiff der Regensburg-Partie abgesessen. Er sollte am Sonnabend mit der U23 bei Optik Rathenow spielen. Doch ein Hexenschuss machte Herthas Nummer 1 einen Strich durch die Rechnung. Der Einsatz von Torwart Kraft bei Union ist jedoch nicht gefährdet.

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