24.08.12

Lance Armstrong

Tour-Siege aberkannt – Ullrich mit zweiten Plätzen zufrieden

Jan Ullrich macht sich keine besonderen Gedanken über eine mögliche Aberkennung der Tour-de-France-Titel von Lance Armstrong.

Foto: DPA
Armstrong gibt auf: Verlust von Tour-Titeln droht
Bei seinen Erfolgen 2000, 2001 und 2003 hatte Armstrong (l.) Jan Ullrich jeweils auf Platz zwei verwiesen. Ob Ullrich nun nachträglich zum Sieger in diesen Jahren aufsteigen kann, blieb zunächst fraglich

Der ehemalige Radstar Jan Ullrich sieht nach der drohenden lebenslangen Sperre für seinen früheren Dauerrivalen Lance Armstrong der möglichen Zuerkennung drei weiterer Tour-de-France-Siege ohne große Freude entgegen. "Ich schaue nicht auf diese Titel, ich verfolge das Verfahren auch nicht intensiv. Ich bin stolz auf meine zweiten Plätze", sagte der Tour-Sieger von 1997 dem Tagesspiegel: "Wenn der Fall tatsächlich eintritt, werde ich mich dazu äußern. Bis dahin ist das Spekulation."

Armstrong vor Verlust seiner Tour-de-France-Titel

Am Freitagmorgen war bekannt geworden, dass der siebenmalige Tour-Sieger Lance Armstrong unmittelbar vor dem Verlust seiner Titel steht und dem US-Amerikaner eine lebenslangen Sperre droht. Armstrong hatte zuvor im Rechtsstreit um die Dopingvorwürfe aufgegeben, möglicherweise werden nun alle Ergebnisse seit dem 1. August 1998 gestrichen.

Am Montag war eine Klage des 40-Jährigen, der die Tour von 1999 bis 2005 gewonnen hatte, gegen die Usada abgewiesen worden. Ein Gericht in Armstrongs Heimatstadt Austin/Texas hatte damit die Ermittlungen wegen jahrelangen Dopingmissbrauchs für rechtens erklärt.

Ullrich war im Februar schuldig gesprochen worden, gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen zu haben. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte den Olympiasieger von 2000 für zwei Jahre gesperrt. Sämtliche Ergebnisse Ullrichs seit dem 1. Mai 2005 waren daraufhin gestrichen worden. Das Urteil erging mehr als fünf Jahre, nachdem die Verwicklung des einstigen deutschen Radstars in die Affäre um den mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes bekannt geworden war.

Auch Klöden könnte nachrücken

Neben Ullrich könnte nun nachträglich auch Andreas Klöden zum Tour-Sieger erklärt werden. 2004 landete er hinter Armstrong auf dem zweiten Platz. Auch Klöden steht unter starkem Dopingverdacht.

Quelle: sid/tj
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Armstrongs Doping-Affäre – die Chronologie
  • 2. Juli 2004

    Unmittelbar vor der Tour de France 2004 erscheint das Buch „L.A. Confidential“, in dem die beiden Journalisten David Walsh und Pierre Ballester schwere Doping-Vorwürfe gegen Lance Armstrong erheben. Der US-Amerikaner scheitert vor Gericht mehrfach mit dem Versuch, sich in dem Buch äußern zu dürfen.

  • 1. Oktober 2004

    Wegen Sportbetrugs wird der Sportarzt Michele Ferrari zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Der Italiener arbeitete lange mit Armstrong zusammen. Vom Vorwurf, Radsportler mit Dopingmitteln versorgt zu haben, wird Ferrari aus Mangel an Beweisen jedoch freigesprochen.

  • 1. April 2005

    Sein ehemaliger Betreuer Mike Anderson erklärt vor Gericht, 2004 „ein verbotenes Medikament“ in Armstrongs Badezimmer gefunden zu haben. Der reagiert darauf mit einer Schadensersatzklage.

  • 24. Juli 2005

    Armstrong gewinnt zum siebten Mal die Tour de France und beendet danach seine Karriere.

  • 23. August 2005

    Die französische Sportzeitung „L'Equipe“ berichtet, dass in sechs Urinproben von Armstrong aus dem Jahr 1999 das Dopingmittel EPO nachgewiesen wurde. Die Proben waren eingefroren worden und konnten dem Bericht zufolge eindeutig Armstrong zugeordnet werden. EPO ist erst seit 2001 nachweisbar.

  • 31. Mai 2006

    Eine vom Weltverband UCI eingesetzte Kommission spricht Armstrong von den 1999er Doping-Vorwürfen frei. Die weltweite Anti-Doping-Agentur WADA nennt den UCI-Bericht „fast schon lächerlich“.

  • 9. September 2008

    Armstrong kündigt für 2009 sein Comeback an.

  • 2. Oktober 2008

    Die französische Anti-Doping-Agentur AFLD schlägt Armstrong vor, die sechs Proben der Tour de France 1999 nochmals zu testen. Der US-Amerikaner lehnt das ab.

  • 20. Mai 2010

    Armstrongs ehemaliger Teamkollege Floyd Landis gibt öffentlich zu, die meiste Zeit seiner Karriere gedopt zu haben. Der Tour-Sieger von 2006 beschuldigt in diesem Zusammenhang auch Armstrong des Dopings. Der weist die Anschuldigungen zurück.

  • 26. Mai 2010

    Nach den Aussagen von Landis kündigen die US-Behörden an, die Ermittlungen gegen Armstrong auszuweiten. Es geht jetzt nicht nur um die Einnahme unerlaubter Mittel, sondern auch um die Frage, ob das Sponsorengeld des amerikanischen Postdienstleisters US Postal dazu genutzt wurde, um Dopingmittel zu finanzieren.

  • 16. Februar 2011

    Armstrong erklärt sein endgültiges Karriereende.

  • 20. Mai 2011

    Tyler Hamilton ist der nächste ehemalige Teamkollege, der schwere Doping-Vorwürfe gegen Armstrong erhebt. „Ich sah EPO in seinem Kühlschrank. Ich sah mehr als einmal, wie er es sich gespritzt hat“, sagt der Zeitfahr-Olympiasieger von 2004 dem TV-Sender CBS.

  • 4. Februar 2012

    Die US-Staatsanwaltschaft stellt ihre Doping-Ermittlungen gegen Armstrong ein.

  • 9. Februar 2012

    Der Welt-Triathlonverband WTC gibt eine Kooperation mit Armstrong bekannt. Für sechs Starts kassiert seine Krebs-Foundation „Livestrong“ eine Million Dollar. Die erste Teilnahme soll im Oktober 2012 sein.

  • 12. Februar 2012

    Armstrong wird Zweiter beim Ironman 70.3, einem Wettkampf über die halbe Distanz. Zum Dopingtest müssen nicht wie üblich die ersten drei, sondern die Athleten auf den Plätzen vier bis sechs.

  • 12. Juni 2012

    Die nationale Anti Doping-Agentur USADA erhebt in einem Schreiben schwere vorwürfe gegen Armstrong. Proben aus den Jahren 2009 und 2010 sollen „vollkommen mit Proben übereinstimmen, an denen Blutmanipulation, inklusive EPO und/oder Blut-Transfusionen vorgenommen wurden.“ Armstrong wird sofort für alle Wettbewerbe gesperrt.

  • 14. Juni 2012

    Der WTC gibt bekannt, dass Armstrong wegen der laufenden Ermittlung nicht an Wettkämpfen teilnehmen darf. Der Ironman in Nizza am 24. Juni findet ohne den 40-Jährigen statt.

  • 20. August 2012

    Ein Gericht in Austin erklärt die Ermittlungen der USADA gegen Armstrong für rechtens. Der Texaner muss entscheiden, ob er eine Schiedsgerichts-Verhandlung will oder eine drohende lebenslange Sperre der USADA akzeptiert.

  • 24. August 2012

    Armstrong teilt in einem Statement mit, dass er den Kampf gegen die Anschuldigungen aufgibt. Ihm droht nun die Aberkennung seiner Tour-Titel.

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