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13.08.12Nadjeschda Ostaptschuk
Für die gedopte Kugelstoßerin geht es um die Wurst
Doping mit Anabolika: Das IOC entzieht der weißrussischen Kugelstoßerin Ostaptschuk den Olympiasieg. Die Frau, die als Siegprämie lebenslang Wurst versprochen bekam, setzt sich nun zur Wehr.
Von Markus Berg
Foto: AFP
Mit aller Kraft stößt Nadeschda Ostaptschuk die Kugel im olympischen Finale.
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Entschieden hatte sich Nadjeschda Ostaptschuk (31) noch nicht, welche Wurstsorte sie sich nun ein Leben lang umsonst schmecken lassen wollte. Das braucht sie jetzt auch nicht mehr.
Die von einem Fleischsponsor ihres Heimatlandes ausgelobte Belohnung für einen Olympiasieg kann die bullige Kugelstoßerin aus Weißrussland nämlich vergessen. Das gilt auch für die 124.000 Euro, die das nationale Sportkomitee im Erfolgsfall als Prämie zugesagt hatte.
Genau eine Woche nach ihrem Triumph im Londoner Olympiastadion ist Ostaptschuk die Goldmedaille durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) wegen eines Dopingvergehens aberkannt worden. In ihren zwei Urinproben vom 5. August – einen Tag vor ihrem Wettkampf – und vom 6. August – kurz nach ihrem Sieg – wurde jeweils das anabole Steroid Methenolon gefunden.
Ein Zeichen
Mit dem vorerst letzten Dopingfall der Olympischen Spiele 2012 ging den Fahndern ein richtig dicker Fisch ins Netz. Die Rekordzahl von 5000 Kontrollen hatte das IOC angesetzt, 25 Millionen Euro kostete das Testprogramm. Bereits vor Beginn der Spiele waren 117 Athleten positiv getestet worden. "Das ist ein Zeichen, dass das System funktioniert", befand IOC-Präsident Jacques Rogge. Während des 16-tägigen Sportspektakels waren noch neun Doper erwischt worden, darunter allerdings keine Medaillengewinner.
Das Internationale Olympische Komitee wies Ostaptschuk an, ihre Goldmedaille, die sie mit einer Weite von 21,36 m gewonnnen hatte, umgehend zurückzugeben. Diese geht nun an die Neuseeländerin Valerie Adams (20,70), die bereits vor vier Jahren in Peking mit 14 Zentimetern weniger gewonnen hatte.
Auf Rang zwei rückt die Russin Jewgenia Kolodko (20,48), Bronze geht an die Chinesin Lijiao Gong (20,22). Christina Schwanitz vom LV Thum, die als einzige Deutsche im Endkampf gestanden hatte, wird nun als Zehnte geführt.
21 Mal wurden Goldmedaillen aberkannt
Die alte und neue Olympiasiegerin glaubte erst an einen schlechter Scherz, als ihr am Montagmorgen vom IOC mitgeteilt wurde, dass sie zum zweiten Mal olympisches Gold überreicht bekäme. Nach einigen Augenblicken der Besinnung äußerte Adams mit spürbarer Genugtuung. "Das Kontrollsystem funktioniert offensichtlich. Das macht allen Athleten Mut, die wie ich diesen Sport sauber betreiben."
Mit Ostaptschuk musste zum 21. Mal seit den Spielen 1972 ein Olympiasieger- oder eine Olympiasiegerin Gold wegen Dopings wieder zurückgeben. Hinter vorgehaltener Hand wurde seit langem gemunkelt, dass es bei der auffällig maskulin wirkenden Athletin nicht mit rechten Dingen zugehen könne.
Seit dem Meeting in Rom am 31. Mai dieses Jahres, wo Ostaptschuk mit nur 19,58 m lediglich Dritte wurde, war sie außerhalb ihres Landes nicht mehr gesehen worden. Quasi abgeschottet von der Außenwelt bereitet sich die Weltmeisterin von 2005 in heimischer Umgebung auf ihren dritten Olympiastart vor.
Nur Wettkämpfe in Weißrussland
Wettkämpfe bestritt sie zwar, aber nur in Weißrussland, wo sie sicher sein konnte, nicht ins Fadenkreuz der Fahnder zu geraten. Sieben Wochen nach dem Meeting in Rom stieß sie die vier Kilogramm schwere Eisenkugel in Minsk genau zwei Meter weiter auf 21,58 m. Eine derartige Leistungssteigerung binnen so kurzer Zeit bietet nun mal Raum für große Spekulationen.
Die Weißrussin aber will ihre Goldmedaille nicht einfach abgeben. "Natürlich werden wir kämpfen. Die Frage ist nur, wofür und gegen wen", sagte sie. "Sie haben mich vor Fakten gestellt, ohne mir Einzelheiten mitzuteilen", sagte Nadjeschda Ostaptschuk. "Diese Nachricht hat uns natürlich schockiert, ich benötige derzeit Beruhigungsmittel."
28. Juli:
Einen Tag nach der Eröffnungsfeier haben die Spiele in London ihren ersten Dopingfall. Der albanische Gewichtheber Hysen Pulaku wurde positiv auf das anabole Steroid Stanozolol getestet. Das IOC schließt den 20-Jährigen von den Spielen aus.
29. Juli:
Sprinterin Tameka Williams aus dem karibischen Inselstaat St. Kitts und Nevis wird nach einer positiven Dopingprobe vom NOK ihres Landes von den Spielen ausgeschlossen.
1. August:
Die usbekische Turnerin Luisa Galjulina wird vom IOC von den Spielen ausgeschlossen, nachdem in der B-Probe im Urin der 20-Jährigen Furosemid gefunden wurde.
2. August:
Hammerwerferin Marina Marghieva wird nach einer positiven Dopingprobe aus der Olympia-Mannschaft der Republik Moldau gestrichen. Neben Marghieva wird Diskuswerferin Natalia Artyk, die aber nicht in London an den Start gehen sollte, suspendiert.
3. August:
Der dreimalige Hammerwurf-Weltmeister Iwan Tichon verzichtet auf eine Reise nach London. Er soll zu fünf positiv nachgetesteten Athleten von Olympia 2004 in Athen gehören. Leichtathlet Amine Laalou (Marokko/1500 m) wird die Einreise nach England verweigert. Er soll bei einem Meeting in Monaco erwischt worden sein.
4. August:
Das IOC schließt die russische Bahnradfahrerin Wiktoria Baranowa wegen Testosteron-Dopings von den Spielen aus. Zudem zieht es die kolumbianische 400-m-Läufer Diego Palomeque vorläufig aus dem Verkehr. Das brasilianische NOK wirft Ruderin Kissya da Costa wegen eines positiven Dopingtests aus der Mannschaft.
6. August:
Das IOC schließt Judoka Nicholas Delpopolo (USA) von den Spielen in London aus. Der 23-Jährige wurde positiv auf Cannabis getestet, nachdem er anscheinend Hasch-Kekse konsumiert hatte. Er hatte den siebten Platz in der Klasse bis 73 kg belegt.
10. August:
Der Fall des italienischen Gehers Alex Schwazer ist offiziell. Das IOC schließt den 50-km-Olympiasieger von Peking aus. Der 27-Jährige hatte vier Tage zuvor für den bedeutendste Dopingfall während der Olympischen Spiele in London gesorgt. Er wurde von seinem nationalen Olympia-Komitee CONI wegen Epo-Dopings aus dem Verkehr gezogen.
12. August:
Am Tag der Abschlussfeier schließt das IOC den kolumbianischen 400-m-Läufer Diego Palomeque Echavarria von den Spielen aus. Nach positiver A-Probe bestätigt die B-Probe: Der 18 Jahre alte Leichtathlet hat mit Testosteron gedopt. Bei seinem Lauf am 4. August durfte er ohnehin nicht antreten.
11. August:
Bei der Urinanaylse der syrischen 400-m-Hürdenläuferin Ghfran Almouhamad wird in A- und B-Probe das verbotene Stimulans Methylhexanamin gefunden. Almouhamad wird von den Spielen ausgeschlossen. Die 23-Jährige war in ihrem Wettbewerb als Vorlauf-Achte in der ersten Runde ausgeschieden.
13. August:
Einen Tag nach der Abschlussfeier erkennt das Internationale Olympische Komitee Kugelstoß-Olympiasiegerin Nadeschda Ostaptschuk aus Weißrussland die Goldmedaille ab. Die frühere Weltmeisterin sei während der Spiele in London bei zwei Proben positiv auf das anabole Steroid Methenolon getestet worden, teilte das IOC mit. Gold geht damit wie schon in Peking an die Neuseeländerin Valerie Adams vor der Russin Jewgenia Kolodko und Lijiao Gong (China).
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