17.07.12

Schmiergeldaffäre

"Sepp Blatter ist kein seriöser Partner mehr"

Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk spricht im Interview mit Morgenpost Online über Fifa-Chef Blatter, Fair-Play und Rechtsverständnis.

Foto: Getty
Sylvia Schenk ist im Vorstand von Transparency International
Sylvia Schenk ist im Vorstand von Transparency International

Sylvia Schenk (50) sitzt im Vorstand von Transparency International, einer Organisation zur Vorbeugung von Korruption und illegaler Absprachen. Mit ihr sprach Redakteur Lars Gartenschläger.

Morgenpost Online: Frau Schenk, wie beurteilen Sie die Situation um Fifa-Präsident Sepp Blatter?

Sylvia Schenk: Ich bin erschüttert, wenn ich mir noch einmal vor Augen halte, was für ein Interview er auf der Fifa-Seite gegeben hat. Damit beschreibt er ganz klar seine Haltung: Alles, was nicht kriminell ist, ist gar nicht so schlimm – und das im Jahr 2012. Mit seinen Aussagen belegt er einmal mehr, dass der Reformprozess bei der Fifa nicht mal im Ansatz angefangen hat. Er verniedlicht die Dinge und das ist ziemlich grotesk, denn die Annahme solcher Zahlungen war sehr wohl auch damals schon als Untreue strafbar. Mit seiner Haltung aber öffnet er ja Tür und Tor für alle jene, die Dinge machen, die so gerade eben nicht strafbar sind. Wenn das das Verständnis von Fair-Play ist, haben wir ein großes Problem.

Morgenpost Online: Ligapräsident Reinhard Rauball hat ihn zum Rücktritt aufgefordert.

Sylvia Schenk: Der DFB hat sich ja auch klar distanziert. Und ich hoffe, dass auch andere nationale Verbände klar Stellung beziehen.

Morgenpost Online: Blatter hat am Wochenende nachgelegt und dem DFB vorgeworfen, dass es bei der Vergabe der WM 2006 nicht mit rechten Dingen zugegangen sein soll.

Sylvia Schenk: Das ist typisch Fifa. Frei nach dem Motto: Ich kann Dir auch etwas anhaben. Man meint damit, jegliche Aufklärung verhindern und von den eigenen Fehlern ablenken zu können. Das darf nicht funktionieren. Und vor allem soll Herr Blatter dann doch alles auf den Tisch legen und eine Untersuchung einleiten. Dann wollen wir doch mal schauen, was passiert. Die Öffentlichkeit, die Sponsoren, die einzelnen nationalen Verbände und die Fernsehanstalten, die viel Geld für Übertragungsrechte zahlen, dürfen dieses Spiel nicht mehr mitmachen. Sie müssen Konsequenzen fordern.

Morgenpost Online: Wie realistisch ist das?

Sylvia Schenk: Die großen Sponsoren können sich Reputationsschäden doch gar nicht mehr leisten und haben sich 2011 schon geäußert. Sie sind aber durch die jüngsten Äußerungen von Sepp Blatter wieder in die Bredouille geraten. Denn durch seine Äußerungen ist er kein seriöser Geschäftspartner mehr. Es müssen jetzt alle Sachen auf den Tisch. Am besten schon am Dienstag bei der Sitzung in Zürich.

Morgenpost Online: Trotzdem steht Blatters Vorwurf bezüglich der WM 2006 im Raum.

Sylvia Schenk: Es gibt nichts schlimmeres, als sich immer wieder gegen Gerüchte wehren zu müssen. Eben deshalb müssen auch die alten Vorwürfe geklärt werden. Herr Blatter soll die Fakten auf den Tisch legen, wenn er welche hat, und eine Untersuchung einleiten. Als Präsident mit Andeutungen zu drohen, ist ein Armutszeugnis.

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