04.07.12

Wimbledon

Angie im Wunderland – Kerber erobert die Tenniswelt

Vor einem Jahr flog Angelique Kerber in Wimbledon in der 1. Runde noch sang- und klanglos raus und wollte alles hinschmeißen. Mittlerweile glaubt nicht nur Bundestrainerin Rittner an den Finaleinzug.

Foto: REUTERS
Angelique Kerber
Der Halbfinaleinzug ist perfekt: Angelique Kerber bezwingt in der Runde der letzten Acht ihre Teamkollegin Sabine Lisicki

Angelique Kerber staunte Bauklötze, als sie nach ihrer Ankunft in Wimbledon am Sonntag vor einer Woche die ihr zugewiesene Umkleidekabine endlich gefunden hatte. Sie betrat einen wahren Wellnessbereich für die 16 besten Tennisspielerinnen "mit Badewanne, Obst und allem Pipapo".

Der reinste Luxus, wenn ich ehrlich bin", sagte die Kielerin, deren Entdeckungsreise auf dem Feld der Träume weitergeht. Am Dienstag sah die 24-Jährige erstmals das berühmteste Tennisstadion der Welt von innen, "ich wusste nicht, wohin ich gehen musste."

Angie im Wunderland verließ später den Centre Court als Halbfinalistin und kennt bei ihrer Rückkehr am Donnerstag den Weg.

Ausgeglichene Bilanz gegen Radwanska

Die Eroberung der Tenniswelt durch Angelique Kerber muss noch nicht zu Ende sein. Nach ihrem dramatischen 6:3, 6:7 (7:9), 7:5-Sieg über die Berlinerin Sabine Lisicki spielt die deutsche Nummer eins nun gegen die Polin Agnieszka Radwanska um den Einzug in ihr erstes Grand-Slam-Finale.

"Das wird bestimmt wieder ein langes und hartes Match. Ich muss auf meinem höchsten Level spielen, um sie zu schlagen, aber natürlich ist der Ehrgeiz da", sagte die Weltranglisten-Achte vor dem fünften Duell gegen die Dritte im Ranking durchaus selbstbewusst. Bisher steht es 2:2.

Vor einem Jahr aus den Top 100 gefallen

Die Erfolgsstory von Angelique Kerber trägt fast märchenhafte Züge, und Wimbledon 2011 ist der Wendepunkt. Damals wollte sie fast schon alles hinschmeißen. Als Weltranglisten-77. hatte sie in der ersten Runde der All England Championships auf Court 16 gegen die auf Position 256 gelistete Britin Laura Robson verloren. Kerber flog aus den Top 100, doch statt aufzugeben, zog sie die sportlich notwendigen Konsequenzen.

Als Angelique Kerber nach ihrem zweiten Einzug in ein Grand-Slam-Finale das letzte Jahr Revue passieren lassen sollte, atmete sie tief durch. Okay, sagte die ab kommenden Montag mindestens auf Position sieben in der Welt geführte Deutsche und erzählte, wie sie sich nach der Blamage gegen Robson drei Wochen lang in der Offenbacher Waske-Schüttler-Tennisakademie in Form brachte.

Wie sie dann ohne große Erwartungen nach New York flog, bei den US Open Runde für Runde gewann und auf dem Weg ins Halbfinale auch Radwanska schlug. "Bei diesem Turnier hat sich für mich alles verändert. Danach habe ich an mich geglaubt und hatte Selbstvertrauen." Ihr Vorteil: "Ich hatte nichts zu verlieren."

Kerber spürt den Druck

Die Situation hat sich längst verändert. Spätestens seit Angelique Kerber durch ihren Turniersieg in Paris-Bercy nach Erfolgen über die Top-Ten-Spielerinnen Maria Scharapowa und Marion Bartoli in die Weltspitze vorstieß, werden von ihr Siege erwartet. Nicht nur bei WTA-Veranstaltungen, sondern gerade auch bei Grand-Slam-Turnieren. "In New York hat niemand mit mir gerechnet, hier spüre ich den Druck", gab sie zu.

Der Herausforderung, ihren Sensationserfolg bestätigen zu müssen, hielt sie auch im mentalen Härtetest gegen Sabine Lisicki stand. Und das Glück der Tüchtigen kam hinzu. Nachdem sie im zweiten Satz drei Matchbälle nicht genutzt und schon befürchtet hatte, wie vor elf Tagen in Eastbourne nach fünf vergebenen Matchbällen als Verliererin vom Platz zu gehen, platzierte sie bei einem 4:5-Rückstand und eigenem Aufschlag nach Meinung des Schiedsrichters den Ball neben die Linie.

Kerber setzte auf das Prinzip Hoffnung, verlangte nach der Challenge und das Magische Auge bewies, dass einige Filzpartikel die Linie berührt hatten. 15:15 statt 0:30. "Danach habe ich gedacht, das kann die Wende sein." Sie war es, weil ihre olympische Doppelpartnerin zu viele Fehler und also kein Spiel mehr machte.

Rittner: "Traue ihr das Finale zu"

Bundestrainerin Barbara Rittner schwärmte nach dem Zweieinhalbstunden-Krimi von "bester Werbung für das deutsche Damentennis. Schade, dass eine ausscheiden musste." Sie hält Kerber für stark genug, ihren diesjährigen Spitzenwert von 44 Siegen weiter auszubauen. "So wie Angie durch das Turnier geht, trau ich ihr auch zu, ins Finale zu kommen." Wäre ein neues Abenteuer.

Quelle: dapd
© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
US-German investor Nicolas Berggruen add
20.05.13Karstadt
Nicolas Berggruen – der entzauberte Milliardär

Der Kaufhauskonzern hat wieder große Probleme. Nicolas Berggruen, der lange als Retter gefeiert wurde, ist nicht ganz schuldlos. Eine Zwischenbilanz. mehr...

Astronomie
20.05.13Terminvorschau
Das bringt der Tag in Berlin am Dienstag

Berlin hat jeden Tag Neues zu bieten. Politische Termine, Demonstrationen, Prozesse, Theater, Konzerte. Hier finden Sie eine Auswahl der Berliner Morgenpost für Dienstag, den 21. Mai. mehr...


Ein Großaufgebot der Polizei suchte nach dem Mädchen.
20.05.13Hellersdorf
Vermisstes Mädchen wieder aufgetaucht – Sharlyn wohlauf

Mit einem Großaufgebot wurde die achtjährige Sharlyn aus Hellersdorf stundenlang gesucht. Am späten Abend gab es dann Entwarnung: Die Kleine tauchte kurz nach 22 Uhr plötzlich wieder zu Hause auf. mehr...


Die kilometerlangen Rohrleitungen gehören zur Brandschutzanlage des BER-Terminals. Erst wenn sie stabil funktioniert, darf der neue Flughafen eröffnet werden
20.05.13Sprinkleranlage
Am BER tut sich was – Erstes Umbauprojekt seit Mehdorns Antritt

Wann der BER eröffnet, ist noch immer völlig unklar. Nun soll zumindest ein großes Manko beseitigt werden: Die Sprinkleranlage wird umgebaut, statt einer zentralen soll es drei separate Anlagen geben. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Multimedia
Wimbledon

Lisicki schlägt die topgesetzte Scharapowa

Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Umzug Karneval der Kulturen 2013 - Berlin ist bunt
Unwetter Starke Tornados wüten in vier US-Bundesstaaten
Der Futiklub Absolutely Ferguson
Zeit für Neues Beckham beendet seine aktive Fußballkarriere
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Zweite Liga

Die Aufstiegsfeier von Hertha

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote