Stadion-Gewalt
Politik setzt Fußballclubs massiv unter Druck
Sollte sich an der Situation in den Stadien nichts ändern, müssen wohl auch die Vereine haften. Das fordern zumindest einige Politiker.
Die Politik drängt in der Debatte um Gewalt in Fußball-Stadien auf Entscheidungen. Noch vor Beginn der neuen Bundesliga-Saison im August soll es ein Treffen der Innen- und Sportminister aus den Ländern mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) geben.
"Dort erwarten wir konkrete Antworten, wie DFB und DFL die Vollzugsdefizite beheben wollen. Andernfalls werden wir eine Beteiligung der Vereine an den Kosten der Sicherheitsmaßnahmen prüfen", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger am Rande der Innenminister-Konferenz in Göhren-Lebbin.
Mehr Polizeipräsenz nicht bezahlbar
Wie Jäger meinte, könne es nicht sein, dass Fußballvereine durch lukrative TV-Verträge hohe Einnahmen erzielen, für die Sicherheit in den Stadien am Ende aber der Steuerzahler die Zeche zahlt. "Ich erwarte, dass die Vereine deutlich mehr für die Sicherheit tun. Die Konzepte liegen auf dem Tisch. Bei deren Umsetzung gibt es aber noch erhebliche Defizite", so Jäger.
Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) sagte, die Länder könnten mehr Polizeipräsenz in den Fußballstadien nicht leisten. "Wenn es zu einer weiteren Ausweitung von Polizeieinsätzen kommt – und das ist nach der Eskalation der letzten Wochen zu befürchten – dann müssen wir darüber nachdenken, die Vereine mit in die Haftung zu nehmen."
Zuletzt war es bei der Partie zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC am 15. Mai in der Nachspielzeit zu chaotischen Szenen gekommen, als Anhänger des Zweitliga-Dritten schon vor dem Abpfiff auf das Spielfeld stürmten.
Fan-Privilegien auf dem Prüfstand
Bereits am Mittwoch hatte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ein härteres Vorgehen angekündigt. "Wenn die derzeitigen Maßnahmen nicht ausreichen, müssen – auch auf Kosten der Vereine – Nachbesserungen vorgenommen werden", sagte der für den Sport zuständige Bundesminister.
Friedrich forderte von den 56 Klubs der ersten drei Ligen noch vor Ende der Sommerpause ein Handlungskonzept und will sämtliche Fan-Privilegien auf den Prüfstand stellen – auch die Stehplätze. "Als Fußballfan hoffe ich, dass es nicht so kommt, dass es in Deutschland wie in anderen Ländern bald nur noch Sitzplätze in den Stadien gibt", meinte der CSU-Politiker und appellierte an die Vernunft der Anhänger: "Entscheidend ist bei allem: Die Fans haben es selber in der Hand!"
Wie Jäger weiter erklärte, müssten die Fußballvereine vor allem das Einschmuggeln und Abbrennen von Pyrotechnik in ihren Stadien besser verhindern und stärker sanktionieren. "Dafür müssen sie alle rechtlichen Möglichkeiten konsequent ausschöpfen und sorgfältiger bei ihren Kontrollen vorgehen."















