Deutsche Meisterschaften
Berliner Hockey-Teams blicken entspannt auf Finalspiel
Doppeltes Final Four: Sowohl die Damen als auch die Herren des Berliner HC kämpfen um den blauen Wimpel. 5000 Besucher werden erwartet.
Zweifel scheinen dem Präsidenten des Berliner HC fremd zu sein. "Eine solche Endrunde hat es noch nie gegeben", sagt Michael Stiebitz etwa, und: "Ich befürchte fast, dass Leute vor der Tür stehen bleiben müssen." Zumindest "sehr optimistisch" sei er, dass das doppelte Final Four um die Deutschen Meisterschaften der Damen und Herren an diesem Wochenende im Hockey-Stadion Zehlendorf ausverkauft sein wird. Das hieße, dass sich pro Endrundentag rund 2500 Leute auf der BHC-Anlage an der Wilskistraße tummeln.
Nun gibt es aber auch gute Argumente für so viel Zuversicht. Die Gastgeber sind stark vertreten. Die BHC-Männer haben die Bundesliga-Saison dominiert, blieben 18 Spieltage in Serie unbesiegt, im eigenen Stadion sowieso, und zogen souverän als Tabellenführer vor Uhlenhorst Mülheim, Rot-Weiß Köln und dem UHC Hamburg in die Endrunde ein. Dadurch ist das Hauptziel erreicht, in der kommenden Saison in der European Hockey League (EHL) mitzumischen, gleichbedeutend mit der Champions League in anderen Sportarten. "Wir können befreit aufspielen", sagt Nationalspieler Martin Häner.
Kuriose Konstellation
Die BHC-Frauen sehen sich in einer ähnlichen Position, wenn auch aus anderen Gründen. "Wir sind ein bisschen glücklich in diese Endrunde gekommen und können nur gewinnen", findet Rekordnationalspielerin Natascha Keller. Als Tabellenvierte rückten die Berlinerinnen hinter UHC Hamburg, Club an der Alster Hamburg und Rot-Weiß Köln ins Final Four, sicherten sich diesen Platz erst am letzten Spieltag. Womit es zur kuriosen Konstellation kommt, dass es der BHC im Halbfinale am Sonnabend (Frauen 12 Uhr, Männer 16.30 Uhr) mit den Teams des UHC zu tun bekommt.
Über deren Qualitäten muss man nicht lange streiten. Die BHC-Männer haben erstmals die EHL erreicht, ihr Kontrahent hat diesen Wettbewerb der besten Vereinsmannschaften Europas in den vergangenen fünf Jahren dreimal gewonnen. Auch jetzt kommen sie als frischgekürter EHL-Sieger nach Berlin. Aber keine Sorge – "wir werden nicht mit weißer Flagge aufs Feld gehen", kündigt Trainer Friedel Stupp an. Die Sehnsucht im Verein ist groß nach dem ersten Männertitel auf dem Feld seit 47 Jahren. Und die Chance ist da. 1965 wurden die Herren zum letzten Mal Meister – bei der letzten Endrunde in Berlin. Während sie sich zum siebenten Mal den begehrten Wimpel sichern könnten, wäre es für die in der jüngeren Vergangenheit deutlich erfolgreicheren BHC-Damen schon das neunte Meisterstück. Gegen den UHC haben sie im eigenen Stadion lange nicht verloren. Andererseits hat der Hamburger Klub zehn Nationalspielerinnen in seinen Reihen, eine imponierende Saison hingelegt und ist in der EHL auf Rang drei gelandet.
Großveranstaltungen nach Berlin holen
"Die Latte, Deutscher Meister zu werden, liegt sehr hoch", sagt Stiebitz – und das trifft bei der Qualität der beiden Turniere auf alle acht teilnehmenden Mannschaften zu. 29 Spieler und Spielerinnen sind angekündigt, die sich noch Hoffnungen machen dürfen, bei den Olympischen Spielen in London zu den deutschen Teams zu gehören. Und dort traditionell zu den Gold-Anwärtern zu gehören. Deshalb werden die Teams bereits heute (ab 18.30 Uhr) einzeln vorgestellt, "nach Tour-de-France-Vorbild", erklärt der BHC-Präsident. Danach folgt ein Konzert der Soulsängerin Jocelyn B. Smith, zum Abschluss des ersten, eintrittsfreien Tages ein Feuerwerk in Blau-Rot.
Soll ja ein gelungenes Event werden, denn Ziel ist es, häufiger Hockey-Großveranstaltungen nach Berlin zu holen. Rund 80.000 Euro beträgt der Etat, je 30.000 tragen der Senat und die Zuschauereinnahmen bei; den Rest decken Sponsoren. Die Hallenhockey-WM findet 2015 in Deutschland statt, Berlin macht sich Hoffnungen darauf. Die Hallenendrunde um die Deutsche Meisterschaft soll auch in den nächsten beiden Jahren in der Schmeling-Halle über die Bühne gehen. Und wer weiß: Wenn es dem BHC gelingt, ohne rote Zahlen und womöglich gar mit einem blauen Wimpel aus dem Final Four herauszukommen, dann muss das große Hockeyfest an der Wilskistraße nicht das letzte gewesen sein. Zumindest, wenn man Michael Stiebitz fragt.















