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12.05.12Einzelkritik
Lewandowskis Wucht, Gustavos fürchterliche Pässe
Wer konnte im Pokalfinale überzeugen, wer war ein Totalausfall? In der Einzelkritik von "Berliner Morgenpost" gibt es die Abrechnung mit den Münchner Versagern. Die Dortmunder bekommen durchweg gute Noten.
Von Daniel Stolpe
Foto: AFP
Borussia Dortmund ist zum dritten Mal DFB-Pokalsieger.
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Robert Lewandowski sei Dank: Borussia Dortmund hat eine historische Rekordsaison mit dem ersten Double der 103-Jährigen Vereinsgeschichte gekrönt. Der deutsche Meister deklassierte Bayern München beim 5:2 (3:1) im Traum-Finale von Berlin und holte zum ersten Mal seit 1989 den DFB-Pokal. Protagonisten des Sieges waren der dreifache Torschütze Robert Lewandowski (45. Minute, 58., 81.) und der überragende Japaner Shinji Kagawa, der das frühe 1:0 (3.) erzielt hatte. Zudem traf Mats Hummels (40.) vom Elfmeterpunkt für die Dortmunder. Arjen Robben (25.) ebenfalls per Strafstoß und Frank Ribery (75.) erzielten die Bayern-Tore. Dortmund kassierte am Vorabend der großen Meisterfeier in der Heimat nebenbei 6,25 Millionen Euro für den Triumph. Den Bayern bleibt nach der fünften Pleite in Serie gegen den Erzrivalen als letzte Titelchance nur noch das Champions-League-Finale am kommenden Samstag daheim gegen den FC Chelsea.
Borussia Dortmund
Roman Weidenfeller: Nach nur 34 Minuten musste der Torwart des Meisters mit Atemproblemen vom Feld. Bei der Abwehr eines Gomez-Schusses hatte dieser Münchner Stürmer Weidenfeller schon in der 8. Minute im Bereich der Rippen getroffen. In einem zweiten Duell mit Gomez verursachte Weidenfeller den Elfmeter zum 1:1 und sah außerdem die Gelbe Karte. Note 4
Lukasz Piszczek: Hatte, von ganz wenigen Aktionen abgesehen, Bayerns Flügelflitzer Ribery bestens im Griff. Und wann immer die Gelegenheit es erlaubte, setzte der gelernte Angreifer auch zu Vorstößen nach vorn an – wie vor dem 5:2, zu dem er mit einem Lupfer die Vorarbeit leistete. Note 3
Mats Hummels: Auch der zweite Dortmunder Innenverteidiger fand zunächst nur schwer in die Partie. In der Szene, die zum Münchner Elfmeter und damit dem 1:1 führte, hob Hummels das Abseits auf. Äußerst wertvoll dagegen, wie er einen Schuss von Lahm abblockte. Traf dann selbst vom Punkt zum 2:1 – der Weg zum Sieg war damit bereitet. Note 2
Neven Subotic: Anfangs wechselten Licht und Schatten, gruselig war etwa sein Abspiel Mitte der ersten Halbzeit direkt in die Füße von Robben. In anderen Szenen gewohnt solide, aber mit zunehmender Spielzeit auch kaum noch gefordert. Note 3
Marcel Schmelzer: War weitgehend defensiv gebunden gegen Robben und auch Lahm, doch er löste diese Situationen zumeist souverän. Wurde vor dem 4:2 allerdings arg einfach von Ribery ausgetanzt. Note 3
Sebastian Kehl: Hatte mit vergleichsweise wenig Mühe die Hoheit über die Spielfeldmitte. Nur einmal sah jedoch auch der Dortmunder Kapitän schlecht aus, auch er gegen Ribery vor dessen sehenswertem Treffer. Note 2
Ilkay Gündogan: Seine zentrale Aufgabe erfüllte der Deutsch-Türke, indem er fleißig mithalf gegen Ribery. Insgesamt sehr dominant, auch ohne in einzelnen Szenen zu glänzen. Offensiv setzte Gündogan nur wenige Akzente, aber einmal einen direkt getretenen Freistoß nur hauchzart neben den rechten Pfosten des Münchner Tores (54. Minute). Note 2
Jakub Blaszczykowski: Mit seinem Querpass zu Kagawa ebnete der polnische Nationalspieler nach nur drei Minuten den Weg zum Sieg. Zuvor hatte er den Ball in vollem Tempo und den entscheidenden Tick vor Neuer erobert. Provozierte anschließend den Elfmeter heraus, der dem 2:1 vorausging. War insgesamt von Alaba kaum zu stoppen. Note 2
Shinji Kagawa: In seinem höchstwahrscheinlich letzten Pflichtspiel für die Dortmunder eröffnete der Japaner nach nur drei Minuten das muntere Scheibenschießen gegen Neuer. Er war es auch, der den sensationellen Pass auf Lewandowski vor dem 3:1 spielte. Bekam nach 80 Minuten seinen Solo-Abschied – schade, er wird dem deutschen Fußball fehlen. Note 2
Kevin Großkreutz: Der Dortmunder Junge stand im Schatten seiner Nebenleute, er war weit weniger wirkungsvoll als Blaszczykowski oder Kagawa. Im Gegenteil, sein Gegenspieler Lahm bereitete dem Offensivspieler auch defensiv weit mehr Probleme, als diesem lieb sein konnte. Klug dagegen sein Pass durch die Beine von Schweinsteiger zu Lewandowski vor dem 4:1. Note 3
Robert Lewandowski: War eine Halbzeit lang praktisch nicht zu sehen, doch in der Nachspielzeit von Durchgang eins erzielte der Pole dann das 3:1. Damit war der Knoten auch bei ihm geplatzt, mit bemerkenswerter Eiseskälte im Abschluss erzielte er nach dem Seitenwechsel zwei weitere Tore zum 4:1 und 5:2. Note 1
Mitch Langerak: Der Australier ersetzte nach nur 34 Minuten den angeschlagenen Weidenfeller. Gleich in seiner ersten Aktion warf er sich Gomez resolut in den Weg. Insgesamt sehr solide, aber einmal auch vogelwild: Völlig unnötig wagte er in der 49. Minute einen Ausflug weit vor sein Tor. Nur den Kollegen in der Abwehr war es zu verdanken, dass dieser folgenlos blieb. Note 3
Sven Bender: Kam nach 80 Minuten für Kagawa und beim Stande von 4:2 als defensive Absicherung. Eine Minute später fiel das 5:2.
Ivan Perisic: Auch der Kroate durfte als Einwechselspieler noch für ein paar Minuten Finalatmosphäre schnuppern.
Bayern München
Manuel Neuer: Der Nationalmannschaftstorhüter war anfangs zu bemitleiden und ging dann mit all seinen Kollegen unter. Beim ersten und vierten Gegentor war er schuldlos, beim Elfmeter zum 2:1 kam er nur noch unzureichend mit der Hand heran, beim dritten wurde er von Lewandowski getunnelt. Der Lapsus, den Neuer sich vor dem fünften und letzten Gegentor erlaubte, war zwar längst nicht mehr entscheidend – dennoch sollte einem der besten Torhüter der Welt ein solcher Ballverlust an sich nicht passieren. "Schießbude Neuer", höhnten die Dortmunder Fans danach genüsslich. Note 5
Philipp Lahm: Der Kapitän der Bayern war anfangs sichtlich um offensive Akzente bemüht und setzte diese auch wie bei einem Abschluss im Strafraum nach 33 Minuten. Defensiv ohnehin weitgehend mühelos gegen Großkreutz. Aber ein Kapitän, der seine Mannschaft auch in schweren Phasen mitreißt, war Lahm an diesem Abend nicht. Note 5
Jerome Boateng: Der Nationalspieler war anfangs wenig gefordert. Doch als es dann auch auf ihn ankam, versagte Boateng kapital: Sein Zweikampfverhalten gegen Blaszczykowski, das zum Elfmeter vor dem 1:2 führte, war schlicht tölpelhaft; gleiches gilt für sein Abwehrverhalten vor dem 1:3. Note 5
Holger Badstuber: Der im Champions-League-Finale gesperrte Innenverteidiger wirkte merkwürdig nervös, ihm unterliefen einige leichte Abspielfehler. Gar gänzlich desorientiert war Badstuber in der Entstehung des 1:4. Note 5
David Alaba: Begann stark, war eifrig und schnell unterwegs. Doch schon da wechselten sich in den Aktionen des Österreichers Licht und Schatten nach Lust und Laune ab. Baute anschließend immer mehr ab und wurde nach 69 Minuten durch Diego Contento ersetzt. Note 5
Bastian Schweinsteiger: Der spiritus rector des Münchner Spiels stemmte sich lange Zeit gegen das Debakal, ehe schließlich auch er sich ergab. Mit seiner besten Aktion im Spiel gab er den Pass in den Lauf von Gomez, der schließlich zum Elfmeter für die Bayern führte. Weniger schön war für Schweinsteiger, wie er sich vor dem 1:4 von Großkreutz tunneln lassen musste. Note 5
Luiz Gustavo: In der Form vom Pokalfinale ist es ein Glück für den FC Bayern, dass der Brasilianer am kommenden Samstag im Finale der Champions League gesperrt ist. Vor dem 0:1 spielte Luiz Gustavo gleich zwei fürchterliche Bälle nach hinten, vor dem 1:3 hob er das Abseits auf. Ehe er noch mehr Unheil anrichten konnte, musste er zur Pause in der Kabine bleiben. Note 6
Arjen Robben: Der Niederländer bewies nach seinem persönlichen Debakel im Ligaspiel Anfang April in Dortmund die sprichwörtlichen "Eier" und trat erneut an zum Elfmeterduell mit Weidenfeller. Er wählte sogar frech dieselbe Ecke wie bei seinem damaligen Fehlschuss – und traf zum 1:1. War einige Zeit lang insgesamt bemüht und auch frei von allem sonstigen Egoismus, auch bei Langeraks Patzer zu Beginn der zweiten Halbzeit, als er stattdessen Gomez in Szene setzte. Dennoch fand letztlich auch er aus dem Spiel heraus keine wirkungsvollen Mittel gegen starke Dortmunder. Note 5
Toni Kroos: Begann im zentralen offensiven Mittelfeld und wechselte nach der Pause auf die Position des zweiten Sechsers. Eines blieb dabei gleich: Kroos war auffällig unauffällig. Note 5
Franck Ribery: Der Franzose konnte sich von Münchens Offensivspielern noch am ehesten das eine oder andere Mal gegen die Dortmunder durchsetzen. Und das war für ihn gegen Piszczek und Gündogan beileibe nicht einfach. Als er es einmal über rechts probierte, kam er gegen Schmelzer und Kehl direkt zum Abschluss – und erzielte auf diese Weise das sehenswerte 2:4. Note 4
Mario Gomez: Der Mittelstürmer der Münchner war anfangs merklich um Anbindung ans Spiel der Kollegen bemüht, er lief viel, auch nach hinten und zur Seite. Verletzte bei einem ersten Abschlussversuch unabsichtlich BVB-Keeper Weidenfeller und holte in einem zweiten Duell auch den Elfmeter vor dem 1:1 heraus. Dann aber wurde es ruhiger um Gomez, nur mit einem Kopfball gegen die Latte wurde er in der zweiten Halbzeit noch mal auffällig. Er war damit klarer Verlierer im Duell der Torjäger gegen Lewandowski. Note 5
Thomas Müller: Der Edel-Reservist der Münchner wurde zur Pause für Luiz Gustavo eingewechselt und sollte für mehr Offensive sorgen. Das Vorhaben missriet vollends, von Müller ging keinerlei Torgefahr aus. Note 5
Diego Contento: Der Deutsch-Italiener durfte sich nach 69 Minuten für einen möglichen Einsatz als Alaba-Vertreter im Champions-League-Finale warmspielen.
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