13.06.11

Rennrad zum Abschied

Heiner Brand ist erleichtert, dass es vorbei ist

Von seinem Team erhielt Bundestrainer Heiner Brand zum Abschied einen Gutschein für ein Rennrad. Ob er in Zukunft genug Zeit zum Radeln hat, ist jedoch fraglich.

Von Jens Bierschwale
Foto: dpa/DPA
EM-Qualifikation Deutschland - Lettland
Heiner Brand hatte bei seinem letzten Spiel als Handball-Bundestrainer noch einmal so richtig Spaß

Der Rollenwechsel bereitet ihm noch Probleme. Vom 1. Juli an soll Heiner Brand den Deutschen Handballbund (DHB) als Manager verstärken, doch die Denkweise als Trainer kann er so rasch offenbar noch nicht ablegen. Nicht in diesen Tagen, nicht nach seinem Abschied auf großer Bühne in Trier, nicht nach seinem letzten Sieg in verantwortlicher Position.

Nachdem sich der 58-Jährige gebührend hatte feiern lassen beim 32:22 der Handball-Nationalmannschaft gegen Lettland zum Abschluss der EM-Qualifikation , wagte er bereits einen Ausblick auf das kontinentale Kräftemessen Anfang 2012 in Serbien. "Ich hoffe auf ein bisschen Losglück", sagte er. "Es ist wichtig, dass wir eine vernünftige Gruppe haben." Die Europameisterschaft wird Brand zwar nicht mehr unmittelbar von der Bank aus miterleben, aber wer wie er rund 14 Jahre lang Verantwortung trug, fiebert selbst einer recht harmlos erscheinenden Auslosung wie jener Mittwochmittag um 12 Uhr in Belgrad entgegen. "Wenn ich nach vierzehneinhalb Jahren mit einem Job, den ich sehr, sehr gern gemacht habe, aufhöre, wenn mir das nicht nahe gehen würde, hätte ich geschauspielert. Dann würde etwas nicht stimmen."

Einer wie der Gummersbacher kann eben nicht aus seiner Haut, egal ob er nun Bundestrainer oder Verbandsmanager ist. Für diese Authentizität haben ihn die Menschen in Deutschland lieben gelernt. Brand ist das bekannteste Gesicht des deutschen Handballs, und noch ist nicht klar, wohin der Weg der deutschen Auswahl ohne ihre Überfigur führt.

Zumindest die Pflichtaufgaben löst die Mannschaft nach zuletzt zwei desaströs verlaufenen Turnieren inzwischen wieder recht sicher. Der Sieg über Lettland war noch weitaus souveräner als der Erfolg fünf Tage zuvor in Innsbruck gegen Österreich (28:20). Mit den Erfolgen beendete Deutschland die Qualifikationsgruppe 5 als bestes Team vor dem Olympiazweiten Island, der im entscheidenden Spiel Österreich 44:29 bezwang und gleichsam die EM-Spielberechtigung erwarb. "Ich bin jetzt froh, dass ich es hinter mich gebracht habe. Ein bisschen Erleichterung ist auch da", sagte Brand nach der Partie in Trier.

Von seiner Mannschaft erhielt Brand neben einer starken Leistung zum Abschied einen Gutschein für ein Rennrad. "Nachdem ich in Innsbruck frühmorgens eine dreiviertel Stunde lang den Berg hochgefahren bin, da habe ich hinterher gesagt, also ein Rennrad auf flacher Strecke ist mir doch lieber. Das haben sie scheinbar irgendwo mitbekommen", sagte Brand.

Ob er genügend Zeit zum Radeln hat, erscheint allerdings fraglich. Sein Nachfolger steht in dem bisherigen Assistenten Martin Heuberger zwar fest, der 47-Jährige erhielt Freitag die gewünschte Freistellung von seiner Beamtenstelle im Umweltschutz des Landratsamt Ortenaukreis. Aber auf Brand selbst warten schon die nächsten Aufgaben. "Ich habe schon ein paar Termine. Es geht übergangslos weiter."

Heiner Brand im Kurz-Porträt
Heiner Brand. - Geboren am 26. Juli 1952 in Gummersbach.
Beruf: Diplom-Kaufmann.
Familienstand: verheiratet, ein Sohn, eine Tochter.
Länderspiele/-tore: 131/231.
Station als Spieler
VfL Gummersbach (1959 bis 1986).
Stationen als Trainer
VfL Gummersbach (1987 bis 1991 und 1994 bis 1996)
SG Wallau/Massenheim (1992 bis 1994)
Bundestrainer (1997 - 2011).
Erfolge als Spieler
Weltmeister 1978
4. Platz Olympische Spiele 1976
Deutscher Meister 1973, 1974, 1975, 1976, 1982, 1983
Deutscher Pokalsieger: 1977, 1978, 1982, 1983
Europacupsieger der Landesmeister: 1974, 1983
Europacupsieger der Pokalsieger: 1978, 1979, IHF-Pokalsieger: 1982.
Erfolge als Trainer
Weltmeister 2007
Europameister 2004
2. Platz Olympische Spiele 2004
Vize-Weltmeister 2003
Vize-Europameister 2002
3. Platz EM 1998,
Deutscher Meister 1988, 1991, 1993
Deutscher Pokalsieger 1993
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