05.02.08

Hasskriminalität

Mehr Übergriffe auf Homosexuelle registriert

Berlin gilt als offen und tolerant, wenn es um Homosexuelle geht, davon zeugt alljährlich die Schwulen-und-Lesben-Parade Christopher-Street-Day. Doch auch an der Spree gibt es Fälle von Hasskriminalität gegen Homosexuelle, entsprechende Zahlen legte der Innensenator nun vor.

Foto: dpa
Illustration - Höhere Erbschaftssteuer für Lebenspartner

Schwule und Lesben in Berlin leben besonders im Touristenbezirk Mitte gefährlich. Das ergibt sich aus einer Statistik, die Innensenator Ehrhart Körting (SPD) nach einer parlamentarischen Anfrage vorlegte. Danach gab es in Mitte über mehrere Jahre die meisten gemeldeten Fälle von Hasskriminalität wegen der sexuellen Ausrichtung der Opfer.

2006 lag noch Charlottenburg-Wilmersdorf mit neun gemeldeten Fällen vorn, in Mitte waren sieben Fälle zu verzeichnen. Berlinweit wurden in dem Jahr 27 Fälle erfasst, 2005 waren es noch 14. Für das vergangene Jahr liegen noch keine abschließenden Daten vor.


Die Aussagekraft der Zahlen ist jedoch begrenzt. In der jährlichen polizeilichen Kriminalitätsstatistik werden nach Körtings Angaben Straftaten gegen Schwule und Lesben nicht gesondert erfasst. Nur in der Statistik über politisch motivierte Kriminalität gebe es das Feld Hasskriminalität, innerhalb dessen mehrere Bereiche wie "antisemitisch", "Rassismus" und eben auch "sexuelle Orientierung" unterschieden werden.


Zudem geht der Senat von einer sehr hohen Dunkelziffer aus. Besonders einfache Körperverletzungen und Beleidigungen würden vermutlich häufig nicht angezeigt. Bei der Opferhilfeeinrichtung Maneo seien 200 Fälle von Gewalt gegen Schwule gemeldet worden. In einer Umfrage des Projekts im vergangenen Jahr hatten 3000 der Befragten von Gewalterfahrungen im Vorjahr berichtet.


Vertreter der Kampagne "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" teilten indes mit gegen das Tabu der Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit an Schulen vorgehen zu wollen. Es solle zu Diskussionen angeregt und zu einem "Klimawechsel" an Bildungseinrichtungen beigetragen werden, erklärte die Projektleiterin von "Schule ohne Rassismus", Sanem Kleff.

Die 48-seitige Broschüre mit dem Titel "Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität" kann ab Donnerstag für drei Euro im Internet bestellt werden: www.schule-ohne-rassismus.org .

Quelle: dpa/epd/sh
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