05.12.2008, 23:45

Kommentar FC Bayern war nicht besser, sondern glücklicher

Von Ralf Köttker

Das Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga war Unterhaltung auf hohem Niveau. Zwar fand 1899 Hoffenheim am 16. Spieltag im FC Bayern seinen Meister, aber der Aufsteiger ist ein echter Glücksfall für den deutschen Fußball. Das Glück an diesem Abend hatten aber die Münchener, Bayern-Dusel eben.

Es gibt Fußballspiele, in denen das Ergebnis plötzlich zur Nebensache verkommt, weil der Sport viel mehr zu bieten hatte. Die 69.000 Fans in der Münchner Arena haben zum Auftakt des 16. Bundesliga-Spieltages so eine Partie gesehen. Am Ende stand ein 2:1-Sieg des FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim. Der Aufsteiger hatte seinen Meister gefunden. Und trotzdem ganz viel Anerkennung gewonnen.

Nach dem Schlusspfiff durften Klinsmann, Lahm und Toni jubeln. Der eigentliche Sieger des Abends aber war der deutsche Fußball und alle seine Fans. Nie waren die Erwartungen vor dem Auftritt eines Aufsteigers beim Meister so hoch, und selten wurden die Ansprüche an ein Spitzenspiel so eindrucksvoll erfüllt. Es wurde nicht taktiert und dabei nichts riskiert. Es wurde etwas geboten, was der Fußballfan sonst meistens nur in der englischen Premier League zu sehen bekommt: zwei Mannschaften, die sich wie im Zeitraffer bewegen, Athletik, Dynamik, moderner Offensivfußball anno 2008. Anders formuliert: Fußballunterhaltung auf hohem Niveau.

Die 90 Minuten von München müssen auch dem größten Traditionalisten und Gegner der Hoffenheimer Entwicklungsgeschichte überzeugt haben, was für ein Glücksfall diese Mannschaft für die Bundesliga ist. Der Aufsteiger versteckte sich nicht, er spielte nach vorn , frech, angriffslustig, respektlos. Von zwei starken Mannschaften gewann an diesem Abend das glücklichere Team, nicht das bessere.

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