30.12.08

Fußball

Die frustrierten Talente des HSV

Während der HSV sowohl in der Bundesliga als auch in verschiedenen Pokalwettbewerben noch aussichtsreich im Rennen ist, kommt bei Ben-Hatira, Chrisantus und Odjidja-Ofoe bislang keine große Freude auf. Als Nachwuchskräfte sitzen sie zumeist auf der Bank. Jetzt sollen sie verliehen werden.

Von Kai Behrmann
Foto: DPA
Der 20 Jahre alte Änis Ben-Hatira (l.) durfte in der Bundesliga-Hinserie immerhin noch 26 Minuten spielen, dazu eine Minute im Uefa-Pokal. Hier beim Trainingsauftakt des Hamburger SV im Juli dieses Jahres mit Vincent Kompany

Den Erfolg ihrer Kollegen haben sie in der ersten Saisonhälfte als Zuschauer verfolgt. Platz vier in der Bundesliga-Tabelle, nur zwei Punkte Rückstand auf das Spitzenduo Hoffenheim und Bayern München. Dazu in beiden Pokalwettbewerben noch aussichtsreich im Rennen. Während der HSV sich eine hervorragende Ausgangslage für die Rückrunde verschafft hat, ist die Perspektive für Änis Ben-Hatira, Macauley Chrisantus und Vadis Odjidja-Ofoe weitaus weniger vielversprechend. Die Talentbande des Hamburger Traditionsvereins wird auch in Zukunft kaum an den arrivierten Stammkräften vorbeikommen. Doch in Geduld will sich das Trio nicht länger üben.

HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer zeigt Verständnis für den Wunsch der Nachwuchskräfte, ihre Fähigkeiten regelmäßig unter Wettkampfbedingungen demonstrieren zu dürfen. Dass dies in Hamburg schwierig ist, liegt für Beiersdorfer auf der Hand: "Unser Kader ist zum ersten Mal seit vielen Jahren auch in der Breite auf einem sehr guten Niveau. Der Konkurrenzkampf ist sehr hart." Hinzu komme der Spagat zwischen den hohen sportlichen Zielen und einer entsprechenden Jugendförderung. "Oben mitzuspielen und am besten jedes Jahr drei junge Spieler zu integrieren: Da ist es schwierig, allen gerecht zu werden", erklärt Beiersdorfer. Ein Ausleihgeschäft soll nun die Lösung bringen. Die Suche nach einem geeigneten Verein ist bislang aber erfolglos verlaufen. "Verhandlungen gibt es derzeit nicht. Aber im Januar kommt bestimmt Bewegung in die Sache", sagt Beiersdorfer.

Der Weg von Odjidja-Ofoe könnte dabei nach England führen. Kurz vor Weihnachten absolvierte der Defensiv-Allrounder ein mehrtägiges Probetraining beim Premier-League-Club West Bromwich Albion. Dem 19 Jahre alten Belgier bescheinigte Teammanager Tony Mowbray eine ordentliche Leistung. Zugleich machte er jedoch deutlich, dass ein Transfer momentan keine Priorität besitze: "Wir werden das in Ruhe besprechen. Klar ist, dass er kein Spieler wäre, der bei uns auf Anhieb in die Stammelf durchstarten würde." Für den HSV hat der Belgier seit seinem Wechsel vom RSC Anderlecht Anfang dieses Jahres erst zwei Kurzeinsätze absolviert, bei denen er insgesamt zehn Minuten auf dem Platz stand.

Noch ohne Pflichtspielauftritt ist Chrisantus, der seit November 2008 beim HSV unter Vertrag steht. Als Nicht-EU-Ausländer kann der 18 Jahre alte Nigerianer im Gegensatz zu Ben-Hatira und Odjidja-Ofoe nicht einmal für die HSV-Amateure in der Regionalliga auflaufen. Obwohl Jol den jungen Afrikaner in den höchsten Tönen preist ("In zwei Jahren ist er ein Spitzenstürmer"), scheint die Bundesliga-Premiere des Torschützenkönigs der U17-WM 2007 angesichts der starken Konkurrenz in weiter Ferne zu liegen. "Wenn man vorne spielen will, dann muss man einen Olic, Petric oder Guerrero verdrängen. Das ist schwierig", sagt Beiersdorfer.

Sidney Sam kennt das Problem. Nur vier Mal wurde der Offensivspezialist in der vergangenen Spielzeit eingewechselt, ehe er im Sommer an Zweitligist 1. FC Kaiserlautern ausgeliehen wurde. Dort hat sich der ehemalige Tribünengast zu einem wichtigen Bestandteil der Elf von FCK-Trainer Milan Sasic gemausert. "Etwas Besseres hätte mir nicht passieren können. Ich bin einfach froh, wieder zu spielen und Erfahrung sammeln zu dürfen", frohlockt Sam. Seine Bilanz: 14 Einsätze, zehn davon in der Startelf. Hinzu kommen ein Tor und vier Vorlagen. Beiersdorfer hat die Entwicklung von Sam mit Freude verfolgt: "Jetzt ist er in der Zweiten Liga, aber ich glaube, dass er auch das Potenzial für die Bundesliga hat."

Ob der Angreifer am Saisonende an die Elbe zurückkehrt, ist noch offen. Beim HSV besitzt Sam einen Vertrag bis 2010. Zudem haben die Hanseaten die Möglichkeit, den Kontrakt per Option um ein weiteres Jahr zu verlängern. "Damit beschäftigen wir uns zu gegebener Zeit", kündigt Beiersdorfer an. Sam kann sich derweil auch ein dauerhaftes Engagement beim pfälzischen Traditionsclub vorstellen: "Vielleicht wollen die mich ja gar nicht mehr gehen lassen, wenn ich hier gute Leistungen bringe und aufsteige." Der gebürtige Schleswig-Holsteiner hat das Gefühl, wieder gebraucht zu werden. Ein Gefühl, nach dem sich auch seine drei Ex-Kollegen beim HSV sehnen.

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