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19.12.08

Eiskunstlauf

Teurer Kompromiss der DEU mit Ingo Steuer?

Seit 2006 liegt die Deutsche Eislauf-Union mit Trainer Ingo Steuer im Streit. Nun scheint sich allmählich eine Lösung anzubahnen. Nach einer gemeinsamen Sponsorensuche soll nach den Olympischen Spielen in Vancouver 2010 Kassensturz gemacht werden. Und der könnte den klammen Verband hart treffen.

© dpa-Zentralbild
Steuer, Sawtschenko, Szolkowy
Trainer Ingo Steuer (r.) mit seinen Schützlingen Aljona Savchenko und Robin Szolkowy

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat sich längst abgewandt. ARD und ZDF zeigen von den deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften nur ein paar Bilder. "Wir laufen in einer Diaspora", hat Uwe Harnos erkannt, der stellvertretende Präsident des deutschen Verbands DEU. So bekam auch kaum jemand mit, dass die Paarlauf-Weltmeister Aljona Savchenko und Robin Szolkowy nach dem Kurzprogramm in Führung gingen und den sechsten nationalen Meistertitel ins Visier nahmen.

Die Suche nach neuen Sponsoren wurde von fehlender Fernsehpräsenz, aber auch vom Streit mit Savchenko/Szolkowy und deren Trainer Ingo Steuer getrübt. Wegen seiner früheren Stasi-Tätigkeit darf die DEU dem Übungsleiter aus Chemnitz keine Steuergelder zukommen lassen. Gegen diese Praxis klagte Steuer. Der nun erzielte Vergleich könnte den klammen Verband, der vor drei Jahren vor der Insolvenz stand, endgültig ruinieren.

Der Schlichterspruch sieht vor, dass sich die DEU und das Paar gemeinsam bemühen, in den nächsten anderthalb Jahren Sponsoren zu finden. Nach den Olympischen Spielen in Vancouver 2010 soll Kassensturz gemacht werden. 250.000 Euro an Vermarktungsgeldern stehen dann dem derzeit weltbesten Paarlauf-Duo zu.

Schwierige Sponsorensuche

DEU-Mann Harnos nennt die Summe "ein sehr ehrgeiziges Ziel", das in der tiefen wirtschaftlichen Krise kaum zu erreichen sei, zumal in der kurzen Zeitspanne. Er hat erkannt: "Die Kontakte zu Sponsoren gestalten sich als schwierig." Kritiker monieren die schlampige Vermarktung. Dass etwa am 23. Dezember die ARD in Dresden eine Eiskunstlauf-Gala veranstaltet, sei kaum bekannt.

Angesichts der fast ausweglosen Vorgabe gibt sich Anwalt Harnos erstaunlich gelassen. "Wenn das Geld am Ende nicht da ist, muss neu verhandelt werden." Die Gegenpartei betrachtet die Viertelmillion dagegen als Garantiesumme. "Ich werde das Geld notfalls gerichtlich eintreiben", kündigt die Berliner Juristin Karla Vogt-Röller an.

Der Einigung gingen zähe Verhandlungen voraus. Harnos wollte auf keinen Fall die Zahlung der Fördergelder gefährden. Der größte Sponsor des Sports ist das Bundesministerium des Innern (BMI). Aus Bundesmitteln flossen in diesem Jahr 668.395 Euro an die DEU. Die Höhe des Betrages richtet sich nach Erfolgen. Die Subventionen basieren also auf den Leistungen von Savchenko und Szolkowy.

Die DEU finanziert mit den BMI-Geldern den Nachwuchs und die meisten Trainer. Steuer klagte sich 2006 zu den Olympischen Spielen nach Turin, doch das BMI ordnete an, dass kein Geld direkt oder indirekt an Steuer fließen soll. Über die Berichte, die Steuer als "IM Thorsten" für die Stasi verfasste, sagt der Historiker und DDR-Experte Hubertus Knabe: "Was den Sport angeht, habe ich selten offenere Denunziationen gesehen."

Gewagter Spagat

Steuer bezeichnet seine Tätigkeit heute als "die einzige unbedachte Aktion meines Lebens" und bekam vergangenes Jahr Rückendeckung vom Leiter der Stasi-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes, Joachim Gauck. Er bewertete die Dienste des IM Thorsten "als weniger gravierend" und stellte in einem persönlichen Gespräch eine gewisse Läuterung fest.

An Steuers Fachkenntnissen bestanden nie Zweifel. Er formte Savchenko und Szolkowy mit Akribie vergangenen Winter zu Weltmeistern. Doch schon in Göteborg war das Verhältnis zwischen DEU-Delegationsleiter Udo Dönsdorf und Coach Steuer angespannt."

Nun muss dem Verband der Spagat gelingen: Er bezahlt Reisekosten für das Paar, aber kein Gehalt. Das könnte das Paar ja an Steuer abgeben. Die aufzutreibenden Sponsorengelder sollen eine Art Aufwandsentschädigung sein. Man hofft auf Entspannung: Wenn die Auseinandersetzung zwischen der DEU und Steuer "irgendwann mal vorbei wäre", sagt Szolkowy, "wäre das mit Sicherheit eine Erleichterung für alle".

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