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20.03.08

Eiskunstlauf-WM

Ingo Steuer triezt sein Goldpaar zum Titel

Mit eisiger Missachtung strafte Trainer Ingo Steuer Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy nach ihrem schwachen Kurzprogramm ab. Zwar patzte das Chemnitzer Paar auch in der Kür, doch es reichte zum WM-Sieg. Der Streit zwischen Steuer und der DEU aber bleibt mit Blick auf Olympia 2010 eine Belastung.

© AP
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Es war genau 1.11 Uhr in der Nacht, als Ingo Steuer wie selbstverständlich den größten Anteil am Paarlauf-Gold seiner Schützlinge für sich selbst reklamierte. "Bisher habe ich als Trainer alles richtig gemacht", ließ sich der so umstrittene wie selbstbewusste Coach entlocken. Der 41-Jährige lehnte dabei lässig an einem Treppengeländer und warf prüfende Blicke auf die neuen Eiskunstlauf-Weltmeister Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy, die sich bei einer kleinen improvisierten Siegerparty ein wenig feiern ließen.

"The winner takes it all" – dass dieser Abba-Klassiker die Ehrenrunde der beiden Chemnitzer im Scandinavium von Göteborg musikalisch begleitete, entbehrte nicht einer feinen Ironie. Denn die so demonstrative wie eisige Missachtung, mit der Steuer sein Paar nach dessen Patzern im Kurzprogramm ganz gezielt gestraft hatte, war ein Warnschuss, der auch nach hinten hätte losgehen können.


Dass Sawtschenko bitterlich geweint und Szolkowy erstmals einen Hauch von Distanz zum Trainer hatte erkennen lassen, war dem 41-Jährigen völlig schnuppe: "Die Läufer kennen meine Körpersprache und wissen, wann Schluss mit lustig ist. Meine Art ist die harte Tour. Hier hätte am Ende alles umsonst sein können, und das sollten die beiden rechtzeitig spüren."

Gold mit wenig Glanz

Und tatsächlich kam die rüde Botschaft an. Mit wenig Glanz, aber viel Kampf und ungeachtet eines doppelten Sturzes beim dreifachen Salchow holten die beiden Sachsen den ersten WM-Titel für die Deutsche Eislauf-Union (DEU) seit elf Jahren. Letzte Titelträger waren, ebenfalls im Paarlauf, Steuer und seine damalige Partnerin Mandy Wötzel.

Freude ja, überschwänglicher Jubel nein – so ließen sich die Reaktionen der beiden Athleten auf den bislang größten sportlichen Erfolg ihrer Karriere zusammenfassen. "Wir sind nicht rumgehoppelt, sondern haben wie Erwachsene gefeiert", sagte Szolkowy, und Sawtschenko war letztlich nur froh, "dass es ein gutes Ende war und alle zufrieden sind".

Hilfreich war dabei aber auch die Schwäche der Konkurrenz. Was die WM-Zweite Zhang Dan und Zhang Hao aus China dem schwedischen Publikum boten, hatte mit Eiskunst rein gar nichts zu tun. Den talentierten drittplatzierten Kanadiern Jessica Dube und Bryce Davison fehlte es noch an Höchstschwierigkeiten, um Sawtschenko/Szolkowy Paroli bieten zu können.

Schwelender Konflikt

Doch das hinderte Sawtschenko nicht daran, eine aus ihrer Sicht erfreuliche persönliche Zwischenbilanz zu ziehen. "Als ich bei der Siegerehrung die deutsche Flagge sah, wusste ich endgültig, dass es richtig war, nach Deutschland zu gehen", sagte die 24-Jährige, die in Kiew geboren wurde und seit 2005 im Besitz eines deutschen Passes ist. Und als ein gemischter Chor die deutsche Nationalhymne intonierte, schimmerten die Augen der 1,53 m kleinen Blondine dann doch ein wenig feucht.

Ob und wie der sportliche Erfolgsweg bis zu den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver weitergeht und ob er möglicherweise von potenten Sponsoren begleitet wird, hängt ab sofort fast ausschließlich vom öffentlichen Erscheinungsbild der neuen Weltmeister und speziell ihres Trainers ab. Denn der nach wie vor schwelende Konflikt um die Frage, ob die DEU den stasi-belasteten Coach für dessen Tätigkeit entlohnen muss oder nicht, ist noch längst nicht ausgestanden.

Wunsch nach einvernehmlicher Lösung

Steuer-Anwältin Karla Vogt-Röller deutete zwar in Göteborg den Wunsch nach einer einvernehmlichen Lösung an, wollte sich aber auf konkrete Zusagen nicht einlassen. Ihr juristischer Gegenspieler, DEU-Vizepräsident Uwe Harnos, hatte schon vor den Welttitelkämpfen die Egozentrik Steuers beklagt: "Er ist zwar wichtig, aber kein lebenswichtiges Gut."

Bis zu einer Einigung vor Gericht müssen die zweimaligen Europameister ihren Coach aus der eigenen Tasche bezahlen, helfen wird ihnen dabei, dass zum Saisonende eine Erfolgsprämie von insgesamt 135.000 Dollar vom Eislauf-Weltverband ISU auf ihr Konto überwiesen wird. Schätzungen zufolge haben die fünfmaligen deutschen Meister eine weitere Summe in sechsstelliger Höhe bei Schaulaufen und Galas eingenommen.

Quelle: sid/fb
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