06.01.08

Vierschanzentournee

Janne Ahonen schreibt Skisprung-Geschichte

Janne Ahonen hat einen historischen Erfolg errungen: Als erster Skispringer gewann der Finne zum fünften Mal die Vierschanzentournee, der als Topfavorit angereiste Österreicher Thomas Morgenstern wurde Zweiter. Und Michael Neumayer aus Berchtesgaden sorgte für die beste deutsche Platzierung seit fünf Jahren.

Foto: AFP
Janne Ahonen
Historischer Sieg: Janne Ahonen in Bischofshofen

Als Janne Ahonen mit seinem fünften Triumph bei der Vierschanzentournee Jens Weißflog überflügelte und zum alleinigen Rekordhalter aufstieg, jubelte auch Michael Neumayer als Dritter vom Podest. Der finnische Altmeister sprengte im Dauerregen von Bischofshofen die rot-weiß-rote Austria-Party, gewann den Grand Slam der Skispringer vor Thomas Morgenstern und sicherte sich einen Eintrag in die Geschichtsbücher.

"Ich kann kaum fassen, dass ich Dritter bin. Das war ein Wechselbad der Gefühle. Nach einem völlig kuriosen Springen stehe ich plötzlich auf dem Treppchen. Wahnsinn", sagte Neumayer. Ausgelassen fiel er im Zielraum Martin Schmitt und Michael Uhrmann in die Arme, sprang herum und schüttelte ungläubig den Kopf. Der vor dem Beginn der Tournee äußerst umstrittene Bundestrainer Peter Rohwein jubelte: "Jetzt geht es nur noch bergauf. Das pusht unheimlich." Sein Arbeitsplatz steht nach diesem Erfolg nicht mehr zur Diskussion. Der 28-Jährige Neumayer wurde beim letzten Springen der 56. Tournee bei teils chaotischen Verhältnissen nur Zehnter, profitierte aber von dem Ausscheiden der vor ihm liegenden Gregor Schlierenzauer (Österreich), Tom Hilde (Norwegen) und Simon Ammann (Schweiz). In der Gesamtwertung fehlten dem Berchtesgadener letztlich mit 994,6 Punkten 91,2 Zähler oder 51 Meter zu Gesamt- und Tagessieger Ahonen.

Martin Schmitt mit bestem Resultat in dieser Saison

Zahlreiche Topspringer kamen mit der durch den Dauerregen immer langsamer werdenden Anlaufspur überhaupt nicht zurecht und schieden bereits nach dem ersten Sprung aus. Martin Schmitt profitierte von seiner frühen Startzeit, sprang als glänzender Vierter zu seinem besten Saisonresultat und wurde mit 955,9 Punkten noch Achter der Gesamtwertung und zweitbester Deutscher.

Janne Ahonen spielte auch bei den widrigen Verhältnissen seine Routine in beeindruckender Weise aus und distanzierte Morgenstern bereits im ersten Durchgang deutlich. Am Ende hatte er 1085,8 Punkte und verwies Morgenstern (1066,0 Zähler) umk 19,8 Punkte auf Rang zwei. Nach seinem fünften Sieg nach 1999, 2003, 2005 und 2006 war auch Ex-Rekordhalter Jens Weißflog voll des Lobes für Ahonen: "Er hat noch einmal gezeigt, wo der Hammer hängt. Ich ziehe meinen Hut vor seiner Leistung."

"Der Sieg bedeutet mir sehr viel"

"Das war einfach ein wahnsinniger Tag. Der fünfte Sieg bedeutet mir sehr, sehr viel, auch wenn ich ihn erst in ein paar Jahren richtig einordnen kann", sagte Ahonen, der mit seinem ersten Saisonsieg am Samstag die Führung in der Tournee-Wertung erobert hatte und einen Tag später den Schlüssel eines 27.000 Euro teuren Autos in Empfang nahm. Wegen des Sturms in Innsbruck wurden die letzten beiden Tournee-Springen erstemals in der Geschichte binnen 24 Stunden an einer Schanze ausgetragen.

Österreichs Trainer Alexander Pointner zeigte sich nach dem Absturz seiner vorher hoch gehandelten Athleten genervt. "Die Bedingungen waren extrem am Limit, wenn man sieht, wieviele Topspringer ausgeschieden sind. Aber Ahonen hat gezeigt, was für ein Fuchs er ist", meinte der Austria-Coach. Dem vor dem Finale drittplatzierten Schlierenzauer kamen zunächst die Tränen, doch der 17-Jährige blickte schnell nach vorn: "Es tut weh, aber ich werde noch sehr viele schöne Momente haben."

Späth und Freund profitierten von den Bedingungen

Von den unterschiedlichen Bedingungen profitierten auch der Oberstdorfer Georg Späth und Severin Freund aus Rastbüchl. Späth erreichte im Gegensatz zum Samstag das Finale der besten 30 und belegte am Ende Rang 22. Freund, der am Vortag noch in der Quali gescheitert war, belegte Rang 20 und feierte sein bestes Weltcup-Ergebnis. Felix Schoft (Partenkirchen) sprang auf die Platz 44.

Der lange verletzte Michael Uhrmann (Rastbüchl) scheiterte nach seinem 44. Rang vom Samstag einen Tag später sogar in der Qualifikation und war tief enttäuscht: "Das ist bitter, wenn ich jetzt schon darum kämpfen muss, überhaupt dabei zu sein. Das ist eine Situation, die ich so nicht gewohnt bin."

Quelle: sid/jr
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