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Fußball

Unions Sportdirektor träumt von der Zweiten Liga

Harte intensive Arbeit – das sei der Grund für den Erfolg des 1. FC Union, sagt Sportdirektor Christian Beeck. Die Mannschaft präsentiere sich gut, sei von Skandalen verschont geblieben – und wenn erst die Alte Försterei wieder für Spiele zur Verfügung stünde, kämen auch die Zuschauer wieder.

1. FC Union Berlin - BSV Kickers Emden
Foto: DDP
Der 1. FC Union schlägt sich durch - nach der Hinrunde schon bis auf Platz zwei. Nächstes Jahr wollen die Berliner wieder in der Zweiten Liga spielen

Christian Beeck (36) ist bereits in der Zweiten Liga, wenn auch nur als Experte beim TV-Sender Premiere. Sein Arbeitgeber, der 1. FC Union, will den Sprung ins Bundesliga-Unterhaus erst noch schaffen. Nicht dabei sein wird Stürmer Marco Vorbeck. Der Ex-Bundesliga-Profi (Hansa Rostock) hat am Dienstag sein Probetraining beendet, eine Verpflichtung des 27-Jährigen steht nicht mehr zur Debatte. „Beide Seiten passen nicht zusammen“, sagte Beeck. Morgenpost Online sprach mit dem Sportdirektor des Fußball-Drittligisten.

Morgenpost Online: Herr Beeck, wie klingt die Schlagzeile „Der 1. FC Union schafft 2009 nach fünf Jahren die Rückkehr in die Zweite Liga“?

Christian Beeck: Da würde ich mich riesig drüber freuen, weil der Verein und die Fans das verdient haben. Das Engagement, das Herzblut, was jeder an Tag legt – deshalb haben es alle bei Union verdient.

Morgenpost Online: Die Mannschaft hat in der Hinrunde einen sehr guten Grundstein dafür gelegt. Dass Union oben mitspielt, hatten Sie sicher gehofft. Sind Sie überrascht, dass es so gut lief?

Beeck: Ich glaube, dass es das Ergebnis von harter, intensiver und akribischer Arbeit ist. Das leben in erster Linie unsere beiden Trainer Uwe Neuhaus und Andre Hofschneider vor. Ihnen ist Lob zu zollen und Danke zu sagen, weil die Mentalität, die sie mitbringen, auf die Spieler übergeschlagen ist. Es ist wichtig, dass man den Spielern richtige Vorgaben gibt. Das machen wir zurzeit, und das Ergebnis sieht man an 39 Punkten und Platz zwei.

Morgenpost Online: Inwiefern hat sich durch die Erfolge die öffentliche Wahrnehmung des 1. FC Union verändert?

Beeck: Wir präsentieren uns momentan sehr vernünftig und sind in den vergangenen Monaten und Jahren von Skandalen verschont geblieben. Dadurch ist die Wahrnehmung viel positiver und die Anerkennung in der Stadt höher. Aber ich warne: Es ist erst Halbzeit, die Saison geht bis Juni. Wir müssen genau dieselbe Intensität und Disziplin an den Tag legen wie bisher.

Morgenpost Online: Dennoch kamen nur rund 6400 Zuschauer im Schnitt zu den zehn Heimspielen. Kalkuliert wurde ein Schnitt von 8000. Ist das Vorhaben, sich im Ausweichstadion Jahn-Sportpark einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren, gescheitert?

Beeck: Klar wünscht man sich immer mehr Zuschauer. Doch man darf nicht vergessen, dass wir in unserem eigenen Stadion bauen und in einem anderen Stadion spielen. Dass dann der Zuschauerfluss nicht so hoch ist, ist bei jeder Mannschaft der Welt so, Hoffenheim vielleicht ausgenommen. Das Emden-Spiel mit nur 5000 Zuschauern war schon enttäuschend. Wir sehen aber auch die Stadt, die Weihnachtszeit, die Finanzkrise. Doch wir fangen jetzt nicht an zu jammern. Ich bin mir sicher, dass wir nach der Rückkehr in die Alte Försterei den Zuschauerschnitt auch schaffen.

Morgenpost Online: Der Erfolg weckt natürlich auch Begehrlichkeiten. Werden dadurch Verhandlungen mit Spielern – mehr als zehn Verträge laufen am Saisonende aus – schwieriger?

Beeck: Vertragsverhandlungen sind immer schwierig, weil jeder Spieler in seinem Vertrag auch seine individuelle Lebensplanung verankert haben möchte. Fakt ist: Wenn ein Verein das Ziel Zweite Liga ausgibt, sind damit ein Plan und eine Perspektive verbunden. Wenn man das sportlich in der Saison auch noch umsetzen kann, so wie wir, dann macht das Vertragsgespräche einfacher.

Morgenpost Online: Ganz so „preiswerte“ Verträge wird Union nicht mehr abschließen können, erst recht nicht mit Leistungsträgern wie Torwart Jan Glinker oder Karim Benyamina…

Beeck: Beide haben signalisiert, dass sie sich bei Union sehr wohl fühlen, auch wir sind mit ihnen zufrieden. Dass beide das Ziel Profifußball haben, ist auch klar. Das wollen wir nach Möglichkeit gemeinsam erreichen. Deshalb sehe ich gute Chancen, dass beide bei uns bleiben. Sollten sich beide für Vereine entscheiden, bei denen die finanziellen Möglichkeiten größer sind als bei uns, dann ist das eben so. Wir werden nie finanzielle Dinge tun, die uns in ein Luftschloss wandern lassen.

Morgenpost Online: Warum sollte sich ein Spieler für eine noch unsichere Zweitliga-Zukunft bei Union statt für eine sichere Profi-Zukunft bei einem anderen Klub entscheiden?

Beeck: Man muss das Gesamtbild sehen. Wir schaffen hier mit unserem neuen Stadion eine Situation, die einmalig ist im Fußball, mit 19.000 überdachten Stehplätzen – eine Atmosphäre, die es so im Fußball nicht gibt. Es sollte nicht immer nur ums Geld gehen, zumal es nicht immer großartige Unterschiede gibt.

Morgenpost Online: In der Winterpause soll der Kader verstärkt werden. Erleichtert das bisherige Abschneiden Gespräche mit potenziellen Kandidaten?

Beeck: Die richtigen Spieler zu finden, ist eigentlich das Schwierige. Wenn wir etwas tun, muss es auch funktionieren und die Mannschaft verstärken. Wir werden nicht etwas tun, nur um etwas zu tun.

Morgenpost Online: Stichwort Finanzierung. Wird sich der gerade abgeschlossene neue TV-Vertrag auch positiv auf die Dritte Liga auswirken?

Beeck: Wir werden etwas mehr Geld bekommen, rund 800.000 Euro sind geplant, abhängig von der Anzahl der zweiten Mannschaften (aktuell: 590.000 Euro, d. Red.). Das haben wir uns natürlich alles etwas anders vorgestellt. Es war ja die Idee des Deutschen Fußball-Bundes, die Dritte Liga zu seinem Premiumprodukt zu machen, um den Abstand zur Zweiten Liga zu verringern. Dies ist jedoch nicht passiert. 800.000 Euro in Liga drei und 3,75 Millionen Euro in Liga zwei ist schon ein erheblicher Unterschied.

Morgenpost Online: Also ist die Dritte Liga doch nicht das Premiumprodukt, als das der DFB sie angepriesen hat?

Beeck: Wir sind ja erst im ersten Jahr der Dritten Liga. Man muss sehen, wie sich das entwickelt. Ob die Idee, die damals entwickelt wurde, jedoch umgesetzt werden kann – da habe ich ein wenig Bauchschmerzen, weil es immer schwieriger wird, in der momentanen wirtschaftlichen Situation inklusive des Fernsehvertrags bis 2013 die Dinge so hinzukriegen, dass sich Dritte und Zweite Liga annähern. Doch die Chancen, die wir beim 1. FC Union mit unserem neuen Stadion haben, sind sehr ordentlich. Zumal der Verein alle Möglichkeiten immer noch in den eigenen Händen hält. Die sollten und werden wir auch wahrnehmen, um das Fundament zu legen, dass beim geringsten Rückschlag nicht alles wieder zusammenbricht.

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