Basketball
Alba will Dirk Nowitzki nach Berlin holen
Donnerstag, 23. Oktober 2008 22:04Der deutsche Meister Alba Berlin hat sein Interesse an Dirk Nowitzki bestätigt. Alba-Geschäftsführer Marco Baldi über die Rückkehr in die Euroleague, den Auftakt gegen Rom und eine mögliche Verpflichtung des Superstars.

Am Donnerstag (20 Uhr) kehrt der deutsche Basketball-Meister Alba Berlin nach vier Jahren internationaler Zweitklassigkeit in die Europaliga zurück, den Wettbewerb der stärksten Mannschaften des Kontinents. Gegner ist zum Auftakt in der O* World Italiens Spitzenklub Lottomatica Rom. Über Albas Ziele, Vergleiche mit der NBA und Dirk Nowitzki sprach die Berliner Morgenpost mit Alba-Geschäftsführer Marco Baldi.
Morgenpost Online: Herr Baldi, wann gewinnt Alba die Europaliga?
Morgenpost Online: Warum geben Investoren so viel Geld für Basketball aus?
Marco Baldi: Basketball ist eine Sportart, die hinter Fußball weltweit die Nummer zwei ist. In jedem Land gibt es eine Basketball-Profiliga. Im Handball oder Eishockey sind es vielleicht acht bis zehn Ligen, die professionell organisiert sind. Basketball wird weltweit professionell betrieben, entsprechend intensiv ist der Wettbewerb. Investoren greifen eben tief ins Portemonnaie, wenn sie mit der ganzen Welt konkurrieren können. Auch mit der NBA.
Morgenpost Online: Da kann Alba mit seinen sieben bis acht Millionen Euro Saisonetat nicht mithalten.
Marco Baldi: Trotzdem messen wir uns damit. Wenn man ganz oben landen möchte, liegt die Messlatte sehr hoch.
Morgenpost Online: Aber es ist schon so, dass Geld Körbe wirft?
Marco Baldi: Nein, Geld garantiert gar nichts. Es erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass man Erfolg hat. In einem Pokalwettbewerb ist das anders, da kommt es nur auf ein Spiel an. Aber wenn du durch die Mühle der Europaliga gehst, mit einer Hauptrunde, der Top 16 und dem Viertelfinale, also drei Filtern, dann kann man sagen: Wer ins Final Four kommt, der hat auch die Qualität. Da mogelt sich keiner rein.
Morgenpost Online: Also auch Alba nicht?
Marco Baldi: Es hängt von vielen Kleinigkeiten ab, ob wir uns für die nächste Runde qualifizieren können. Wir müssen gesund sein. Bei dieser Leistungsdichte tut jeder Ausfall richtig weh. Wir waren vier Jahre nicht auf diesem Niveau dabei, müssen aber sofort mithalten. Da muss man jede Chance, die sich bietet, nutzen. Es kommt auf jede Sekunde an.
Morgenpost Online: Haben Sie ein mulmiges Gefühl?
Marco Baldi: Nein, im Gegenteil. In der Euroleague wird der beste Teambasketball weltweit gespielt. Darauf freut man sich, vor allem, wenn man vier Jahre nicht dabei war. Wir scharren mit den Hufen und können es kaum erwarten. Das gilt für alle, unser Trainer Luka Pavicevic vornedran. Das war unser Ziel. Wir sind wieder da. Endlich!
Morgenpost Online: NBA-Boss David Stern war kürzlich in der Stadt und hat von einem NBA-Standort Berlin gesprochen. Wird der kommen?
Marco Baldi: Meine Wahrnehmung ist etwas anders. Nicht dass ich falsch verstanden werde – die Europaliga kann sich mit der NBA noch nicht vergleichen. Die einen drehen drei Milliarden Euro pro Jahr um, die anderen nur einen Bruchteil. Aber hier in Europa ist seit Jahrzehnten etwas gewachsen, und die Fans warten nicht unbedingt darauf, dass endlich die NBA kommt. In London vielleicht. Aber in Deutschland, Spanien? Die NBA weiß, wie schwer dieser Kontinent zu erobern ist.
Morgenpost Online: Wie meinen Sie das?
Marco Baldi: Die Glaubwürdigkeit und Verwurzelung ist im Sport ein sehr hohes Gut, wenn man dauerhaft auf höchstem Niveau agieren möchte. Wir haben gerade den Vertrag mit Julius Jenkins verlängert, der hier gerne lebt, den Verein repräsentiert. Der genau weiß, was hier los ist. Wenn irgendwann mal ein NBA-Team in Berlin sein sollte – ich weiß nicht, ob deren Spieler dann wissen, wo sie sind. Ich weiß nur, dass die NFL mit ihrer europäischen Liga und Berlin Thunder gescheitert ist. Trotz langen Atems. Und die NFL ist noch einen Zacken vermögender als die NBA.
Morgenpost Online: Wird denn demnächst mal, wie schon öfter als Wunsch formuliert, ein Dirk Nowitzki oder ein Predrag Stojakovic das Alba-Trikot tragen?
Marco Baldi: Kurzfristig nicht. Aber ich glaube, dass in nicht allzu ferner Zeit ein europäischer Klub so einen Transfercoup landen wird. Ich rede jetzt nicht über einen Josh Childress, der trotz lukrativer NBA-Angebote ein Engagement in Piräus vorgezogen hat, sondern eine Kategorie darüber. Da hat sich massiv was getan. Was die NBA nicht zulassen kann, ist, dass eine absolute Galionsfigur wie Kobe Bryant oder LeBron James das Boot verlässt.
Morgenpost Online: Und Alba?
Marco Baldi: Sagen wir es so: Es gibt eine gewisse Logik, dass man einen Dirk Nowitzki, der nicht nur über sein Bekenntnis zu seiner Heimat redet, sondern das auch lebt, und uns zusammenführen kann. Allerdings sicher noch nicht in zwei, drei Jahren.
Morgenpost Online: Wohin entwickelt sich Alba?
Marco Baldi: Der Weg, den wir gehen, wird immer erfolgsabhängig sein. Den Erfolg des Teams ersetzen kein Marketing, kein Reden und kein Geld. Der Umzug in die O2 World wird für uns neue Potenziale erschließen. Das wird nicht in Quantensprüngen passieren. Aber unsere wirtschaftlichen Voraussetzungen werden wir verbessern.
Morgenpost Online: War der Umzug der richtige Schritt?
Marco Baldi: Er war alternativlos. Wir wollten uns nicht damit zufrieden geben, in Deutschland Marktführer zu bleiben. Wir wollen in Europa Fuß fassen. Unser Ziel ist mittelfristig, unter den Top 16 Europas zu sein. Und das dauerhaft. Das geht bei unserem Weg, mit unseren Möglichkeiten, nur über die O2 World.
Morgenpost Online: Sie haben vorhin gesagt, Alba müsse jede Chance nutzen, um das Top 16 zu erreichen. Setzt das Ihr Team vor dem Auftakt gegen Rom nicht auch extrem unter Druck?
Marco Baldi: Es stimmt: Da ist großer Druck. Es ist ein Heimspiel. Wenn wir dran glauben wollen, die Top 16 zu erreichen, werden wir fünf Siege brauchen. Gegen Rom ist die Möglichkeit, den ersten zu holen.BMO






















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