Interview
Wie man bei Alba von Dirk Nowitzki träumt
Axel Schweitzer (38) ist Aufsichtsratsvorsitzender von Basketballmeister Alba Berlin, er kennt den Sport und die finanzielle Seite genau. Morgenpost Online verriet der promovierte Ingenieur seine Wunschgegner in der Europaliga, wie er Dirk Nowoitzki nach Deutschland holen will und was strategische Partnerschaften mit Ehen zu tun haben.
Von Sebastian Arlt und Dietmar Wenck
Morgenpost Online: Herr Schweitzer, am 8. Juli werden in Berlin die Gruppen für die Europaliga ausgelost, welche Vereine hätten Sie denn am liebsten in der Gruppe?
Axel Schweitzer: Umso größer die Aufgabe, umso größer die Namen, desto besser. Also: Maccabi Tel Aviv, ZSKA Moskau, FC Barcelona, Real Madrid und Panathinaikos Athen.
Morgenpost Online: Bei den von Ihnen gewünschten Gegnern ist aber auch programmiert, dass die Mannschaft deftige Niederlagen kassieren wird.
Schweitzer: Ach, das sehe ich nicht ganz so dramatisch. Wir haben hart dafür gekämpft, wieder in der Europaliga spielen zu können. Dies ist immer unser Ziel und unser Anspruch gewesen. Wieder gegen die ganz großen Klubs spielen zu können, die teilweise in der Lage sind, sogar NBA-Teams zu schlagen.
Morgenpost Online: In den vergangenen Jahren haben Deutsche Meister wie Bamberg, Köln oder Frankfurt allerdings viel Lehrgeld zahlen müssen.
Schweitzer: Die Spiele werden uns zeigen, wo wir stehen. Gut, wir werden vielleicht auch auf die Mütze bekommen, wir werden aber auch Spiele gewinnen und merken, dass wir dran sind. Wir werden uns dadurch weiterentwickeln. Sieben Jahre lang haben wir ab 1990 versucht, zum ersten Mal Deutscher Meister zu werden, immer wieder sind wir mit hängenden Ohren von dannen gezogen – aber das hat geholfen, uns jedes Jahr zu verbessern.
Morgenpost Online: Muss sich Alba nicht gewaltig verstärken, um einigermaßen mithalten zu können unter den besten 24 Klubs in Europa?
Sicherlich muss der Kader angepasst werden, das wird die Kunst sein. Wir werden nicht jeden Spieler wieder sehen, der in der abgelaufenen Saison bei uns war. Wenn man jedoch die Situation mit dem Vorjahr vergleicht, haben wir eine deutlich größere Konstanz, schließlich haben wir sehr viele Spieler weiter unter Vertrag. Das Grundgesicht der neuen Mannschaft steht, in den nächsten Wochen werden wir uns punktuell verstärken. Keine Sorge, wir werden schon ein starkes Team um Trainer Luka Pavicevic aufbieten können.
Morgenpost Online: Dirk Nowitzki ist ja noch unter Vertrag…
Schweitzer: Es wäre mein großer Traum, die beiden deutschen Basketball-Marken, Dirk Nowitzki und Alba Berlin, einmal zusammenzubringen. Es gibt da überhaupt nichts Konkretes, und wir haben auch überhaupt noch nie darüber gesprochen. Doch wenn wir nicht Träume träumen, dann machen wir etwas verkehrt. Ich halte es für sehr wichtig, eine Vision zu haben. Um sich daran zu orientieren, um über Jahre zu sehen, wie wir uns weiter entwickeln können.
Wir brauchen eine höhere Quote deutscher Spieler
Morgenpost Online: Eine wohl unbezahlbare Vision.
Schweitzer: Wir sprechen ja frühestens von 2011 oder 2012. Wir sind in den vergangenen Jahren in vielen Bereichen – auch was den Etat betrifft – gewachsen, dies wollen wir auch weiterhin tun. Einiges können wir mitgestalten, aber es liegt nicht an uns allein. Es hängt auch viel davon ab, wie sich die Bundesliga entwickelt, wie sich die Nationalmannschaft entwickelt, wie Basketball medial, vor allem im Fernsehen, positioniert ist. Wenn es so weitergeht wie jetzt, ist der Traum unerreichbar. Wenn wir aber überall zu höheren Qualitätsstandards in der Liga kommen, dann kann der Traum von Dirk Nowitzki in der deutschen Liga Realität werden. Dazu brauchen wir auch eine höhere Quote deutscher Spieler. Dann können wir ein Umfeld generieren, was die notwendigen finanziellen Möglichkeiten schafft.
Morgenpost Online: Apropos Finanzen: Auch in den Jahren ohne Meistertitel konnte die Zahl der Sponsoren bei Alba erhöht werden, rennen Ihnen nach dem Titelgewinn jetzt potenzielle Sponsoren die Bude ein?
Schweitzer: Es ist sicher einfacher, Partner zu finden, wenn man Meister ist. Aber wir suchen speziell Sponsoren, die nicht nur für kurze Zeit dabei sein wollen, sondern mittelfristig unseren Weg mitgehen wollen. Wir werden Partner hinzugewinnen, wobei das auch davon abhängt, wo wir spielen werden.
"Das Finanzielle ist nur ein Teilaspekt"
Morgenpost Online: Seit Monaten schiebt Alba ja die Entscheidung vor sich her, wo der Klub in der kommenden Saison spielen wird: weiter in der Schmeling-Halle – oder wird in die neue "O2 World" umgezogen? Was ist denn so schwer an der Entscheidung?
Schweitzer: Es ist richtig, dass wir spät dran sind. Eigentlich wollten wir die Entscheidung schon früher fällen, aber es gibt eben sehr viele Details zu klären. In den kommenden Wochen muss und wird die Entscheidung fallen. Für uns würde das kein Umzug für kurze Zeit sein, sondern eine langfristige Sache. Aber: Wo trainiert die Profimannschaft, wo können die Nachwuchsteams üben? Um nur Teilbereiche zu nennen, wo Fragen beantwortet werden müssen.
Morgenpost Online: Der Hallenbetreiber, die Anschutz Entertainment Group (AEG), will Alba doch unbedingt. Versüßt die AEG einen möglichen Umzug von Alba nicht mit richtig viel Geld?
Schweitzer: So einfach kann man das nicht sagen. Für Anschutz würde Alba sicherlich als Anker-Mieter viel Sinn machen. Auch für uns wäre eine höhere Hallenkapazität, gerade gegen renommierte Gegner in der Europaliga, auch eine gute Sache. Aber das Finanzielle ist nur ein Teilaspekt.
Morgenpost Online: Die AEG könnte doch auch als strategischer Partner in die Alba Berlin Basketballteam GmbH einsteigen.
Schweitzer: Die Frage stellt sich nicht. Alba hat heute eine Gesellschaftsstruktur, die bereits einen strategischen Partner, das Unternehmen Alba, hat und auf der anderen Seite den Verein (Anm. d. Red.: Die Gesellschafteranteile sind im Verhältnis 75:25 verteilt). Das finde ich eine gute Konstellation.
Morgenpost Online: Warum nicht noch ein weiterer strategischer Partner?
Schweitzer: Das wäre, als wenn Sie eine Frau haben und noch eine weitere haben wollen. Ich als jemand, der gerade geheiratet hat, kann eine solche Frage klar mit nein beantworten.
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