Basketball

Henrik Rödl packt seine Koffer und kehrt nach Berlin zurück

Albas Legende Henrik Rödl kehrt nach Berlin zurück. Im Interview mit der Morgenpost spricht er über sein Leben als Bundestrainer.

Legenden unter sich: Henrik Rödl (l.) spricht während der EM in Berlin mit NBA-Star Dirk Nowitzki

Foto: imago sportfotodienst / imago/Camera 4

Legenden unter sich: Henrik Rödl (l.) spricht während der EM in Berlin mit NBA-Star Dirk Nowitzki

Berlin.  "Ich hab noch einen Koffer in Berlin, deswegen muss ich da nächstens wieder hin. Die Seligkeiten vergangener Zeiten, sie sind alle immer noch in diesem kleinen Koffer drin." Henrik Rödl weiß sicher nicht, dass der Text des Songs, den Marlene Dietrich und Hildegard Knef zu einer Hymne dieser Stadt gemacht haben, 1951 von Aldo von Pinelli geschrieben wurde.

Aber jede Zeile des Lieds spricht dem ehemaligen Kapitän Alba Berlins, der aus Offenbach stammt und dessen Trikot mit der Nummer vier nie wieder vergeben wird, aus dem Herzen. Er hat es auch nicht bei einem Koffer belassen. Rödl verließ Berlin 2010, um in Trier Cheftrainer zu werden.

Im Herbst wird er mit seiner Familie zurückkehren, und zwar in die Wohnung, in der er bis zu seinem Abschied gelebt hatte. Er wird einfach seinen Schlüsselbund aus der Tasche ziehen, aufschließen und wieder ein Berliner sein.

Berliner Morgenpost: Eine voll eingerichtete Wohnung ist ein sehr großer Koffer, Herr Rödl. War Ihnen immer klar, dass Sie nach Berlin zurückkehren würden?

Henrik Rödl : Ja und nein. In meinem Beruf weiß man ja nie, wie das Leben so spielt. Aber für meine Familie und mich ist Berlin unser Zuhause, und das Bild vom Koffer trifft es schon sehr gut. Uns war wichtig, dass wir, egal, was passieren könnte, gerade in meinem Beruf als Trainer, eine Art Rückhalt haben.

Sie sind seit Anfang des Jahres hauptamtlicher Bundestrainer. War das der Startschuss für den Umzug nach Berlin?

Nach der Insolvenz in Trier hätten wir auch schon im vergangenen Jahr zurückkommen können, aber da meine Tochter dort noch ihr Abitur gemacht hat, sind wir ein weiteres Jahr geblieben. Jetzt bin ich mit meiner Festanstellung beim DBB (Deutscher Basketball Bund, d. Red.) nicht mehr an einen Ort gebunden. Nach den Qualifikationsspielen zur Europameisterschaft im Sommer werden in Trier dann die Koffer gepackt.

Die Nationalmannschaft bestritt ihr letztes Spiel im September in Berlin und wird sich erst im Sommer wieder treffen. Was macht ein Bundestrainer derzeit?

Ich bin viel unterwegs, stelle mich bei den Klubs in meiner neuen Funktion vor, sehe Spiele und Trainingseinheiten meiner Kollegen an und halte mit den Spielern Kontakt, damit es im Sommer, wenn es losgeht, einen fließenden Übergang gibt. Ich werde überall sehr freundlich und mit Respekt empfangen. Alle Türen stehen offen, auch dort, wo ich bislang keine engeren persönlichen Kontakte hatte, eine gute Erfahrung.

"Chris Fleming hat es leichter, die Spieler in den USA im Auge zu behalten"

Cheftrainer der Nationalmannschaft ist Chris Fleming, der das Team bei der Europameisterschaft coachte und jetzt in der NBA bei den Denver Nuggets als Assistent arbeitet. Fleming in den USA, Sie hier – wie sieht Ihre Zusammenarbeit aus?

Chris hat es leichter, die Spieler, die in den USA spielen, im Auge zu behalten, weil er sie auch in Aktion sieht. Er ist sehr gut über das informiert, was hier passiert, und wir telefonieren sehr oft miteinander. Ich bin ja zudem noch hauptverantwortlich für den A2-Kader, die Jahrgänge 1993 und jünger, die Generationen, die nachkommen. Ich werde Ende März auch beim Albert-Schweitzer-Turnier die U18 als Assistent mit betreuen, um eine Übersicht zu bekommen, welche Talente in Deutschland da sind.

Als der Deutsche Basketball Bund Ihre Anstellung mit der Umschreibung "langfristig" bekanntgab, wurde bei vielen sofort spekuliert, dass Sie Chris Fleming früher oder später beerben würden. Was ist da dran?

Das ist irgendwann im Bereich des Möglichen. Stand der Dinge ist, dass ich in der Funktion bin, in der ich auch im vergangenen Sommer war, nämlich als sein Assistent, nur eben hauptamtlich und dass ich weitere Koordinationsaufgaben übernehme.

Sie haben vergangenen Sommer mit der A2 bei der Universiade die Silbermedaille gewonnen und das Finale erst nach zwei Verlängerungen gegen die USA verloren. Kommt da eine Generation nach, auf die wir uns freuen dürfen?

Die Situation ähnelt der von 1989, als wir mit Svetislav Pesic angefangen haben, als Talente da waren, aber noch eine Mannschaft geformt werden musste. Als wir 1993 Europameister wurden, war ich mit 24 Jahren der Jüngste in einem eingespielten, erfahrenen Kader. Genau das fehlt uns im Moment noch, wir haben eine junge Mannschaft mit sehr viel Talent, und da kommt auch noch einiges nach. Aber so etwas muss sich entwickeln und zusammenwachsen. Teamgeist entsteht, wenn man vieles gemeinsam durchlebt. Da sind wir am Anfang, aber auf einem guten Weg.

Könnte in der Liste der Hoffnungsträger irgendwann auch der Name Elias Rödl auftauchen?

Also das ist nun wirklich noch weit weg. Mein Sohn ist 13, hat Spaß am Basketball, und weiter denkt man da noch nicht.

Es würde nahe liegen, dass er ab dem Herbst dann unter Vladi Bogojevic für Alba spielt.

Ja, das ist auch so angedacht, aber natürlich muss er sich da auch erst beweisen.

Die ersten Schritte, das erste Fahrrad, die erste Freundin. Im Leben junger Basketballspieler gibt es noch einen anderen Meilenstein – den Dunking. Anfangs ist der Korb in 3,05 Meter Höhe noch unendlich weit weg. Aber eines Tages ist es so weit, dann springt man ab und stopft den Ball von oben durch die Reuse. Wie weit ist Elias von diesem Ritterschlag noch entfernt?

Er hat ihn schon hinter sich. Er ist jetzt 1,87 Meter groß und stopft seit ein paar Wochen das Ding oben rein. Elias ist natürlich stolz, dass er es ein Jahr früher geschafft als der Papa. Ich habe meinen ersten Dunking mit 14 gemacht.

"Ein Teil unserer Familie lebt in den USA und auch viele Freunde"

Und wie stolz ist der Papa?

Der Papa ist immer stolz, aber ich bin da wirklich ganz entspannt. Mal sehen, wo der Weg hinführt. Das ist doch jetzt ein ganz faszinierendes Alter, wo sich vieles sehr schnell ändern kann. Der junge Mann soll Spaß haben an dem, was er gerade macht. Nur das zählt.

Sie haben Ihren ersten großen Erfolg in den USA gefeiert, als Sie mit der University of North Carolina die College-Meisterschaft gewannen. Würden Sie Ihr Einverständnis geben, wenn Ihr Sohn in ein paar Jahren auch in den USA studieren und Basketball spielen wollte?

Meine Frau ist Amerikanerin, und wir haben uns in der Highschool kennengelernt. Ein Teil unserer Familie lebt in den USA und auch viele Freunde. Also menschlich würde alles passen. Was die sportliche Entwicklung der Spieler im College angeht, bin ich sehr skeptisch. Man muss das natürlich von Fall zu Fall sehen, aber wir finden, ich finde, dass viele, die zurückkommen, sich nicht so entwickelt haben, wie man sich das gewünscht hat.

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