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Basketball

Alba Berlin verzichtet auf einen neuen Center

Unterm Korb herrscht Not, doch Berlins finanzielle Lage lässt die Verpflichtung eines weiteren Centers nicht zu. Bis Torin Francis und Yassin Idbihi wieder fit sind, muss Alba auch so zurecht kommen.

Alba Berlin - BG Goettingen
Foto: picture alliance / Camera4
Derrick Allen muss Torin Francis und Yassin Idbihi vertreten

Derrick Allen ist 31, aber er schien sich an diesem Abend doppelt so alt zu fühlen. Zumindest hatte den Eindruck, wer den Basketballprofi von Alba Berlin durch den Vip-Raum in der O2 World schlurfen sah. 37 Minuten und 29 Sekunden hatte er auf dem Feld gestanden, hatte auf der für ihn eher ungewohnten Position eines Centers gespielt, hatte geackert, 19 Punkte erzielt – aber am Ende das 79:84 (41:34) gegen Lokomotiv-Kuban Krasnodar nicht verhindern können.

„Wir haben ein paar Fehler gemacht, die das Spiel entschieden haben, das ist bitter“, sagte Allen. Mit großem Kampf und Einsatzwillen hatten die Berliner den Ausfall der beiden verletzten Center Torin Francis und Yassin Idbihi ebenso einigermaßen kompensiert wie die Tatsache, dass Spielmacher DaShaun Wood wegen Muskelproblemen weit von seiner Bestform entfernt war. Aber auch er opferte sich auf. Diese Bereitschaft, alles zu geben, wurde in den Mittelpunkt gestellt. „Das muss man als Positives rausziehen“, sagte Sven Schultze. Und Geschäftsführer Marco Baldi lobte: „Die Mannschaft hat das Herz aufs Parkett gebracht.“

Aber letztlich musste auch er eingestehen: „Das Ergebnis spricht gegen uns.“ Die zweite Niederlage im zweiten Zwischenrundenspiel des Eurocups macht die Situation für Berlin sehr schwierig. Eigentlich muss das Team die kommenden vier Partien gewinnen, um sicher weiter zu sein. „Ich bin nicht traumtänzerisch“, meinte Baldi, um im gleichen Atemzug zu sagen, dass noch nicht alles verloren sei. „Wenn wir so kämpfen wie heute“, erklärte auch Trainer Gordon Herbert, „haben wir noch eine Chance.“

Umso mehr wirft die Tatsache, dass den Berlinern noch einige Wochen lang die Center fehlen werden, eine wichtige Frage auf: Muss Alba nach sechs Niederlagen in den vergangenen acht Spielen nicht mit der Verpflichtung eines großen Spielers reagieren? Baldi blockt: „Wenn man das Spiel sieht, waren die fehlenden Großen das kleinste Problem.“ Alba gewann sogar das Rebound-Duell gegen die im Schnitt viel größeren Russen 36:32. Ihm war aber klar: „Auf Dauer geht das natürlich nicht.“

Baldi schloss nicht aus, dass noch ein neuer Spieler geholt werde. Wenn, dann dort, „wo wir noch Stabilität benötigen.“ Alba brauche „keinen, der uns rettet, wir haben bewiesen, dass unser Kader große Qualität hat“, so Sportdirektor Mithat Demirel. Der Trend geht wohl dahin, sich über die Zeit zu retten, bis die etatmäßigen Center in zwei bis drei Wochen zurückkommen. Verpflichtungen, „nur um Versicherungen bei Verletzungen zu haben“, werde es nicht geben. „Dafür haben wir auch nicht das Geld“, gab Baldi zu.

Es wiegt schwer, dass der achtmalige Deutsche Meister unter Sparzwang steht. Der Plan, den Etat sukzessive auf zehn Millionen Euro zu erhöhen, musste schon vor einiger Zeit fallen gelassen werden. Die Weltwirtschaftslage schlägt durch. In dieser Saison musste von etwa siebeneinhalb auf sieben Millionen gesenkt werden. „Vorsichtiger kalkuliert“, heißt die Sprachregelung bei Alba. In der vergangenen Saison wurden drei Profis nachverpflichtet, der entlassene Trainer Luka Pavicevic stand weiter auf der Gehaltsliste, hinzu kam der neue Coach Muli Katzurin. Kosten, die so nicht eingeplant waren.

Beim aktuellen Kader hat dies Spuren hinterlassen, gerade wenn noch Verletzungen hinzukommen: Ihm gehören nur zehn gestandene Profis (früher waren es zumeist zwölf) plus der junge Joey Ney (18) an. Ein Blick auf die Ersatzbänke beim Spiel gegen die Russen zeigte es deutlich: Saßen bei Kuban Nationalspieler aus diversen Ländern, fanden sich bei Alba neben Ney noch die Youngsters Alexander Blessig (18) und Sebastian Fülle (19).

Jetzt folgen die schweren Spiele in Bonn und Vilnius. Da hilft vielleicht eine kleine Mutmacher-Statistik: In der Saison 2002/2003 kassierte Alba einmal sechs Niederlagen hintereinander, es folgten ein Sieg und dann zwei weitere Pleiten. Am Ende wurde das Team von Emir Mutapcic – kaum zu glauben – Deutscher Meister.

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