Spiel bei Bayern München
Warum sich Alba über den neuen Rivalen freut
Laut einer Studie heißen die wichtigsten deutschen Basketball-Marken Dirk Nowitzki und Alba Berlin. Doch Bayern München bedroht die Marktstellung der Berliner. Beide treffen nun aufeinander.
Von Sebastian Arlt und Dietmar Wenck
Bastian Schweinsteiger wird am Sonnabend da sein, und der Fußball-Nationalspieler wird das Trikot mit der Nummer 6 tragen. Wie immer, wenn "Schweini" beim Basketball in der ersten Reihe im Audi Dome in München sitzt. Denn das Spiel auf die Körbe hat Schweinsteiger seit einem Jahr für sich entdeckt. In dieser Zeit ist das Basketballteam von Bayern München durch die Zweite Liga marschiert, aufgestiegen – und versucht jetzt, die Bundesliga aufzumischen. Mit Schweinsteigers Kumpel, Steffen Hamann, dem Mann mit der 6, als Spielmacher.
Und am Sonnabend steht für die Bayern ihr bisher erstes wirkliches Topspiel in eigener Halle an: gegen Alba Berlin (20 Uhr, live bei Sport1). Die Mannschaft, die bisher achtmal Meister wurde, viele Jahre lang nicht nur sportlicher Marktführer, sondern auch Lokomotive für die Entwicklung der Liga war. "Auch wenn zuletzt Bamberg zweimal das Double gewonnen hat", sagt Münchens Trainer Dirk Bauermann, "ist Alba dennoch das dominierende Team der letzten zehn Jahre."
Ambitionierte Plan
Es ist jedoch der ambitionierte Plan der Münchner, so schnell wie möglich selbst zu dominieren, an Teams wie Bamberg und Alba vorbeizuziehen. "Wenn wir etwas machen, dann richtig", lautet das Credo von Bayern-Präsident Uli Hoeneß. "Bayern München ist die Chance für Basketball." Dabei ist die Marke Bayern München, im Fußball weltbekannt, ein Türöffner, was zum Beispiel Sponsoren betrifft.
"Bayern München wird in aller Welt zuerst mit Fußball assoziiert", sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi. "Der Klub hat aber die große Chance und auch das Potenzial, in kurzer Zeit neben der Fußball- auch eine starke Basketball-Marke zu werden." Doch dafür ist sportlicher Erfolg unabdingbar. Noch, da verweist Baldi auf eine Marktforschungsstudie der Uni Bremen im Auftrag der Liga, "sind die beiden Basketball-Marken in Deutschland Dirk Nowitzki und Alba Berlin."
Alba heisst Bayern willkommen
Bei aller Konkurrenz: Die Klubs haben die Münchner freudig in der Liga willkommen geheißen. "Ich sehe das als Geschenk", erklärt Baldi. "Von Bayerns Strahlkraft kann nicht nur die Liga, sondern der gesamte Basketballsport in Deutschland profitieren", sagt Zeljko Karajica, der Geschäftsführer des TV-Senders Sport1, gegenüber Morgenpost Online. Der Sender aus Ismaning bei München zeigt in dieser Saison etwa 50 Spiele live im Free-TV. Bei der Auswahl der Partien sei der Erfolg einer Mannschaft "wichtigstes Kriterium". Gleichwohl spiele auch die Popularität "eine wichtige Rolle – und die genießt zum Beispiel der FC Bayern München zweifelsohne".
Die Durchschnittsreichweite bei Basketballspielen beträgt in dieser Saison bisher 110.000 Zuschauer, eine Steigerung von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei hier höhere Reichweiten aus dem Play-off einberechnet sind. "Die Einschaltquote bei Bayern-Spielen liegt knapp 25 Prozent über dem momentanen Liga-Schnitt", hat Karajica festgestellt. "Es ist einfach auch eine Neugier da", meint Stephan Baeck, ehemaliger Nationalspieler und Sport1-Experte. Jedoch: Den bisher besten Wert hat Sport1 gerade beim Spiel Alba gegen Bamberg mit 210.000 Zuschauern erzielt.
Halle erstmals ausverkauft
In München werden am Sonnabend 6700 Zuschauer dabei sein, zum ersten Mal ist die Halle ausverkauft. Im Schnitt kamen bisher 5400 Fans. "Wir sind mit unserer Entwicklung sehr zufrieden", sagt Bayerns Sportdirektor Marko Pesic. Er bezieht sich auf den sportlichen Teil (mit sechs Siegen in neun Spielen war der Start aber etwas holprig), den Besucherzuspruch und die Sponsorensituation: "Alle glauben an das Projekt Basketball beim FC Bayern. Jeder, der einmal in die Halle kommt, ist begeistert." Früher hätten alle unbedingt Alba schlagen wollen, "dann kam Bamberg dazu und jetzt noch der FC Bayern". Die Gegner sind besonders motiviert gegen den Klub von Welt. Bremerhaven zum Beispiel wirbt für sein Heimspiel gegen die Bayern auf Plakaten mit einem ihrer Spieler, der martialisch in eine Lederhose beißt.
Es gibt einen Basketball-Boom in München, wo neben den Fußballklubs Bayern und 1860 kein Platz zu sein schien. Auch die Schickeria kommt langsam auf den Geschmack. Die Medien, gerade die Boulevardzeitungen, sind groß auf das Thema eingestiegen. Ist ja auch zu schön, wenn Hamann den Schweinsteiger nach dessen Schulterverletzung durch die Stadt chauffiert, weil der noch nicht Autofahren kann. Jetzt meldete ein buntes Blatt: "Schweinsteiger: Ich habe Hamann rausgeschmissen!" Der Schulter geht es besser – Schweinsteiger kann wieder selbst lenken.
Immer wieder wird Doppelpass zwischen Fuß- und Basketball gespielt. Als "Schweini" noch fit war, feierte er jedes seiner erzielten Tore mit einer Wurfbewegung auf einen imaginären Korb. Im Stadion-Magazin plauderten die Trainer Jupp Heynckes und Dirk Bauermann launig. Als Junge war Bauermann Fan von Borussia Mönchenglabdach und ging mit seinem Vater in den 1970er-Jahren oft auf den Bökelberg. Noch immer schwärmt er von den Duellen gegen die Bayern, wenn es hieß: Gladbach mit Jupp Heynckes gegen München mit Uli Hoeneß. Den Hoeneß konnte Bauermann damals gar nicht leiden. Das hat sich inzwischen geändert.
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