Basketball
Warum Alba bei weniger Erfolg mehr Zuschauer hat
Alba Berlin ist der Zuschauermagnet der Bundesliga: 10.332 Fans kamen im Schnitt zu den 15 Heimspielen in die O2 World – obwohl die Berliner nur Tabellendritter sind. Manager Baldi erklärt, was hinter dem Boom steckt.
Von Sebastian Arlt
Eine Busfahrt durch die Nacht kann schier endlos werden, auch wenn sie "nur" knapp sechs Stunden dauert. Für das Basketballteam von Alba Berlin fühlten sich diese Stunden auf der Heimfahrt jedoch richtig gut an, schließlich hatten die Berliner am Donnerstagabend durch ein 95:78 (49:39) bei den Artland Dragons einen großen Schritt in Richtung Platz drei nach der Punkterunde getan. Das Play-off beginnt am Wochenende 30. April/1. Mai, Alba scheint gut gerüstet. "Man sollte nun aber nicht gleich euphorisch werden", meinte Geschäftsführer Marco Baldi, "es ist jedoch eine sehr gute Entwicklung zu sehen."
In den vier noch ausstehenden Bundesliga-Partien muss nun Rang drei gesichert werden. Die Möglichkeit dazu besteht bereits am Samstag (20 Uhr, O2 World und live im Ticker bei Morgenpost Online ) gegen die Gießen 46ers. Was dabei besonders erstaunt, ist die Kulisse: Etwa 12.000 Zuschauer werden erwartet. Und das gegen den Tabellenfünfzehnten. Dieser starke Zuspruch liegt im Trend: Nach 15 von 17 Bundesliga-Heimspielen liegt der Besucherschnitt mit 10.332 Fans um knapp 200 höher als in der Vorsaison. Da kamen 10.143, gerechnet sogar auf die komplette Saison inklusive Play-off-Partien.
"Die Steigerung ist besonders erfreulich, wenn man bedenkt, dass sportlich bei uns nicht alles nach Wunsch gelaufen ist", sagt Baldi. Es zeigt sich, dass die Anstrengungen der Berliner, Tickets für Spiele in der 14.500 Zuschauer fassenden O2 World an den Mann zu bringen, erfolgreich sind. "Für alle im Klub ist das unser ganz großes Thema." Inzwischen sind allein fünf Angestellte nur für den Bereich Ticketing zuständig. "Schritt für Schritt", so Baldi, gelte es, neue Zuschauer an den Klub zu binden. "Es ist aber klar, dass wir das gesamte Potenzial der großartigen Arena nicht in vier oder fünf Jahren erschließen können." Er weiß, dass Alba oft mit den Eisbären verglichen wird, die fast immer mit 14.200 Besuchern ausverkauft sind. "Man muss das auf die Sportart bezogen sehen", entgegnet Baldi. Schließlich kämen europaweit zum Basketball fast in keiner Stadt mehr Leute als in Berlin zu Alba. Neben dem sportlichen Erfolg braucht es auch attraktive Angebote und gute Ideen, um neue Potenziale zu erschließen. Es ist ein Kampf um jeden Zuschauer.
Alba verließ nach der Saison 2007/08 die Schmeling-Halle, damals lag der Schnitt bei 6908 Zuschauern. 2008/2009, im ersten Jahr in der O2 World, kamen 10.108. Es geht also ständig bergauf. "Auf allen Kanälen" (Baldi) werde gearbeitet. Es werden Pakete für Firmen geschnürt. So bekommt zum Beispiel ein "Sponsor des Tages", am Samstag wird es der Mineralölkonzern "Total" sein, ein größeres Kontingent an Tickets, das dieser dann an seine Kunden weitergibt. Mit Schulen und Vereinen, auch mit "Partner für Berlin" wird zusammengearbeitet. Über die Internet-Plattform "Sportmetropole Berlin" wirbt man gemeinsam mit anderen Berliner Klubs. Es gibt zeitweise Aktionen mit verbilligten Karten über Supermarktketten, mal bei Lidl, zuletzt bei Kaiser’s.
Und es gibt, wie bei der Berliner Konkurrenz auch, immer mal wieder Freikarten. "Darüber spricht keiner gern", gibt Baldi zu. Er selbst spricht von "bestimmten Bereichen", gerade was Schüler, Eltern und Lehrer betrifft. Das halte sich aber im Rahmen. "Die Karten müssen schließlich ihren Wert behalten, auf dem Kudamm werden sie nicht verteilt." Die Ticketing-Abteilung ist Lehrender und Lernender. So referieren Vertreter von Alba schon mal bei einem Workshop der Uleb (Veranstalter der Europaliga und des Eurocups). Andererseits holt sich der Klub auch Know-how aus der US-Profiliga NBA. Alba hat "ein ziemlich genaues Bild" (Baldi) von seinem Publikum: Der durchschnittliche Alba-Fan ist sehr jung, etwa 75 Prozent sind unter 49 Jahren alt, er verfügt über ein höheres Haushaltseinkommen und höheres Bildungsniveau. Wobei sich das "immer breiter auffächert", wie Baldi erklärt. Und: Fast die Hälfte der Anhänger ist weiblich.
"Sicher wird es nicht immer aufwärts gehen", ist sich Baldi sicher, aber "es gibt noch viele Möglichkeiten zum Verbessern". Wenn der Klub zum Beispiel statt im Eurocup in der Europaliga spiele. Die Bundesliga werde, nicht zuletzt durch Aufsteiger Bayern München, immer attraktiver. "Das hilft uns." Dass jedes Alba-Heimspiel ausverkauft ist, sei "kurzfristig nicht zu erreichen". Und dennoch: "Als Traum darf man das schon formulieren."
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