Der erste Jäger wartet bereits. "Jeder hat uns als Ziel, er schaut auf den Terminplan und freut sich, wenn er gegen uns spielen kann", sagt Hollis Price, der Spielmacher von Alba Berlin. Ganz speziell hat der US-Amerikaner zwar die erste Bundesligapartie seines Basketballteams am Freitagabend bei den Telekom Baskets Bonn im Auge. Aber sein Satz hat Allgemeingültigkeit. Seit Jahren. Egal, ob die Berliner nun amtierender Meister sind oder nicht: Berlin zu besiegen, ist für alle etwas ganz Besonderes.
Bundesligastart. Gerade jetzt, wo die Berliner angeschlagen wie selten sind. Denn die Wunden sind noch tief und schmerzen, die das Verpassen der Europaliga zugefügt hat. Der große Traum stand kurz vor seiner Erfüllung. Doch dann das 70:70 gegen Charleroi, das alles platzen ließ. "Wir dürfen nicht paralysiert sein", sagt Cheftrainer Luka Pavicevic zwar. Aber so leicht ist das nicht. Marco Baldi, der Alba-Geschäftsführer, spricht durchaus treffend von einem "Rucksack", mit dem man jetzt – wegen der Europaliga-Qualifikation – verspätet und um eine Enttäuschung reicher in die Bundesliga startet. Ein Gepäck, an dem die Spieler, die Trainer, der ganze Klub und die Fans schwer zu tragen haben.
Pavicevic erwartet zu Recht einen "langen und schweren Weg", der in der Basketball-Bundesliga (BBL) nun vor seinem Team liege. Ein Weg, an dessen Ziel unbedingt der Titelgewinn stehen soll, ja muss. Auch weil nur so der direkte Sprung in die Europaliga möglich ist. Seit 2007 ist der 42-Jährige Coach der Berliner, es ist seine vierte Saison beim Klub, nur einmal bisher wurde Alba während seiner Amtszeit Meister. Überhaupt hieß es seit 2003, nach sieben Titeln (1997-2003) hintereinander: Siebenmal probiert, nur einmal ist es passiert.
"Es gehört dazu, großen Druck zu haben, wenn man bei einem Topklub wie Alba ist", sagt Pavicevic mit einem Lächeln. Doch für ihn dürfte der Druck besonders groß sein. Nach dem schwachen Saisonabschluss im Mai 2010, als das Team bereits im Play-off-Viertelfinale an Frankfurt gescheitert war, wurde bei Alba "jeder Stein umgedreht", wie es Baldi damals ausdrückte. Nur ein Stein blieb unangetastet: Pavicevic. Von ihm wird nun aber umso mehr erwartet, dass er das Vertrauen zurückgibt und die fast komplett neue Mannschaft zur deutschen Meisterschaft führt.
Die Verantwortlichen beim Klub werden zwar nicht müde, darauf hinzuweisen, dass man nicht jedes Jahr Meister werden müsse, aber alle wissen auch, dass sich der Anspruch, das Topteam in Deutschland und erstklassig in Europa zu sein, eben daran misst: Meister zu sein und in Europas Beletage zu spielen. Beides erfüllt Alba Berlin zurzeit nicht.
Die Konkurrenz in Deutschland ist immer stärker geworden. Von den Ergebnissen her, hat Bamberg den Berlinern in den vergangenen Jahren den Rang abgelaufen. 2005 und 2007 Meister, 2010 ebenfalls, in diesem Jahr gewannen die Franken auch noch den Pokal. "Bamberg ist Topfavorit", sagt auch Albas Kapitän Patrick Femerling und sieht sich einig mit etlichen Experten.
Es mag den Berlinern gar nicht unlieb sein, dass sie nicht mehr der von allen sofort genannte Favorit sind. Es zeigt jedoch auch, dass sich die Gewichte innerhalb von Basketball-Deutschland erheblich verschoben haben.
Aber auch in Berlin selbst muss der Klub um sein Terrain kämpfen. Erst in der Max-Schmeling-Halle, danach in der O2 World stieg der Zuschauerzuspruch kontinuierlich. In der vergangenen Bundesligasaison kamen im Schnitt 10.207 Besucher in die Arena am Ostbahnhof – Rekord. Den Schnitt will der Klub "etwa auf diesem Niveau halten", so der Geschäftsführer. Es wird interessant werden zu sehen, wie das zahlende Publikum auf das schwache Abschneiden in der Saison 2009/10 und das neuerliche Scheitern in der Europaliga-Qualifikation reagiert.
Neben den Eishockeyspielern der Berliner Eisbären sind inzwischen auch die Handball-Füchse zu einer weiteren Hausnummer in der Hauptstadt geworden. Eine Konkurrenz, die Baldi allerdings nicht fürchtet. "Ich war immer der Meinung, dass sich Konkurrenz befruchtet." Den Füchsen gönne er "von ganzem Herzen" den jetzigen Höhenflug. Er sieht Parallelen zu Alba vor vielen Jahren. "Es ist ein ganz großes Gefühl, wenn auf einmal alles geht. Wo du vorher mühsam gekratzt hast, wird dir jetzt Respekt entgegengebracht." Alba kämpfe jetzt seit Jahren eben darum, das Erreichte mindestens zu erhalten. Was zuletzt oft nicht gelungen ist.
Die nationale Konkurrenz ist in der Spitze immer näher zusammengerückt. Lange vorbei die Zeiten, in denen Alba vom Spieleretat her weit vor den anderen lag. In dieser Spielzeit haben die Berliner mit etwa 7,5 Millionen Euro zwar erneut den höchsten Gesamtetat, dürften für das spielende Personal aber nicht mehr ausgeben als Bamberg und Oldenburg, das ebenfalls zum Favoritenkreis gehört. Dass beide Teams gleich mit drei Siegen in drei Spielen in die Bundesligasaison gestartet sind, erstaunt da niemanden.
Die BBL insgesamt hat einen kleinen Boom zu verzeichnen. Das sportliche Niveau bei den meisten Klubs ist gestiegen, beim Zuschauerschnitt liegt man mit 3888 Fans pro Spiel in Europa auf Rang zwei hinter Spanien. Die Attraktivität speist sich auch aus der Tatsache, dass in den vergangenen sieben Jahren fünf verschiedene Klubs den Titel gewannen. Bei Alba wird man dies allerdings wenig amüsiert verfolgt haben.
Fr. 15.10.2010 Bonn–Alba
So. 17.10. Alba–Ludwigsburg
So. 24.10. Bayreuth–Alba
So. 31.10 Alba–Oldenburg
Sa. 6.11. Ulm–Alba
So. 14.11. Alba–Düsseldorf
Sa. 20.11. Gießen–Alba
So. 28.11. Alba–Frankfurt
Sa. 4.12. Braunschweig–Alba
Sa. 18.12. Bamberg–Alba
So. 26.12. Alba–Bremerhaven
Mi. 29.12. Alba–Göttingen
So. 2.1.2011 Tübingen–Alba
Mi. 5.1. Alba–Artland
Sa. 8.1. Mitteldeutscher BC–Alba
So. 16.1.Alba–Hagen
Fr./Sa./So. 28./29./30.1.2011 Trier–Alba
So. 6.2. Alba–Bonn
Sa. 12.2. Ludwigsburg–Alba
Sa. 19.2. Alba–Bayreuth
Sa. 26.2. Oldenburg–Alba
So. 13.3. Düsseldorf–Alba
So. 20.3. Frankfurt–Alba
Sa. 26.3. Alba–Braunschweig
Fr. 8.4. Artland–Alba
Fr. 15.4. Bremerhaven–Alba
So. 17.4. Göttingen–Alba
Sa. 23.4. Alba–Tübingen
Diese sechs Bundesliga-Spiele sind noch nicht terminiert: Alba–MBC, Hagen–Alba, Alba–Trier, Alba–Ulm, Alba–Bamberg, Alba–Gießen.
Alba trägt seine Heimspiele in der O2 World aus. Die Anfangszeiten differieren und können sich auch wegen Fernsehübertragungen noch kurzfristig ändern. Näheres erfahren Sie auf der Website www.albaberlin.de.