10.10.10

Basketball-Europaliga

Albas Endspiel ist ein Fall für Derrick

Derrick Allen zerstörte Albas Meisterschaftstraum. Dann wechselte der US-Amerikaner nach Berlin. Nun soll er Albas Vision von der Europaliga erfüllen.

Von Theo Breiding
Foto: picture-alliance / City-Press
Derrick Allen
Spielte vor Alba Berlin bei den Frankfurt Skyliners: Derrick Allen

Es ist noch nicht einmal ein halbes Jahr her, dass der Basketball-Profi im Trikot der Frankfurt Skyliners Alba in den Abgrund stieß. Derrick Allen spielte im Viertelfinale der vergangenen Saison überragend und war einer der Gründe, dass der Berliner Traum von der Meisterschaft so jäh endete.

Jetzt ist der US-Amerikaner nach seinem Wechsel nach Berlin auf der richtigen Seite und einer der Faktoren dafür, dass sich Alba, bevor die Saison richtig losgegangen ist, den großen Traum von der Europaliga erfüllen kann. Legt der 30-Jährige heute gegen Spirou Charleroi (17 Uhr, O2 World) eine ähnliche Partie hin wie beim 77:81 am vergangenen Dienstag im Hinspiel, in dem er 20 Punkte machte und acht Rebounds holte, stehen die Chancen nicht schlecht. Sein Team muss den Vier-Punkte-Rückstand aufholen, um den Sprung in die Königsklasse zu schaffen.

"Ich selbst denke eigentlich nicht mehr an die Serie mit Frankfurt gegen Alba zurück", sagt Allen schmunzelnd. "Aber von den anderen kommt hier und da mal ein Spruch." Bis vor gut drei Wochen zumindest. Danach hatten Allen und seine Mitspieler dann kaum noch Zeit, in die Vergangenheit zu blicken. Hin- und Rückspiel in der ersten K.o.-Runde gegen Chorale Roanne in Frankreich, dann gleich der zweite Kraftakt mit dem Herzschlagfinale bei Hemofarm Vrsac in Serbien, schon zwei Tage später ging es weiter nach Belgien. Fünf Spiele zur Qualifikation für die Europaliga in gut zwei Wochen, in denen es, weil die Korbdifferenz am Ende entschied, in jeder Sekunde um alles ging.

Und heute nun das große Finale. Noch einmal allen Willen, Spielwitz und taktische Disziplin bündeln, mit mindestens fünf Punkten Unterschied gewinnen – und das erste große Ziel der Saison wäre erreicht. "Ich denke, dass unsere Chancen sehr gut stehen", sagt Allen. "Wir spielen zu Hause, müssen rausgehen und unser Spiel durchsetzen." Die Kunst wird aber auch sein, zu vergessen, dass am Ende ein Sieg mit mindestens fünf Punkten Vorsprung herauskommen muss. "Wir dürfen nicht auf die Anzeigetafel blicken, ob wir im Soll sind oder nicht. Jeder Ballbesitz kann am Ende entscheidend sein, deshalb darf nur der jeweilige Moment zählen."

Allen war in allen fünf Qualifikationsspielen eine verlässliche Größe, machte bei 25 Minuten Spielzeit im Durchschnitt 15 Punkte mit einer Trefferquote aus der Nah- und Mitteldistanz von 64,7 Prozent und holte pro Spiel 3,8 Rebounds. Alba scheint mit dem 2,03 Meter großen Athleten aus Alabama auf der Forwardposition nach den Enttäuschungen der vergangenen Jahre mit Spielern wie Kenan Bajramovic oder Jurica Golemac endlich ein guter Griff gelungen zu sein. "In den zwei Monaten, in denen ich jetzt mit Derrick zusammen arbeite, hat er alle Erwartungen erfüllt", sagt Albas Trainer Luka Pavicevic. "Er ist eine Persönlichkeit, das hat er sich in seiner Karriere erarbeitet. Er hat hohe Ziele, will und kann Verantwortung übernehmen, versucht, sich immer weiter zu verbessern und steckt in alles, was er tut, seine ganze Energie. Mit dieser Präsenz ist er sehr wichtig für unser Team."

Im Basketball kann ein Spieler, der auf einer Position in der Nähe der Körbe seine Stärken hat, nicht durchschnittlich 15 Punkte pro Spiel machen, wenn ihm diejenigen, die für die Organisation des Spiels verantwortlich sind, nicht den Ball geben. Bei Alba bekommt Allen den Ball, denn für Hollis Price und Marko Marinovic ist er immer eine der ersten Optionen. "Derrick spielt unglaublich hart, ob er sich im Angriff in Position bringt, verteidigt oder einen Block stellt, was für uns Spielmacher sehr wichtig ist", erklärt Price. "Wenn ich mit dem Ball komme und das Spiel lese, habe ich immer ein Auge auf ihn. Er ist schnell, und du weißt, wenn du ihm den Ball gibst, wird fast immer etwas Positives dabei herauskommen."

Während Price und auch Marinovic heute alle Hände voll zu tun haben werden, die Kreise von Charlerois Spielmacher Demond Mallet einzuengen, hofft man bei Alba natürlich, dass Allen ähnlich effektiv und erfolgreich zu Werke geht wie am Dienstag in Belgien. Allen ist schwer zu verteidigen, weil er auf beiden Forward-Positionen gleichermaßen gefährlich ist. Mit seinen 2,03 Metern ist er als Small Forward für seine Gegenspieler oft zu groß, auf der Power-Forward-Position zwar zumeist kleiner, dafür wendiger und schneller als seine Verteidiger.

Allen unter dem Korb anzuspielen, wird Alba aber nicht reichen, um den letzten großen Schritt in Richtung Europaliga zu machen. "Natürlich müssen wir unser Spiel unter den Körben etablieren", sagt Pavicevic, der aber auch noch zahlreiche Dinge nennen kann, die sein Team besser machen muss als im Hinspiel. "Charleroi erarbeitet sich mit Offensivrebounds zahlreiche zweite Chancen, das müssen wir verhindern", fordert Albas Trainer und warnt auch vor Mallet und Joseph Gomis, dem zweiten Guard der Belgier, deren Zug zum Korb sein Team am Dienstag zu selten stoppen konnte. "Wenn wir sie nicht zum Korb ziehen lassen, sind sie von außen noch immer sehr gefährlich."

Mit dem gleichen Respekt, mit dem er Derrick Allen beschreibt, spricht Albas Headcoach auch über den heutigen Gegner: "Charleroi ist in kurzer Zeit zu einer sehr homogenen Gruppe mit einem sehr komplexen Spiel zusammengewachsen." Heute nur auf die Euphorie und die über 10.000 Fans im Rücken zu setzen, wäre fatal. Auf seinen Topscorer vom Dienstag kann Pavicevic zählen. "Ich habe in meiner Karriere noch nie in der Europaliga gespielt", sagt Allen. "Mich mit den Besten zu messen, ist mein Ziel."

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