Henrik Rödl
Alba siegt und feiert den Musterprofi
Donnerstag, 9. September 2010 21:17 - Von Sebastian ArltAlba Berlin hat das Testspiel gegen Trier trotz vieler Fehler mit 64:59 gewonnen. Es war ein emotionaler Abend in der O2 World - denn Alba-Ikone und Henrik Rödl wurde noch einmal stilvoll aus Berlin verabschiedet.
Es waren Minuten voller Emotionen. Nicht wenige Zuschauer wischten sich ein paar Tränen aus dem Gesicht. Henrik Rödl sprach mit belegter Stimme von „extrem bewegenden Momenten“, nachdem er Mittwochabend in der O2 World unter dem Applaus der 6743 Besucher geehrt worden war. Das Urgestein des Basketballklubs Alba Berlin, der Kämpfer, der nie aufgab, wurde vor dem Testspiel der Berliner gegen TBB Trier, das die Berliner 64:59 (42:29) gewannen, offiziell verabschiedet. Seit diesem Sommer trainiert der 41-Jährige die Trierer.
„Eigentlich gibt es bei Alba keinen Personenkult, das große Ganze steht im Vordergrund“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi in seiner Laudatio, „aber heute machen wir eine Ausnahme.“ Und viele Besucher dürfte eine Gänsehaut überkommen haben, als in der abgedunkelten Halle ein Scheinwerfer das überdimensionale Trikot mit der Nummer 4 und der Aufschrift RÖDL ALBA BERLIN anstrahlte, das nun immer unter dem Hallendach hängen wird. Die Nummer 4, die Rödl als Spieler stets trug, wird Alba künftig nicht mehr vergeben. Eine Hommage an den Mann, über den Wendell Alexis, der beste Werfer in der Alba-Geschichte, einmal sagte: „Henrik ist der Klebstoff, der das Team zusammenhält.“ Baldi erklärte: „Henrik hat große Beiträge für die Entwicklung von Alba Berlin geleistet.“
Als Alba-Trainer gab es ein bitteres Aus
Ehre, wem Ehre gebührt. Schließlich hat Henrik Rödl das Gesicht von Alba über 17 Jahre hinweg geprägt wie kein anderer. 1993 kam er von der University of North Carolina, wo er den US-College-Titel gewonnen hatte, nach Berlin. Bis zum Jahr 2004 war er auf dem Feld immer dabei, in 512 Spielen erzielte er 5226 Punkte. Von 1996 an war er Kapitän der Mannschaft, die siebenmal Meister, viermal Pokalsieger wurde und 1995 als erstes deutsches Team einen europäischen Titel (Korac-Cup) gewann. „Von 15 Titeln, die wir erreicht haben, war Henrik an 13 beteiligt“, erinnerte Baldi an die Erfolgsbilanz des in Offenbach geborenen Rödl. 1993 wurde er mit der deutschen Nationalmannschaft Europameister.
Aufbauarbeit soll er nun in Trier leisten, wo er einen Dreijahresvertrag als Cheftrainer unterschrieben hat. Begleitet von den Ex-Albatrossen Dragan Dojcin, Oskar Faßler, Oliver Clay und Philip Zwiener, die bei der Teamvorstellung der Gäste ebenfalls mit viel Beifall bedacht wurden. Und die Mannschaft von Rödl legte auch gleich gut los. Bis zur sechsten Minute lagen die Gäste in Führung, vor allem Dojcin (Topscorer bei Trier mit 13 Punkten) ragte heraus, erzielte sieben der ersten zwölf Trierer Punkte. Doch langsam kam Alba besser ins Spiel.
Fanfest nach dem Spiel
Cheftrainer Luka Pavicevic hatte Julius Jenkins, Immanuel McElroy, Derrick Allen (Topscorer mit 13 Punkten), Marko Marinovic (12) und Tadija Dragicevic in der Startformation aufgeboten, doch er wechselte schnell fast komplett durch. Schließlich bleibt nicht viel Zeit für Experimente, denn bereits am 21. September sollte sein Team in guter Form sein, wenn das erste Europaliga-Qualifikationsspiel in Roanne auf dem Programm steht.
Bis zur Pause waren es vor allem Marinovic und Lucca Staiger mit jeweils zwei Dreiern und Allen und Patrick Femerling unter den Körben, die erfolgreich waren. Aber es war dem Team auch anzumerken, dass es bei der Feinabstimmung noch viel Arbeit gibt. Kein Wunder, bei einer fast komplett neu zusammengestellten Mannschaft sind die Lauf- und Passwege nach wenigen Wochen nicht automatisiert.
Nach der Pause bot sich das gleiche Bild. Viele Wechsel bei beiden Mannschaften, die Trainer nutzten die Gelegenheit des Testspiels. Bei 50:34 nach 28 Minuten hatte Alba mit 16 Punkten die bis dahin höchste Führung herausgeworfen. In den letzten Minuten ließ die Konzentration gewaltig nach, Trier kam heran, am Ende hieß es 64:59 für Berlin. Allen bilanzierte: „Erst war es ein Schritt nach vorn, aber dann haben wir in der Verteidigung zu viele Fehler gemacht.“
Der Abend endete mit einem Fanfest im Foyer der Halle und vor der Arena: Einstimmung auf die Spielzeit 2010/2011. Mit Rödl wird es ein Wiedersehen geben – frühestens am 10. Oktober. Denn sollten die Berliner nicht die dritte Runde in der Europaliga-Qualifikation erreichen, kommt Trier mit Rödl bereits an diesem Tag als Gegner in der Bundesliga erneut nach Berlin. Henrik Rödl wird gern zurückkehren, wie sagte er zum Abschied so schön: „Ein Koffer von mir steht hier in Berlin.“
Erschienen am 08.09.2010


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