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Basketball

Wie sich Alba Berlin von Steffen Hamann trennte

Der Vertrag von Spielmacher Steffen Hamann wurde von Alba Berlin aufgelöst. Jetzt regeln der Verein und sein Agent den Rest. Morgenpost Online sprach mit dem 29-Jährigen über seinen Groll auf Alba-Trainer Pavicevic und das Angebot des FC Bayern.

Steffen Hamann
Foto: DDP
Das Trikot von Alba Berlin wird Steffen Hamann nicht mehr tragen

Am Montagmorgen um 8.30 Uhr kehrte Steffen Hamann von einer zweiwöchigen Länderspielreise der Basketball-Nationalmannschaft zurück. Morgenpost Online traf den deutschen Kapitän auf dem Flughafen Tegel und sprach mit dem 29-Jährigen über seine vorzeitige Trennung von Alba Berlin und den bevorstehenden Wechsel zu Zweitligist Bayern München.

Morgenpost Online: Herr Hamann, Sie waren gerade bei einem Turnier mit der deutschen Mannschaft auf Zypern. In drei Wochen startet die WM in der Türkei – hat Ihr Team dort eine Medaillenchance?

Steffen Hamann: Von einer Medaille sind wir ein Stück weit entfernt, weil ja Dirk Nowitzki und Chris Kaman nicht dabei sind. Aber das ist jetzt unser zweiter Sommer seit dem personellen Umbruch. Man hat gemerkt, dass wir schon weiter sind. Es sieht ganz ordentlich aus. Unser großes Ziel ist es, die Vorrunde zu überstehen. Im Play-off ist dann immer alles möglich.

Morgenpost Online: Sie kommen nur kurz nach Berlin zurück, um Ihre Sachen zu packen. Alba Berlin hat Ihren bis 2011 gültigen Vertrag aufgelöst.

Hamann: Ich bin schon traurig. Ich habe die zwei Jahre in Berlin sehr genossen, viele neue Freunde gefunden. Meine Familie ist immer gern zu Besuch gekommen. Ich wäre gern länger geblieben, auf jeden Fall drei Jahre, von mir aus auch noch länger.

Morgenpost Online: Der Verein hat das so erklärt: Man habe sich zusammengesetzt und dabei festgestellt, dass beide Seiten unzufrieden sind. Dann habe man sich einvernehmlich getrennt. War es so?

Hamann: Die Geschichte ist etwas länger. Natürlich waren wir alle unzufrieden mit dem Ausgang der vergangenen Spielzeit. Danach haben wir die Saison Revue passieren lassen…

Morgenpost Online: Wer ist wir?

Hamann: Trainer Luka Pavicevic und ich. Wir haben über die Mannschaft gesprochen. Er hat mir gesagt, dass er fest mit mir plant und die neue Mannschaft um mich herum aufbauen will. Dann hat er mir noch mit auf den Weg gegeben, dass ich frei entscheiden könne, ob ich im Sommer für die Nationalmannschaft spielen oder ein Jahr Pause machen wolle – auch, um ein Zeichen für Alba zu setzen.

Morgenpost Online: Und dann?

Hamann: Ich habe mir zwei Tage Gedanken gemacht. Mit vielen Leuten gesprochen, auch mit Bundestrainer Dirk Bauermann. Er hat mir erklärt, dass ich für ihn eigentlich unverzichtbar sei, dass er es andererseits aber auch verstehen könnte, wenn ich mal ein Jahr aussetze. Ich habe mich entschieden, für die Nationalmannschaft zu spielen. Das habe ich Luka mitgeteilt.

Morgenpost Online: Wie hat er reagiert?

Hamann: Da habe ich schon gemerkt, dass er ein bisschen mürrisch wurde am Telefon, kurz angebunden war. Aber er hat mir viel Glück gewünscht für den Sommer. Danach bin ich in den Urlaub gefahren. Anschließend bekam ich einen Anruf von Alba-Teammanager Mithat Demirel aus Berlin, das man mit mir sprechen wolle. Ich dachte, es geht um die Planung der neuen Saison. Dann haben wir uns mit Luka Pavicevic zusammengesetzt. Der hat mir in einem Monolog mitgeteilt, dass er nächste Saison nicht mehr mit mir zusammenarbeiten möchte.

Morgenpost Online: Was haben Sie darauf geantwortet?

Hamann: Dazu bekam ich keine Gelegenheit. Mir wurde nur mitgeteilt, dass den Rest der Verein und mein Agent regeln müssten.

Morgenpost Online: Da waren Sie platt…

Hamann: Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Luka. Er war sogar ein Grund für mich, nach Berlin zu kommen. Es tut mir sehr weh, dass ich jetzt in dieser Situation bin. Ich konnte es einfach nicht glauben, habe auch ein paar Tage gebraucht, es zu verarbeiten, und bin immer noch menschlich enttäuscht von Luka Pavicevic.

Morgenpost Online: Auch von Alba Berlin?

Hamann: Ich habe mit Geschäftsführer Marco Baldi auch ein Gespräch geführt, aber letztlich war es die Entscheidung des Trainers. Ich kann dem Verein und Marco Baldi nichts vorwerfen. Er hat mir mit auf den Weg gegeben, dass es eine der schwersten Entscheidungen war, hinter denen er stehen musste. Die Geschäftsstelle und die Fans von Alba haben mich ja immer sehr unterstützt. Enttäuscht bin ich eher davon, wie der Verein mit deutschen Spielern umgeht.

Morgenpost Online: Sie sind ja immerhin Kapitän der Nationalmannschaft.

Hamann: Genau. Natürlich war ich auch nicht immer zufrieden mit meiner Rolle in der Mannschaft. Ich habe eine ordentliche Hinserie gespielt, aber nie die Möglichkeit bekommen, mich richtig zu beweisen. Nehmen Sie das letzte Spiel der Saison, das letzte Spiel in Frankfurt. Als ich Energie in die Mannschaft gebracht hatte, sie sich herangekämpft hatte, durfte ich wieder Platz auf der Bank nehmen. Das war für mich sinnbildlich für die gesamte Spielzeit.

Morgenpost Online: Wie geht es jetzt weiter? Es heißt, Sie würden am Mittwoch einen Zweijahresvertrag bei Bayern München unterschreiben?

Hamann: Das kann passieren. Noch ist nichts unterschrieben, wir haben auch andere Optionen. Auf jeden Fall steht das Angebot, es ist ein sehr interessantes Angebot. Wie jeder weiß, ist Dirk Bauermann dort Trainer. Und jeder weiß, wie gut mein Verhältnis zu ihm ist. Er vertraut mir, ich vertraue ihm. Bayern München ist eine interessante Option, ein Projekt für die Zukunft. Natürlich ist es zweite Liga, und meine Anforderung ist, immer auf dem höchsten Niveau zu spielen, das habe ich ja in den vergangenen Jahren gemacht. Andererseits würde es mir vielleicht nach zehn Jahren Bundesliga und Europapokal mal ganz gut tun, ein bisschen Luft zu holen: ein Spiel in der Woche, und im April ist die Saison zu Ende. Klar: Der Druck ist auch da groß, der Aufstieg aus der zweiten Liga wird nicht einfach. In jeder Halle wollen sie Bayern München schlagen.

Morgenpost Online: Genau wie Alba Berlin…

Hamann: Stimmt (lacht).

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