Basketball
Wie Alba die Deutschen-Quote erfüllen will
Montag, 9. August 2010 17:30 - Von Sebastian ArltDie Basketball-Bundesliga wird deutscher. Mit der neuen Saison sollen stufenweise mehr einheimische Basketballprofis unter den Körben zu sehen sein. Alba Berlin sieht sich gewappnet.
Eine neue Zeit bricht an in der Basketball-Bundesliga (BBL). Und nicht nur, weil von Herbst an die Drei-Punkte-Linie nicht mehr wie bisher 6,25 Meter vom Korb entfernt sein wird, sondern 6,75 Meter. Die Profis müssen neu justieren. Die BBL wird zudem deutscher.
In den kommenden beiden Spielzeiten müssen auf dem Spielberichtsbogen fünf der zwölf Spieler einen deutschen Pass haben, einer mehr als bisher; bei zehn oder elf im Kader reichen vier Deutsche. Somit könnten einheimische Spieler in der Rotation eine größere Rolle spielen. „Es ist ein großer Erfolg, dass es die Liga hingekriegt hat, dass die Mehrheit der Klubs diese Regelung akzeptiert hat“, sagt Marco Baldi, der Geschäftsführer von Alba Berlin.
Seit Jahren hatten sich die Berliner dafür stark gemacht, die Deutschen-Quote zu erhöhen. Doch eine Mehrheit in der BBL wollte sich lieber mit preisgünstigeren und oftmals dennoch spielstärkeren Ausländern eindecken. Doch die Liga hat inzwischen festgestellt, dass sie nach der totalen Öffnung des Spielermarktes zum Durchlauferhitzer geworden ist. Die stufenweise Erhöhung der Zahl deutscher Profis soll für mehr Kontinuität und Identifikation sorgen.
Bereits in der abgelaufenen Saison kletterte der prozentuale Anteil der einheimischen Spieler an der Gesamtspielzeit im Vergleich zum Vorjahr von 16,25 auf 18,38 Prozent. Die Einsatzzeit deutscher U24-Spieler stieg sogar von 6191 auf 10488 Minuten – das entspricht einer Steigerung von 68,47 Prozent. Spitze waren die Telekom Baskets Bonn (31,89 Prozent Anteil von deutschen Spielern). In Berlin mussten die Deutschen unter Trainer Luka Pavicevic hingegen oft tatenlos zuschauen, Alba landete lediglich auf Platz 14 (13,11).
Ob sich der Anteil künftig wirklich erhöhen wird? Bei der eher kleinen Rotation von Alba werden wohl jeweils nur zehn bis elf Spieler aufgeboten werden, benötigt werden dann nur vier Deutsche. „Bei uns hat die neue Situation Auswirkungen auf die Planungen gehabt“, sagt Baldi zumindest. „Wir haben bei den Verpflichtungen mit den deutschen Spielern angefangen.“ Trotz der Vertragsauflösung mit Steffen Hamann hat Alba in Patrick Femerling, Yassin Idbihi, Sven Schultze (alle neu gekommen) und Lucca Staiger für die Saison 2010/2011 ein deutsches Quartett, das qualitativ seinesgleichen sucht. Hinzu kommt Nachwuchsmann Andreas Seiferth, der mit Doppellizenz zumeist für Alba II in der Pro B spielen wird.
Baldi hat auf dem Spielermarkt „massive Bewegung“ festgestellt. Gute deutsche Profis werden dringend gesucht. Braunschweig musste Idbihi zu Alba ziehen lassen. Trier unter seinem neuen Coach, dem Ex-Berliner Henrik Rödl, hat bereits Philip Zwiener, Oliver Clay (beide Alba) und Oskar Faßler (MBC) verpflichtet, Johannes Strasser ging von Bonn zu den Artland Dragons und Christopher McNaughton von Göttingen nach Oldenburg.
Baldi glaubt, „dass jetzt einige zetern werden, weil das Gehalt der Deutschen steigt“. Doch mittel- und langfristig sei man – hin zu mehr Kontinuität – auf dem richtigen Weg. Flächendeckend muss mehr in den Jugendbereich investiert werden. Die Jungen aus den Nachwuchsprogrammen sollen sehen, dass es Jobmöglichkeiten für sie gibt. Baldi fordert die Deutschen aber auf, mit der neuen Regelung verantwortungsbewusst umzugehen. „Unter Artenschutz“, so Baldi, dürfe es sich niemand bequem machen.
Erschienen am 07.08.2010


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