Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
14.05.10

Basketball

Warum Alba in die Krise stürzte

Die Berliner Basketball-Pofis Alba Berlin dürfen sich am Sonntag keine Niederlage mehr leisten. Sonst ist der achtmalige deutsche Meister raus aus dem Play-off der Basketball-Bundesliga - frühzeitig. Der Niedergang begann nach dem Eurocup-Finale. Morgenpost Online nennt die Gründe.

© AFP
81973228

Sollten Albas Basketballer ihrem Play-off-Motto "Das Beste zum Schluss" am Sonntag im dritten Viertelfinale gegen die Frankfurt Skyliners (17 Uhr, O2 World) wirklich noch die entsprechenden Taten auf dem Parkett folgen lassen, wäre es eine Punktlandung. Denn eine weitere Chance wird es nicht mehr geben. Das Team liegt nach dem 71:76 zu Hause und dem 63:76 auswärts in der "Best of Five"-Serie 0:2 zurück – noch eine Niederlage, und die Saison wäre vorbei.

Kaum zu glauben, dass genau das Team, das jetzt gegen den Tabellensiebten vor dem frühen, bitteren Aus steht, vor vier Wochen international noch für Furore sorgte, sich im Eurocup erst im Finale geschlagen geben musste und Spitzenteams wie Joventut Badalona, Hapoel Jerusalem oder Galatasaray Istanbul aus dem Weg geräumt hatte. Wo ist dieses Alba-Team? Was ist seitdem passiert? Morgenpost Online nennt die Gründe für den erstaunlichen Niedergang in der entscheidenden Saisonphase.

Die Mannschaft ist seit dem Euro-Final-Four im spanischen Vitoria und dem ernüchternden 44:67 gegen Valencia im Finale in ein mentales Loch gefallen. Seither fehlt die Anspannung, mit der das Team zuvor in Europa geglänzt hatte. Den Schalter nach 20 Spielen quer über den Kontinent verteilt umzulegen und sich auf das primäre Saisonziel, den Gewinn der Meisterschaft zu fokussieren, gelang (noch) nicht.

Ein Beleg dafür ist, dass Alba in der Serie gegen Frankfurt bislang beim Kampf um die Rebounds den kürzeren zog, in Spiel eins noch halbwegs verträglich mit 32:35, in Frankfurt eklatant klar mit 24:37. Die Kunst des Reboundens ist ein Mix aus Wollen und Timing. In Sachen Willenskraft legte Alba vom ersten zum zweiten Spiel zu, die Skyliners aber waren wacher, heißer, zumeist einen halben Schritt schneller in der besseren Position, um die abprallenden Bälle unter den Körben zu erobern.

Auch die Freiwürfe belegen, dass Alba derzeit von der Anspannung und der Fähigkeit her, sich zu konzentrieren, auf dem Zahnfleisch läuft. Die Bilanz des zweiten Spiels in Frankfurt: 24 Versuche, zwölf Treffer – 50 Prozent, eine indiskutable Quote für ein Team, das Deutscher Meister werden will.

Die Freiwurfstatistik des zweiten Viertelfinales verweist auch auf ein weiteres Handicap, mit dem die Berliner derzeit leben müssen. Julius Jenkins, der am Sonntag vor dem vielleicht letzten Spiel dieser Saison zum zweiten Mal nach 2008 als wertvollster Spieler (MVP) der Liga geehrt wird, steht neben seinen Schuhen. In Frankfurt traf er nur einen von fünf Freiwürfen und steuerte insgesamt sechs Punkte bei. Der US-Amerikaner, der Spiele entscheiden kann und soll, aber wegen einer Gehirnerschütterung bis Vitoria vier Wochen pausierte, ist derzeit nicht mehr als ein Schatten seiner selbst.

Albas Pick'n-Roll-Offense, das Zusammenspiel der Spielmacher mit den Centern, aus dem sich zahlreiche Wurfoptionen ergeben, war über weite Strecken der Saison für die Gegner ein Buch mit sieben Siegeln. Frankfurt ist bestens auf Albas Systeme eingestellt. "Wir haben eine Woche nur Verteidigungsvarianten gegen das Pick'n-Roll trainiert", sagt Skyliners-Kapitän Pascal Roller. "Nichts anderes."

Erspielt sich Alba dennoch einen freien Wurf, hapert es vor allem aus der Distanz. Bis zum Play-off kam Alba bei den Dreiern auf eine Trefferquote von 36,9 Prozent, in den beiden Spielen gegen Frankfurt auf 29,2 (sieben von 24) und 30,4 (sieben von 23). Die Formel: je leerer der Akku, desto geringer die Konzentration.

Zudem hat Alba noch kurz vor und während des Play-off zwei Nebenkriegsschauplätze eröffnet: Den Streit mit der Basketball-Bundesliga (BBL) um die vermeintliche Benachteiligung durch die Referees und mit der Suspendierung von Forward Jurica Golemac. Ob sie dem Team geschadet haben, ist schwer zu klären, sicher scheint jedoch: geholfen haben sie nicht.

Für Marco Baldi sind all diese Themen im Moment nicht relevant. "Jetzt ist nicht die Zeit für Analysen", sagt Albas Geschäftsführer. "Wir haben jetzt am Sonntag noch diese eine Chance, in die Serie zurückzukommen, das allein zählt. Der Druck könnte größer nicht sein und es wird nur gelingen, wenn wir das, was sich uns bietet, hochprozentig nutzen und zugleich Frankfurt stoppen. Das geht nur mit äußerstem Willen, aber gleichzeitig müssen wir auch die Ruhe bewahren, dürfen nicht permanent daran denken, was auf dem Spiel steht."

Bonn ist das einzige Team, das in der BBL jemals 0:2-Rückstände noch drehte, 2002 gegen Bamberg und 2003 gegen Leverkusen. Alba schaffte, wie vergangene Saison im Halbfinale gegen Bonn, zwar schon mit zwei Siegen in Folge den Ausgleich, verlor dann aber Spiel fünf. Alba muss Sonntag also ein neues Kapitel der Vereinsgeschichte schreiben, wenn es dabei bleiben soll – "das Beste zum Schluss!"

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
Wendig: Dieses autonome Auto deutscher Forscher ("EO") parkt selbsttätig ein und dreht dabei seine Räder um 90 Grad
Die Geisterautos sind da

Diese Autos kommen ohne Fahrer aus

Video Nachrichten mehr
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
EM 2012 Deutschland plant 10 Spiele und 10 Siege
Atemnot Elton John sagt Vegas-Konzerte ab
Spitzentreffen Immer noch keine Einigung zum Fiskalpakt
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote