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06.05.10

Ziel Europaliga

Alba kämpft mit aller Macht um den Titel

Den Titel zu erringen - das ist das erklärte Hauptziel der Spieler von Alba Berlin. Alles, was in der Vergangenheit schief gegangen ist, ist nun vergessen. Doch das "dicke Steak" vor Alba auf dem Teller, das soll verspeist werden.

© picture alliance
Luka Pavicevic
Trainer Pavicevic nimmt seine Jungs hart ran

"Das Beste zum Schluss!" Dieses Motto, von Alba Berlin für das Play-off ausgegeben, soll für die Mannschaft Programm sein. Eine Saison, die am 29. September begann, die das Berliner Basketballteam quer durch Europa und bis ins Eurocup-Endspiel brachte, soll nun gekrönt werden.

Wobei die Meisterschaft ein Muss ist. Schließlich ist der Titelgewinn "unser Hauptziel", wie Cheftrainer Luka Pavicevic vom ersten Tag an gesagt hat. Jetzt, vor dem Play-off-Beginn, sagt der Montenegriner: "Es beginnt ein völlig neuer Wettbewerb." Was auch bedeutet, dass die Alba-Profis alles hinter sich lassen müssen. Das Ausscheiden im nationalen Pokal schon vor dem Top Four - egal. Die Finalteilnahme in Vitoria, als Alba im Eurocup erst an Valencia scheiterte - Schnee von gestern. Es zählt nur das Jetzt. Center Blagota Sekulic sagt es mit blumigen Worten: "Das dicke Steak liegt jetzt vor uns auf dem Tisch und das dürfen wir nicht liegen lassen." Vielleicht, so hofft er, helfe ja die Erfahrung, die man im Eurocup gesammelt habe.

Nicht mit leeren Händen dastehen

Das erste Team, das Alba - um im Bild von Sekulic zu bleiben - den Appetit verderben will, sind im Viertelfinale vom 9. Mai an die Frankfurt Skyliners (siehe Artikel unten). "Es wäre eine Schande", sagt Sekulic, "wenn wir nach einer so tollen Saison am Ende mit leeren Händen dastehen würden."

Die Berliner gehen diesmal als Zweiter nach der Punkterunde ins Play-off, was zumindest Heimvorteil in den Serien "Best of five" im Viertel- und Halbfinale bedeutet. Rang eins ging an Titelverteidiger Oldenburg. Wobei sich in den vergangenen Jahren zeigte, dass besagter erster Platz nicht unbedingt eine Garantie auf die Meisterschaft beinhaltet.

Die Ausgangslage ist für die Berliner nicht gerade einfach. Gerade die lange Reise durch Europa hat viel Kraft gekostet. Auch wenn Geschäftsführer Marco Baldi sagt: "Was die Physis betrifft, mache ich mir null Sorgen. Ich mache mir mehr Gedanken, wie man jetzt die vielen Erlebnisse, die wir in diesem Jahr schon hatten, in die Schublade packt und versteht, dass jetzt eine neue Saison beginnt."

Angeschlagene Topspieler

Zuletzt aber fehlte der Mannschaft die Frische. Profis wie Julius Jenkins, Rashad Wright und eben Sekulic waren zudem angeschlagen. In den letzten beiden Heimspielen der Saison, gegen Bremerhaven und Ludwigsburg, konnte sich Alba zwar gerade noch "herauswürgen und herauskämpfen", wie es Assistenztrainer Konstantin Lwowsky ausdrückt. "Wir müssen uns wieder steigern", hat Derrick Byars jedoch erkannt. Die richtige Anspannung, in den vergangenen Wochen etwas heruntergefahren, muss zurückkehren. Auch die Diskussionen um die Schiedsrichter, Albas Scharmützel mit der BBL müssen total in den Hintergrund treten.

Denn es geht nicht nur um den Titel. Auf eine Wildcard kann sich Alba nicht verlassen, nur die nationale Meisterschaft garantiert einen Platz in der Europaliga. Und da wollen die Berliner unbedingt wieder hin, auch wenn der "Ausflug" in den zweitklassigen Eurocup für Alba zu einer Erfolgsstory, allerdings ohne Happyend im Finale, wurde. "Unsere Ausrichtung ist immer auch in Richtung Europa gegangen", sagt Axel Schweitzer, der Vorsitzende des Aufsichtsrates.

Das Ziel ist klar umrissen: "Über internationale Erfolge wollen wir unsere nationale Verbreitung erhöhen", erklärt Schweitzer. Und nicht zu vergessen: "Wir wollen eine dauerhafte Größe in Europa sein." Und wenn der Sprung in die Beletage in Europa nicht gelingt? "Dann geht es für Alba sicherlich nicht um die Existenz", antwortet Baldi. Doch alleine vom Anspruch Albas her, die Nummer eins in Deutschland nicht nur vom Budget, vom Fanaufkommen oder der Infrastruktur, sondern auch vom Sportlichen her zu sein, sollte der Titel geholt werden. "Es ist eine Verpflichtung für uns zu gewinnen", weiß auch Pavicevic.

Finanzielle Abstriche

Zuletzt hat Alba auch finanzielle Abstriche machen müssen. Das Ziel, bis 2010 oder 2011 einen Etat von etwa zehn Millionen Euro stemmen zu können, ist erst einmal in die Ferne gerückt. "Wir haben uns von der gesamtwirtschaftlichen Situation nicht abkoppeln können", sagt Schweitzer. Von vormals 7,5 Millionen Euro wurde das Budget in dieser Spielzeit auf etwa sieben Millionen zurückgeschraubt.

Die Wirtschaftskrise hat durchgeschlagen, gerade auch bei einem Klub wie Alba, der nicht von einem einzelnen Gönner oder etwa einer Kommune unterstützt wird, sondern den Etat auf dem Markt generieren muss. "Wir sind nicht da, wo wir jetzt eigentlich sein wollten", gibt auch Baldi zu. Wobei er feststellt: "Eine gewisse Erholung ist spürbar. Wir arbeiten daran, wieder Zuwächse zu haben."

Umso wichtiger wäre ein Titelgewinn. Denn jeder Erfolg kann Sponsoren anlocken. Zwar oft nicht sofort, aber langfristig, sagt Baldi. So werde sich auch der Eurocup-Coup positiv auswirken.

Die Zuschauer haben in dieser Saison bereits reagiert. Im Eurocup wurde Alba Rekordhalter, im Schnitt kamen 10 402 Fans in die O2 World, was Alba bei der Uleb, die Europaliga und Eurocup verantwortet, erneut viele Pluspunkte eingebracht hat. Gegenüber dem Vorjahr, der ersten Saison in der neuen Arena, hat Alba in der Bundesliga bis zum Play-off den Besucherschnitt bereits um 767 auf 10 143 Zuschauer gesteigert. Und im Play-off wird sich der Schnitt sicherlich noch erhöhen. Denn dann will jeder dabei sein, in der Hoffnung, dass auf Alba wirklich zutrifft: "Das Beste zum Schluss!"

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