Schwache Spiele
Alba sucht Schuld nicht nur bei sich
Gegen Bremerhaven fehlte Alba die Anspannung. Es reichte nur kapp für einen Sieg. Die Fehler suchten die Berliner bei sich selbst - aber auch bei anderen. Die Schiedsrichterbenachteiligung war etwa wieder Thema. Alba zog sich zudem aus allen BBL-Gremien zurück.
Von Sebastian Arlt
Als Julius Jenkins zu vorgerückter Stunde gemeinsam mit Ehefrau Kimberly und der kleinen Tochter Kamari Lee auf dem Arm den VIP-Raum der O2 World verließ, grinste er schon wieder fröhlich vor sich hin. Etwa 90 Minuten zuvor hatte der Kapitän von Alba Berlin auf dem Parkett eher missmutig die obligatorische Ehrenrunde gedreht. Der Basketballprofi wusste nach dem 74:73 gegen die Eisbären Bremerhaven: "Wir haben uns heute sehr schwer getan." Oder wie es Gästetrainer Douglas Spradley ausdrückte: "Alba hatte nicht seinen besten Tag erwischt."
Dass es im vorletzten Spiel der Punkterunde in der Bundesliga am Ende doch noch zu einem Sieg reichte, lag daran, dass sich die Berliner nach der Pause etwas steigerten. Es fehlte die hundertprozentige Anspannung. "Die ist noch nicht wieder da", gab Geschäftsführer Marco Baldi zu. Die Spieler hatten nach dem Final Four im Eurocup, nach den Anstrengungen in den vergangenen Wochen die Systeme etwas heruntergefahren. Göttingen nutzte das am vergangenen Sonntag, die Eisbären hätten davon auch fast profitiert.
Alba muss schnell wieder in die Spur kommen. Vor Spielbeginn hielten einige Fans ein Spruchband mit der Aufschrift "Back to Business" hoch. Zurück an die Arbeit also, oder auch: Nach der monatelangen Reise quer durch Europa mit der Eurocup-Endspielteilnahme als Höhepunkt nun volle Konzentration auf den Kampf um den Titel.
Dafür gilt es, die beste Ausgangsposition für das für Alba am 9. Mai mit einem Heimspiel beginnende Play-off zu sichern. Rang eins ist perdu. Mit einem Sieg am Sonnabend gegen Ludwigsburg (19.55 Uhr, O2 World) hätte man Platz zwei sicher. Bei einer Niederlage könnte Alba theoretisch sogar noch bis auf Rang vier zurückfallen. "Das wäre ein Jammer nach einer so guten Saison", meinte Baldi.
Publikum mit hoher Erwartungshaltung
Der Zweite hat nicht nur im Viertel-, sondern auch im Halbfinale den Vorteil, in der "Best of five"-Serie ein Heimspiel mehr zu haben. Doch gerade der Heimvorteil war ein Punkt, der am Mittwochabend nach dem Spiel auf Seiten von Alba heiß diskutiert wurde.
"Wir haben nicht wirklich einen Heimvorteil", sagte Cheftrainer Luka Pavicevic. Er meinte damit nicht primär die Tatsache, dass sein Team zumeist in der Schmeling-Halle trainiert, die O2 World fast nur zu den Spielen genutzt werden kann. Es klang wieder einmal Kritik an den Schiedsrichtern durch. Kurz zusammengefasst: Während in der aufgeheizten Atmosphäre anderer Hallen die Schiedsrichter oft beeindruckt seien und eher mal ein Foul der Heimmannschaft ignorierten, sei in Berlin eher das Gegenteil der Fall, so Pavicevic. Die Schiedsrichter würden ganz besonders ihre Unabhängigkeit beweisen wollen. "Hier ist alles sehr nett, alle fühlen sich wohl, auch die Gegner."
Das Publikum ist sicher ebenfalls ein Faktor. Trotz der großartigen Bemühungen der Alba-Fanklubs um Stimmung: In der Riesenarena kommt kaum eine Atmosphäre auf wie in Paderborn, Göttingen, auch Bonn oder Bamberg. Baldi: "Der Großteil unseres Publikum hat eine sehr hohe Erwartungshaltung, will sich erstmal überzeugen lassen."
Tatsache ist auch, dass man bei Alba schon viel, vielleicht viel zu viel Energie im Zwist mit der Liga wegen vermeintlicher Ungleichbehandlung insbesondere im Schiedsrichterbereich gelassen hat. Zuletzt wurde Baldi von der Bundesliga BBL wegen öffentlicher Kritik zu einer Geldstrafe von 2600 Euro verdonnert. Am Donnerstag wurde nun aus der Drohung Gewissheit: Als Reaktion auf den Hickhack zieht Alba alle seine Mitarbeiter aus BBL-Gremien und -Arbeitsgruppen zurück.
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