Basketball-Bundesliga
Alba verspielt die Chance auf Platz eins
Eine Woche nach der Niederlage im Europacup-Finale hat Alba auch in der Bundesliga keinen Sieg für sich verbuchen können. Gegen Göttingen schafften es die Berliner nicht, sich für das ebenfalls verlorene Hinspiel in der O2 World zu revanchieren. Am Ende brachen die Albatrosse völlig ein.
Von Sebastian Arlt
Welch ein Einbruch in der Schlussphase: Da führte das Basketballteam von Alba Berlin nach 35 Minuten mit acht Punkten Differenz bei der BG Göttingen – aber am Ende reichte es doch nicht zum Sieg. Beim 74:81 (32:36) brachen noch alle Dämme. Fassungslos schlichen Spieler und Trainer in die Kabine.
Nach der neunten Saisonniederlage in der Bundesliga ist klar, dass die Berliner Platz eins nach der Punkterunde und die beste Ausgangsposition fürs Play-off nicht mehr erreichen können. Auch wenn sie die beiden noch ausstehenden Heimpartien gegen die Eisbären Bremerhaven am Mittwoch (20 Uhr) und am Sonnabend gegen Ludwigsburg (19.55 Uhr) gewinnen sollten.
Aufgrund des besseren direkten Vergleichs gegenüber Alba ist Meister Oldenburg (siegte am Sonntag 90:88 nach zwei Verlängerungen gegen Ulm) selbst bei einer Niederlage im letzten Spiel in Bonn der Platz ganz oben nicht mehr zu nehmen. "Platz eins war immer unser Ziel", erklärte Sportdirektor Henning Harnisch, "jetzt ist es eben wichtig, den zweiten Rang zu sichern." Mit zwei Siegen würde Alba das gelingen.
Der Eurocup sei abgehakt, die volle Konzentration würde nun auf dem Kampf um den Meistertitel liegen, hatten die Alba-Profis vorher zumindest immer wieder erklärt. Alba-Coach Luka Pavicevic hatte vielleicht schon eine böse Vorahnung, als er erklärte: "Wenn eine solch lange Reise – und das war unsere Eurocup-Saison nun wirklich – so aufregend zu Ende geht, dann stellt sich danach fast zwangsläufig erst einmal eine gewisse Leere ein."
Zu Beginn machten die Berliner vor 3700 Zuschauern in der ausverkauften Lokhalle allerdings nicht den Eindruck, noch unter Eurocup-Nachwirkungen zu leiden. Schnell führten sie mit 12:7. Doch langsam schlichen sich Fehler ein, Alba lag nach zehn Minuten 15:16 zurück.
Dann war Berlin erstmals für Minuten völlig von der Rolle. Die Göttinger holten sich fast jeden Rebound, die Distanzwürfe der Berliner verfehlten ihr Ziel. Nach 18 Minuten lag Alba zweistellig zurück (26:36). Doch nach sieben Fehlversuchen saß der achte Dreier durch Rashad Wright; Julius Jenkins machte es ihm gleich nach. Beim 32:36 zur Pause war noch nichts verloren. Auch wenn die Göttinger Fans schon siegessicher ihr Team feierten.
Die BG-Anhänger mussten dann aber mit ansehen, wie Alba Mitte des dritten Viertels aufdrehte. Zwar wurden Freiwürfe nach einem Technischen Foul gegen BG-Trainer John Patrick vergeben, aber dafür wurden Blagota Sekulic, Julius Jenkins, Adam Chubb (alle jeweils 12 Punkte) und Immanuel McElroy (14) immer treffsicherer. Jenkins schraubte die Alba-Führung nach einem 17:3-Lauf auf 53:45 (30.). Acht Minuten vor Ende hieß es 60:53, fünf Minuten vor Schluss sogar 67:59.
Doch dann dieser unerklärliche 7:22-Lauf aus Berliner Sicht. "Göttingen hat schwierigste Würfe getroffen", erklärte Harnisch. Alba gelang hingegen kaum noch etwas. Wenig hilfreich war auch noch ein Technisches Foul gegen Derrick Byars wegen Meckerns, das Göttingen gleich zu vier Punkten nutzte.
Platz eins ist also für Alba nicht mehr zu erreichen. Pavicevic: "Wir wollten das schaffen, dafür haben wir seit dem ersten Spieltag gekämpft." Doch bei einem Blick auf die vergangenen fünf Jahre stellt man fest, dass das vermeintliche Plus, Heimvorteil während des gesamten Play-off zu haben, den Berlinern nur einmal auf dem Weg zur Meisterschaft wirklich half: In der Saison 2007/2008, als Alba sich im Finale 3:1 gegen Bonn durchsetzte.
Noch weitere vier Mal waren die Berliner zwar von der immer von ihnen angestrebten Spitzenposition aus in die entscheidende Phase gegangen – Meister wurden jedoch andere: zweimal Bamberg, Oldenburg und Köln.
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