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19.04.10

Eurocup-Niederlage

Nun darf Alba nur nicht in ein Loch fallen

Es war wie ein Straffahrt: Nach dem verlorenen Eurocup-Finale mussten die Basketball-Profis von Alba Berlin im Bus von Spanien nach Berlin fahren. Die Spieler waren am Ende, der Trainer aber nicht enttäuscht. Nun gilt es, sich für die Europaliga zu qualifizieren.

© dpa/DPA
Eurocup-Finale: ALBA Berlin verliert gegen Valencia
Albas Derrick Byars (l.) im Finale im Duell mit Valencias Florent Petrius

Es war eine traurige und völlig übermüdete Reisegruppe, die sich Montagvormittag um 10.45 Uhr mit dem Bus von Vitoria aus in Richtung Berlin aufmachte. Das Basketballteam von Alba Berlin, das im spanischen Baskenland am Abend zuvor im Finale um den Eurocup gegen Power Electronics Valencia mit 44:67 (22:36) untergegangen war, musste sich wegen der Aschewolke über Europa auf der Straße statt durch die Luft auf den Heimweg machen. Caja Laboral Vitoria, der spanische Erstligist, hatte Alba seinen Ersatz-Mannschaftsbus für die Heimreise zur Verfügung gestellt. Wenigstens war für genügend Beinfreiheit gesorgt…

Wie eine Strafe für die am Ende demütigende Niederlage dürfte der Tross den 26-stündigen Trip dennoch empfunden haben. "Physisch und psychisch am Ende" seien die Spieler, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi. "Am Boden und ausgelaugt", wie es Spielmacher Steffen Hamann ausdrückte.

Nach Mitternacht hatten Baldi und Cheftrainer Luka Pavicevic beim Essen im Hotel "Silken" noch jeweils eine kurze Ansprache an die Spieler gehalten. Baldi: "Wir wollten der Mannschaft klar machen, was sie geleistet hat – und dass es keinen Grund gibt, fürchterlich nachzugrübeln."

Leichter gesagt als getan. Die Situation für die Berliner ist schwierig, die Gefühle sind gemischt: Zum einen ist da der bittere Geschmack der herben Niederlage. "Wir hatten keine Chance", gab Julius Jenkins zu, eigentlich Albas Topscorer. Doch auch er war – wie einige andere im Team nach einer Verletzungspause – noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Im Halbfinale (77:70 gegen Bilbao) konnte das noch kompensiert werden, "doch dann waren wir leer" (Baldi).

Bis zum 18:23 (16. Minute) hielt Alba im Finale noch mit, dann wuchs der Rückstand über 22:36 bei Halbzeit und 31:48 bis zum 35:60 an. In der Defensive war Alba nicht konsequent genug, "die Offensive hat nicht funktioniert" (Jenkins). Champion Valencia, der zur Belohnung nun einen Platz in der Europaliga für die kommende Spielzeit sicher hat, war in allen Belangen besser.

Valencia fordert die Großen heraus

"Ich bin nicht enttäuscht", sagte Pavicevic. "Vielleicht trifft Bedauern meine Gefühlslage besser. Das Bedauern darüber, dass wir nicht topfit waren und am Limit spielen konnten." Nur so wäre gegen Valencia vielleicht etwas auszurichten gewesen. Der neue Eurocup-Gewinner liegt in der spanischen Liga auf Rang vier und hat sich in dieser Saison als ernst zu nehmender Herausforderer der Topklubs Real Madrid, FC Barcelona und Caja Laboral (vorher Tau Ceramica) Vitoria in den Vordergrund gespielt.

Andererseits hat die Berliner Mannschaft im Eurocup Großes geleistet. Noch nie war ein deutsches Team bis ins Finale des nach der Europaliga zweitwichtigsten Wettbewerbs vorgestoßen. Als "großen Schritt, der sich mittelfristig auszahlen wird", sah Baldi das Erreichte an. "Je weiter das Finale zurückliegen wird, desto mehr werden wir uns hoffentlich darüber freuen können, was wir erreicht haben", sagte Hamann. Im Moment herrscht eher Frust vor.

Mehrere Wege führen nach Europa

Mit gemischten Gefühlen dürften die Berliner allerdings auch auf das blicken, was kommt. Denn im Kerngeschäft Bundesliga beginnt die Saison jetzt erst so richtig. In den letzten drei Punktspielen geht es um die beste Ausgangsposition für das am 8. Mai beginnende Play-off. Alba ist momentan punktgleich mit Meister Oldenburg Zweiter. Das Hauptziel der Berliner ist eben die Meisterschaft, weil nur damit die Qualifikation für die Europaliga verbunden ist. Und in den europäischen Wettbewerb Nummer eins drängt es Alba mit Macht.

Von den Europaliga-Verantwortlichen wurde Berlin zwar schon mehrere Male ein fester Platz in der Beletage angeboten, weil aber sonst kein weiterer deutscher Vertreter mitspielen dürfte, wurde der Vorschlag von den anderen Klubs in der Bundesliga abgelehnt.

Vielleicht tut sich ja auch ein Hintertürchen zur Europaliga über eine Wildcard auf. "Darüber wird erst entschieden, wenn das Teilnehmerfeld für die kommende Saison feststeht", sagte Baldi. Auf alle Fälle habe man wieder einmal bei der für die Europaliga verantwortlichen Uleb "einen guten Eindruck hinterlassen". Eine weitere Möglichkeit: Sollte Valencia in Spanien Erster oder Zweiter werden, würde der Klub über das spanische Kontingent ins Europaliga-Feld rutschen. Nachrücken würde der unterlegene Eurocup-Finalist: Alba Berlin.

Zwar beteuerte Jenkins, dass "wir als Profis jetzt nach vorn blicken und alles andere hinter uns lassen", doch die Frage bleibt: Wie tief ist das Loch, in das Alba nun fällt? Pavicevic sah das Ganze pragmatisch: "Die Bundesliga und der Eurocup waren für uns immer zwei völlig verschiedene Wettbewerbe." Hamann sah es als Vorteil an, dass man sich nun "ganz auf die Bundesliga konzentrieren" könne.

Doch ob das nach den Tagen von Vitoria so einfach sein wird? "Jetzt lautet die große Aufgabe, möglichst schnell wieder Spannung aufzubauen", sagte Baldi.

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