Basketball
Jetzt träumt Alba Berlin vom Eurocup-Finale
Donnerstag, 18. März 2010 17:57 - Von Sebastian ArltUnter Aufbietung aller Kräfte hat Alba Berlin erneut Basketball-Geschichte geschrieben und als erstes deutsches Team das Viertelfinale des Eurocups erreicht. Auch wenn dafür zahlreiche Opfer gebracht werden mussten. Nun wartet Hapoel Jerusalem auf die Hauptstädter. Und diese Partie soll noch nicht das Ende sein.

Besonders schön ist es, wenn der Schmerz nachlässt. Und so lachte Basketballprofi Blagota Sekulic von Alba Berlin über seinen ausgeschlagenen Zahn. Wadenkrämpfe bei Immanuel McElroy – kein Thema. Sein Kollege Julius Jenkins hatte ebenfalls schon fast vergessen, dass er umgeknickt war.
Spielmacher Rashad Wright hatte starke Schmerzen am rechten Auge, in das sich im Eifer des Gefechts der Finger seines Gegenspielers Antonio Bueno verirrt hatte. Am Mittwoch ließen die Schmerzen nach, fest stand aber auch die bittere Erkenntnis: Ausgerechnet Wright wird den Berlinern etwas länger fehlen, denn im rechten Auge musste die Netzhaut per Laser wieder befestigt werden. Mindestens zwei Wochen wird der Amerikaner, der mit Kontaktlinsen spielt, pausieren. Aber: „Es zählt nur eins“, sagte Sekulic, „nämlich, dass wir gewonnen haben.“
Durch ein 33:20 im letzten Abschnitt drehte Alba noch ein Spiel
68:62 (20:26) bei Joventut Badalona, das Viertelfinale im Eurocup erreicht – dafür opfert man zur Not auch gern einen Zahn. Gezeichnet, aber stolz verließ der Berliner Tross Badalona, in dem Wissen, „etwas ganz Außergewöhnliches“ (Geschäftsführer Marco Baldi) geschafft zu haben. Noch nie war es bisher einem deutschen Team gelungen, unter die besten Acht im nach der Europaliga zweithöchsten europäischen Wettbewerb zu kommen. „Mann, das fühlt sich gut an“, meinte Wright grinsend.
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„Wir sind geduldig geblieben“, nannte Sekulic einen Grund für den Erfolg. Wright freute sich, dass sein Team „nie die Kontrolle verloren hat“. Auch ein Zehn-Punkte-Rückstand (22:32/23. Minute) warf die Berliner nicht aus der Bahn. Badalona, das wie Alba in den vergangenen Wochen von der Rolle war und zudem gerade einen Trainerwechsel hinter sich hatte, verkrampfte dagegen. Joventut merkte, dass sich diese Berliner nicht abschütteln ließen. „Wille und Stolz“, so Baldi, seien die Hauptmerkmale der aktuellen Alba-Mannschaft.
Einiges für das eigene Renommee getan
Alba scheint zum Schicksal für die Katalanen zu werden. In den vergangenen vier Spielen gegeneinander gab es vier Berliner Siege. Im Januar 2009 sicherte ein 79:75 in Badalona den Berlinern den Einzug ins Top 16 der Europaliga. Die Spanier blieben – wie diesmal – auf der Strecke. „Immer wieder Alba…“, lamentierte Bueno und schob noch ein paar spanische Kraftausdrücke hinterher.
Jetzt also Viertelfinale. Dass die Berliner am Ende sogar als Gruppenerster die Zwischenrunde beendeten, bringt sie jetzt in die vorteilhafte Situation, gegen Hapoel Jerusalem erst in Israel (24. März) antreten zu können und dann im Rückspiel (31. März) Heimrecht in der O2 World zu haben.
Und in den Berliner Gedankenspielen tauchte auch gleich eine mögliche Teilnahme am Final Four in Vitoria (Spanien) am 17. und 18. April auf. „Wir sind noch nicht fertig“, kündigte Sportdirektor Henning Harnisch an. Allein mit dem Sprung unter die besten Acht hat Alba einiges für das eigene Renommee, aber auch für das Standing des deutschen Basketballs insgesamt getan. Der Anspruch, in Europa dauerhaft eine gute Rolle zu spielen, wird vom Klub immer offensiv vertreten. „Wenn das dann nicht klappt, kriegen wir eben auch mal Prügel“, hat Baldi erfahren müssen. Bei den Verantwortlichen des Kontinentalverbandes Uleb ist Alba jedenfalls ein gern gesehener Gast. Allein schon, weil die Berliner mit 9719 Zuschauern den zweitbesten Besucherschnitt aller europäischen Teilnehmer aufweisen; mehr Fans kommen nur zum Europaligisten Tel Aviv (11.000).
Albas Bemühungen wurden in den vergangenen beiden Jahren ausgezeichnet. Erst gab es den „Marketing-Award“ der Uleb, dann wurde Marco Baldi zum „Manager des Jahres“ gekürt. Aber am wichtigsten sind eben doch sportliche Großtaten.
Erschienen am 10.03.2010


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