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"Der Kleine"

Basketballer Mihat Demirel beendet seine Karriere

Er war der Mann, der Alba rettete, damals im Finale um den deutschen Basketball-Pokal 2003: Mithat Demirel. In Berlin ist er als Sohn türkischer Eltern groß geworden, jetzt beendet der mit 1,80 Meter Körpergröße eher kleine Basketballer seine Karriere.

Mithat Demirel (31) hat entschieden, seine Karriere zu beenden
Foto: picture-alliance/ZB
Mithat Demirel (31) hat entschieden, seine Karriere zu beenden

Eine Szene aus der Karriere von Mithat Demirel wird den Fans von Alba Berlin wohl ewig in Erinnerung bleiben. Nur noch 4,6 Sekunden waren in der ausverkauften Schmeling-Halle zu spielen im Finale um den deutschen Basketball-Pokal 2003. Unentschieden, eine Verlängerung drohte. Die Konkurrenz aus Köln war auch schon darauf eingestellt, nur einer hatte etwas dagegen: der mit seinen 180 Zentimetern Körperlänge für einen Basketballprofi eher klein gewachsene Demirel. Auf flinken Beinen ließ er mit einer Körpertäuschung zunächst einen Kontrahenten einfach stehen und setzte sich dann unter deren Korb gegen drei viel größere und stärkere Kölner durch. Korbleger mit links, ohne Brett, 82:80, Schluss-Signal, Sieg.

Das waren Zeiten – „die schönsten“, wie der 31-Jährige sagt, „ich bin glücklich über die Zeit als Basketballspieler, ich habe sehr viel Schönes erlebt.“ Die Fans wählten ihn 2003 zum Spieler des Jahres, die Bundesliga machte ihn sogar zum Helden einer Werbeaktion. Slogan: „Wer ihn mithat, ist gefährlich“. Die Gefahr ist vorbei, und es wird auch nichts Schönes hinzukommen. Mithat Demirel hat entschieden, seine Karriere zu beenden.

Angebote von etlichen Vereinen abgelehnt

Seit er im April 2008, damals im Trikot der Baskets Bamberg, den Finger eines Gegenspielers ins rechte Auge bekam, ist seine Sehkraft eingeschränkt. Dazu quälen ihn häufig schlimme Kopfschmerzen. So kann man nicht Basketball spielen, auch wenn er es versucht hat, sogar noch eine komplette Saison in der ersten türkischen Liga spielte. Zuletzt trainierte Demirel bei Albas zweiter Mannschaft mit, um fit zu bleiben. Er hatte Angebote von etlichen Vereinen. Doch nun hat er beschlossen, sich in München bei dem Augenspezialisten Professor Anselm Kampik operieren zu lassen. Die Gesundheit geht vor.

In Berlin ist er als Sohn türkischer Eltern groß geworden, auch als Sportler, hat mit Alba fünf Deutsche Meisterschaften gewonnen und vier Pokalsiege gefeiert. Als 100-maliger deutscher Nationalspieler nahm Demirel mit, was seine Generation um Dirk Nowitzki, Patrick Femerling und Ademola Okulaja so eingeheimst hat: WM-Bronze 2002, EM-Silber 2005. Die Jahre im Nationalteam hat er in bester Erinnerung: „Wir waren Freunde, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen angetrieben haben.“

Eine Verletzung stoppt den "Kleinen"

Nur bei den Olympischen Spielen in Peking konnte er nicht dabei sein. Wieder mal stoppte eine Verletzung den Mann mit dem großen Kämpferherzen. Aber über Enttäuschungen will er nicht viel reden. Dann lieber über den Pokalsieg damals. „Das sind so Momente, wofür sich die ganze Arbeit gelohnt hat.“ Bestimmt seien er und seine Mitspieler nicht unbedingt die Talentiertesten gewesen. „Aber wir haben alles gegeben, unseren Körpern alles abverlangt.“ Mit der Konsequenz, dass diese irgendwann mal streikten – nicht nur bei ihm.

Ein Glück, dass Demirel immer schön auf dem Boden geblieben ist, sein Geld zusammengehalten hat. Jetzt erfüllt er sich manche kleinen Wünsche, die das Leben als Profi nicht zuließen: sich mit der Familie treffen, mal Ski fahren. Neulich hat er den alten Schlitten aus dem Keller geholt und ist auf dem Teufelsberg rodeln gegangen. Aber auch größere Wünsche: Einen schnittigen Sportwagen fährt Demirel, und er hat sich eine schöne Dachgeschosswohnung gekauft.

Wie es nach der Operation weitergeht, weiß er noch nicht. Trainer werden? „Nichts für mich!“ Berater? „Auch nicht.“ Also mal abwarten. Und bei Gelegenheit vielleicht auf die Alba-Homepage gehen, unter Videos die Classics anschauen. Eines davon zeigt die entscheidenden Sekunden des Pokal-Finales gegen Köln. Löschen verboten!



Erschienen am 07.03.2010

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