Basketball
Alba sucht nach Ersatz für Golemac
Donnerstag, 25. Februar 2010 08:53 - Von Theo BreidingAlba-Spieler Jurica Golemac fällt mit einem Fingerbruch für unbestimmte Zeit aus. Der Verein steht damit vor einem Problem. Wie soll er den slowenischen Nationalspieler ersetzen? Die europäische Transferliste ist seit Montag geschlossen, auch nationale Nachverpflichtungen sind ausgeschlossen.

Stehende Ovationen von 14.500 Fans, ein Kantersieg im Klassiker gegen Bonn – all das ist noch keine Woche her, die Erinnerungen daran sind aber längst in weiter Ferne. Denn was für die Basketballer von Alba Berlin danach kam, war eher in Alptraum-Nähe.
Am Montag machten sie sich wegen des Lufthansa-Streiks schon um 4.30 Uhr auf den Weg nach Saloniki. Dort verloren sie am Tag darauf bei Aris klar mit 67:80 und müssen jetzt um den Einzug ins Viertelfinale des Eurocups bangen. Am Mittwoch fuhr das Team wegen des Generalstreiks in Griechenland erst mit dem Bus 250 Kilometer ins mazedonische Skopje, um von dort über Wien zurück nach Berlin zu fliegen. Als wäre das alles noch nicht genug, brach sich Jurica Golemac in Griechenland den Mittelhandknochen des linken Ringfingers und fällt für unbestimmte Zeit aus. Über die Behandlung des slowenischen Nationalspielers wird erst am Donnerstag entschieden, eine Operation ist wahrscheinlich.
„Das alles fühlt sich nicht gut an“, gesteht Marco Baldi. „Wir haben viel investiert, und es ist nichts dabei herumgekommen. Das Spiel und dann auch Jurica für längere Zeit verloren zu haben, tut weh.“
Wobei sich Albas Geschäftsführer mit der sportlichen Niederlage noch eher anfreunden kann: „Saloniki war mit seinem großartigen Publikum im Rücken am Ende einfach besser. Die Mannschaft hat, als es darauf ankam, keine Fehler mehr gemacht und unglaubliche Würfe getroffen. Wir konnten nur 80 Prozent der Zeit diesem enormen Druck standhalten.“
Mit einem Hochkaräter die Lücke zu schließen, die Jurica Golemac wochenlang hinterlassen wird – dieser Weg steht Alba nicht mehr offen. Die Transfer-Liste in Europa ist seit Montag geschlossen, und in der Bundesliga hat der Klub das Kontingent von vier Nachverpflichtungen mit Derrick Byars, Jurica Golemac, Lucca Staiger und zuletzt Cemal Nalga bereits ausgeschöpft. Alba hat zwei Möglichkeiten, den Ausfall von Golemac zu kompensieren. Die erste: Adam Chubb, vor genau fünf Wochen wegen eines Blutergusses im Oberschenkel operiert, kehrt früher als geplant in den Kader zurück. „Medizinisch gibt es da keine Bedenken“, attestiert Mannschaftsarzt Dr. Gerd-Ullrich Schmidt. „Er ist schmerzfrei und die Wunde gut verheilt. Allerdings hat Adam noch erhebliche konditionelle Rückstände.“
Zudem ist Chubb wie Nalga und auch Blagota Sekulic ein Center. Käme Chubb zurück, müsste einer der drei Dragan Dojcin auf der kleineren Position des Power Forward entlasten. Albas zweite Alternative: Einer der kleineren Flügel, Derrick Byars, Immanuel McElroy oder Philip Zwiener springen ein. „Der Gedanke, von unserem Plan abzuweichen, Adam wieder richtig aufzubauen, gefällt mir nicht. Er hat gerade erst vor ein paar Tagen wieder mit dem Basketball-Training angefangen“, sagt Coach Luka Pavicevic. „Wir haben jetzt auf den großen Positionen ein schwerwiegendes Problem, aber ich denke, wir werden es mit den Spielern zu lösen versuchen, die voll im Training sind.“
Zumal Pavicevic so gut wie keine Zeit bleibt. „Das Programm, das vor uns liegt, ist in dieser Situation unser eigentliches Problem“, erklärt Baldi. „Wir spielen Sonnabend beim MBC, nächsten Mittwoch unser erstes Endspiel im Eurocup gegen Le Mans, am Sonnabend kommt Bamberg und drei Tage darauf geht es in Badalona um Alles oder Nichts. Angesichts dieses Spielplans sehe ich auch nicht, dass Adam Chubb in den nächsten beiden Eurocup-Spielen noch zu einem Faktor werden könnte.“
Zwei große Spieler verletzt, eine Termin-Hatz, die Substanz kostet – im Nachhinein wird die 61:65-Heimniederlage gegen das damals noch sieglose Team aus Saloniki, als Alba mit einem Sieg in der Gruppe I schon für eine Vorentscheidung hätte sorgen können, immer bitterer. „Noch gibt es keinen Grund, Tränen zu vergießen“, hält Baldi dagegen. „Von Platz 1 bis zum Ausscheiden ist für uns in Europa noch alles drin. Große Mannschaften müssen sich durch Situationen wie diese hindurchkämpfen. Wir sind entschlossen, die Herausforderung anzunehmen.“
Erschienen am 24.02.2010


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