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28.01.10

Alba Berlin

Lucca Staiger begnügt sich mit der Warteschleife

Albas neuer Spieler, der 21-jährige Nationalspieler Lucca Staiger, ist in Berlin angekommen. Seine Entscheidung, mitten in der Saison zu Alba zu wechseln, hält er für richtig – selbst wenn er zunächst viel auf der Bank sitzen sollte.

© picture-alliance/dpa
Lucca Staiger spielt jetzt für Alba
Lucca Staiger wechselte mitten in der Saison zu Alba Berlin. Bei seinem College-Team in Iowa State habe er es nicht mehr ausgehalten. Er sei sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben

Jetzt ist er endlich da – und keiner ist zu Hause. Lucca Staiger (21), der vor gut einer Woche überraschend sein College-Engagement bei Iowa State abbrach und nur einige Tage später für zweieinhalb Jahre bei Alba unterschrieb, ist seit Mittwochabend in Berlin. Sein neues Team allerdings reiste nach dem 68:63 im Eurocup bei Le Mans am Dienstag gleich weiter zum Spitzenspiel nach Oldenburg. Lucca also noch allein zuhaus – Albas neuer Guard wird sich am Freitag das Spiel beim Meister wie viele andere im TV (19.10 Uhr, DSF live) ansehen.

"Ich habe bereits in den USA einige Alba-Spiele im Internet gesehen", sagt Staiger. "Die haben mir gut gefallen. Nicht nur, weil Alba fast immer gewonnen hat, sondern weil ich den Stil gut finde, der hier gespielt wird. Man sieht, da steht eine geschlossene Mannschaft auf dem Parkett."

Dass Staiger am Freitag das Spitzenspiel bei den Baskets nicht mehr in den Iowa im Internet, sondern in seiner noch am Mittwoch bezogenen Zwei-Zimmer-Wohnung in Prenzlauer Berg vor dem Fernseher verfolgt, ist eine längere Geschichte. "Ich habe mich am Ende nur noch gequält", gesteht der 1,95 Meter große Dreier-Spezialist. "Ich stand ja schon im Sommer kurz davor, zu Alba zu wechseln, bin dann aber doch zurück an die Uni. Wir hatten in der Saison zuvor nicht sehr viele Spiele gewonnen und ich war mir sicher, dass ich dem Team mehr helfen könnte, wenn ich mehr Freiheiten bekäme. Der Coach hatte mir versprochen, dass sich meine Rolle ändern würde, aber keines seiner Versprechen gehalten."

Einfach mitten in der Saison die Tasche zu packen und zurück nach Deutschland zu fliegen, weil er "nicht immer nur an der Dreier-Linie herumstehen" wollte, kam in Iowa nicht besonders gut an, denn trotz aller Differenzen mit dem Coach war er einer der Leistungsträger seines Teams. Der Vorwurf der Fans, er sei ein Verräter und habe sein Team im Stich gelassen, beschäftigt ihn. "Es tut mir den Fans und auch dem Team gegenüber leid, ich kann verstehen, dass sie sauer sind. Aber es war keine Entscheidung von heute auf morgen. Ich habe es die letzten Monate einfach nicht mehr ausgehalten und musste einen Schlussstrich ziehen."

Keine Kurzschlusshandlung also. Er habe sich oft vor allem mit seinen Eltern besprochen. Und sich, als er dann den Entschluss gefasst hatte, Iowa State zu verlassen, bei Alba gemeldet, dass er schon vor dem Ende der College-Saison zur Verfügung stehe. Der Vertragsabschluss war dann fast nur noch Formsache.

"Ich weiß, dass ich in dieser Saison kaum spielen werde, es sei denn, jemand verletzt sich." Er werde die Zeit nutzen, um die Mannschaft und die Systeme, die sie spielt, kennen zu lernen. "Ich habe ja keinen Verein gesucht, bei dem ich die Saison noch zu Ende spielen kann, sondern für zweieinhalb Jahre hier in Berlin unterschrieben. Nächste Saison werde ich meine Spielanteile schon bekommen."

Staiger unterschrieb in dem Wissen, dass er bei anderen Klubs mehr Spielzeit bekommen würde als bei Alba, wo Spieler wie Julius Jenkins und Immanuel McElroy auf seiner Position zu den Besten der Liga gehören. "Natürlich will ich viel spielen, aber Spielzeit allein ist nicht alles. Von kleineren Klubs hört man ja auch, dass da nicht gut oder nicht hart genug trainiert wird. Das gibt es bei einem Spitzenklub wie Alba nicht, und das ist mir mindestens genau so wichtig."

Wenn Staiger am Sonntag erstmals mit Alba trainiert, kennt er die meisten seiner neuen Kollegen nur aus dem Fernsehen. "Ich habe als 14-Jähriger einmal gegen Jenkins gespielt, als der noch für Nürnberg in der zweiten Liga auflief. Da hat er mir an der Mittellinie den Ball geklaut, ich bin gestolpert und musste Julius im Liegen beim Dunking zusehen", schmunzelt Lucca. Persönlich kennt er nur Steffen Hamann. "Wir haben ja letztes Jahr zusammen mit dem Nationalteam die EM in Polen gespielt. Mit Steffen habe ich vor meinem Wechsel zu Alba auch mehrmals telefoniert. Ich bin mir sicher, dass ich eine gute Entscheidung getroffen habe."

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