Basketball
Julius Jenkins ist Albas "Lebensversicherung"
Alba-Trainer Luka Pavicevic war zunächst skeptisch, ob Julius Jenkins mit seinen 1,87 Meter nicht ein wenig klein für seine Position ist. Inzwischen machte er ihn zum Kapitän. Der Amerikaner ist der uneingeschränkte "Go-to-guy", der Mann für die entscheidenden Würfe beim Berliner Bundesligisten.
Von Dietmar Wenck
Irgendwann reichte es Dewarick Spencer. 30 Sekunden vor dem Ende der Partie gegen Alba Berlin griff der beste Mann im Team von Le Mans Sarthe nach diesem Schatten, der ihn die ganze Zeit übers Feld gehetzt hatte. Ein paar Sekunden später tat er es gleich noch einmal. Es waren sein viertes und sein fünftes Foul im Spiel. Im Basketball bedeutet das: Spencer musste von da an zuschauen. Und so sah er, wie Julius Jenkins, der Schatten, die Freiwürfe verwandelte. Alba gewann das erste Spiel der Zwischenrunde um den Eurocup mit 68:63 (33:26).
Es war eine weitere imponierende Vorstellung des Bundesliga-Tabellenführers beim Spitzenreiter der ersten französischen Liga. Die Berliner feierten im siebenten Spiel dieses zweithöchsten Wettbewerbs auf dem Kontinent ihren sechsten Sieg. "Natürlich macht das Spaß", sagte Jenkins, auch in Erinnerung an die vergangene Saison. Da war Alba eine Klasse höher in der Europaliga am Start, gewann von 16 Spielen aber nur vier. Trotzdem bleibt der 28-jährige Amerikaner brav auf Vereins-Linie, wenn er beharrt: "Ich würde lieber Euroleague spielen." Dort sind nicht nur sehr gute Konkurrenten dabei wie im Eurocup. Sondern die besten.
Jenkins ist ein guter Vorlagengeber
Dass Jenkins sich vor denen nicht fürchten muss, dafür ist das Spiel in Le Mans ein guter Beleg. Zum einen wegen der 27 Punkte, die er erzielte. Besagter Dewarick Spencer war außerdem nicht irgendein Gegner. Mit durchschnittlich 22,3 Punkten pro Spiel war er bis Dienstag Topscorer des gesamten Wettbewerbs. Gegen den Alba-Kapitän reichte es nur zu fünf Zählern. "Ich habe nur versucht, ihm das Leben schwer zu machen", sagte Jenkins zurückhaltend.
"Es war sensationell, was Julius abgeliefert hat", stellte sein Mitspieler Steffen Hamann klar. Manager Marco Baldi lobte: "Bei seinen Offensivqualitäten wird oft übersehen, was für ein guter, klebriger Verteidiger Julius ist. Das ist bei ihm Teil des ganzen Pakets." Dazu zählen weiter: Jenkins ist ein guter Vorlagengeber, und für seine relativ geringe Größe von 1,87 Meter holt der Mann aus Florida auch viele Rebounds.
Jenkins ist mit seinen Leistungen, seiner Vielseitigkeit und aufgrund seiner introvertierten Art schon jetzt ein wenig vergleichbar mit Vereins-Legenden wie Wendell Alexis oder Henrik Rödl. Der stille Star im Team wirkt schmächtig und mit seinen großen Kulleraugen fast verträumt. Als Trainer Luka Pavicevic 2007 nach Berlin kam, war er zunächst skeptisch, ob der Amerikaner nicht ein wenig klein sei für seine Position. Inzwischen machte er ihn zum Kapitän; Jenkins ist der uneingeschränkte "Go-to-guy", der Mann für die entscheidenden Würfe. Und Pavicevic gibt ihm fast alle Freiheiten. Vielleicht, weil er weiß: Jenkins nimmt sie sich nicht für sich. Nur das Team zählt.
Vertrag des Aufbauspielers läuft bis 2011
Der Vertrag des Aufbauspielers läuft bis 2011; dann wird er fünf Jahre in Berlin sein. Anders als die meisten seiner Landsleute im europäischen Basketball ist Jenkins kein Wandervogel: Er sucht nicht immer nach einem besseren Ort. "Ich mag die Herausforderung bei Alba, immer gewinnen zu müssen", sagt er, "und Berlin ist keine schlechte Stadt. Ich fühle mich wohl." 2851 Punkte hat der Familienvater mittlerweile für seinen Verein erzielt, das bedeutet schon jetzt einen festen Platz in der Alba-Historie und Rang sechs in der ewigen Rangliste. Was er sich vor allem wünscht, sind Titel. Einmal Deutscher Meister, einmal Pokalsieger – das ist zu wenig für einen Spieler seiner Kategorie. "Mir fehlen ein paar Titel, um mich mit anderen großen Spielern vergleichen zu können."
Vielleicht klappt's ja mit dem Eurocup. "Wir sollten Schritt für Schritt denken", antwortet Julius Jenkins, "aber ich denke immer: Alles ist möglich." Das hört sich dann plötzlich gar nicht mehr so bescheiden an. "Täusch dich mal nicht, der ist schon tough", warnt Hamann. Ein gewisser Dewarick Spencer aus Le Mans kann das bestätigen.
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