Basketball
Überragender Byars führt Alba an Tabellenspitze
Nach dem Heimsieg gegen Gießen hat Alba die Tabellenführung in der Bundesliga zurückerobert. Damit lösten die Berliner die Telekom Baskets Bonn nach nur einem Tag wieder ab. Doch die 46ers machten es den Albatrossen nicht leicht zu punkten. Alba-Spieler des Tages war unbestritten Derrick Byars.
Von Sebastian Arlt
Der "Spieler des Tages" wollte kein großes Aufhebens machen. "Das bedeutet mir nicht viel, ich freue mich einfach über einen weiteren Sieg." Dabei hatte Basketballprofi Derrick Byars einen nicht unerheblichen Anteil am 80:55 (31:25)-Erfolg von Alba Berlin gegen die Gießen 46ers gehabt, der den Berlinern die Tabellenführung in der Bundesliga einbrachte. Schließlich gelangen dem US-Amerikaner als bestem Werfer 21 Punkte, er schnappte sich fünf Rebounds und gab zwei Korbvorlagen.
"Das überrascht mich nicht", sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, "ich weiß, dass er es draufhat." Und deshalb hatte der Klub den 25-Jährigen auch vor gut zwei Monaten verpflichtet, nachdem sich Flügelspieler Lee Cummard als Flop erwiesen hatte.
Aber es war für den Flügelspieler bisher ein beschwerlicher Weg. Denn als einer, der im Herbst 2009 erst als Letzter bei den Chicago Bulls aus dem Kader geflogen war, also ganz knapp ein NBA-Engagement verpasst hatte, hatte er sich doch "mehr Spielzeit erwartet" bei seinem neuen Arbeitgeber, wie er ehrlich zugibt. Bisher waren es knapp 17 Minuten gewesen, in denen er 6,4 Punkte erzielt hatte.
Ob nun sein Auftritt mit 21 Punkten – darunter vier Dreier – in insgesamt gut 23 Minuten Spielzeit der Durchbruch seien, wurde er gestern gefragt. "Ich hoffe es", meinte er nur kurz, um dann gleich auf das Team und das Spiel gegen Gießen zu sprechen zu kommen.
Eine Partie, in der sich die Berliner vor 9588 Zuschauern in der O* World sehr lange sehr schwer taten. Es lag ihnen überhaupt nicht, wie die gegen den Abstieg kämpfenden Gießener das Tempo aus dem Spiel nahmen. In der Defensive waren die Berliner fast durchgehend einigermaßen im Bilde, aber drei Viertel lang ging vor allem in der Offensive einiges daneben. Gerade die Center Adam Chubb und Blagota Sekulic scheiterten oft bei leicht scheinenden Korblegern.
"Es hat das allerletzte Quäntchen Konzentration gefehlt", meinte Baldi. "Aber das letzte Viertel hat dann doch etwas entschädigt." Dieser Abschnitt begann mit einem Dreier von Byars – die zehn Minuten bis zum Ende gewann Alba 32:13. "Wichtig war, dass wir noch den richtigen Weg gefunden haben", meinte Albas Cheftrainer Luka Pavicevic, der in seinem 150. Spiel für Berlin an der Seitenlinie lange wenig begeistert war.
Sein Kollege aus Gießen, der ehemalige Alba-Spieler Vladimir Bogojevic, sprach von einem "fast ungerechten Ergebnis". Denn 34 Minuten lang habe er gedacht, "der Plan geht auf". Doch dann seien bei seinem Team "fast alle Dämme gebrochen" und die größere Qualität des "haushohen Favoriten" habe sich durchgesetzt.
Und eine Qualität der Berliner ist es eben auch, eine sehr tiefe Bank zu haben. Da kann man es sich eben leisten, dass einer wie Byars nicht in der Startformation steht. Er wird weiter an sich arbeiten müssen. "Der Anfang in Berlin war schon ganz schön problematisch", erzählt er. Vieles war neu für ihn. Der Spielstil zum Beispiel, hier wird das Tempo viel mehr variiert als er es von den Staaten gewohnt war. Und einen so detailversessenen Coach wie Pavicevic dürfte er auch noch nicht gehabt haben.
"Ich muss Geduld haben", hat Byars erkannt. Baldi wünscht sich jetzt von ihm "Beständigkeit auf diesem hohen Niveau". Pavicevic gibt zu: "Ja, unsere Spielweise ist anspruchsvoll und stellt hohe Anforderungen an die einzelnen Spieler." Der eine benötige länger, der andere kürzer, um alles zu verinnerlichen. Derrick Byars ist noch lange nicht am Ende des Weges. Doch zumindest eine wichtige Etappe hat er gestern geschafft.
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