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90:64 gegen Hagen

Alba Berlin setzt seine Aufholjagd fort

Gegen Phoenix Hagen hatte Alba Berlin leichtes Spiel. Die Berliner siegten in der O2 World ungefährdet mit 90:64 (45:30). Rashad Wright war dabei Berlins bester Werfer. Nach dem dritten Sieg in Folge liegt Alba nun mit 14 Punkten nur noch drei Zähler hinter Spitzenreiter Artland Dragons.

Rashad Wright
Foto: picture-alliance
Rashad Wright war gegen Hagen mit 19 Punkten bester Werfer

Die wenigen Hagener Fans unter den offiziell 8551 Zuschauern in der O2 World ertrugen das einseitige Spiel mit Fassung. Als Rashad Wright an die Freiwurflinie trat, sangen sie: „Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön“ nach der Melodie von „Ihr könnt nach Hause fahr'n“ – einem gängigeren Refrain unter so genannten Schlachtenbummlern.

Dieser Text wiederum hätte nicht gepasst, denn einerseits war Phoenix Hagen ja zu Gast in der Hauptstadt und hatte selbst die Heimreise vor sich. Außerdem führte tief in der zweiten Halbzeit des Spiels der Basketball-Bundesliga Gastgeber Alba Berlin haushoch, so dass auch Hohn nicht angebracht war. Also bemühten sich die lustigen Westfalen, Berlins Spielmacher, der seine Löckchen gern zu einem Zopf bindet, ein bisschen zu irritieren. Sie blieben damit genauso erfolglos wie alle Versuche ihrer Mannschaft, den Favoriten zu ärgern. Wright, am Sonntag mit 19 Punkten bester Werfer, verwandelte, Berlin gewann am Ende 90:64 (45:30). Hagens Trainer Ingo Freyer, ein ehemaliger Alba-Spieler, bekannte: „Wir hatten überhaupt keine Chance.“

Die Berliner konnten sich gegen den Aufsteiger warm spielen für schwierigere Aufgaben, die sicher noch kommen werden. Und ihrem Publikum einiges an Unterhaltung bieten. Wahre Vorlagen-Gewitter, Zuspiele hinter dem Rücken und als Höhepunkt eine Szene in der ersten Halbzeit: Julius Jenkins passte den Ball mit ungewöhnlicher Schärfe unter den Hagener Korb auf Steffen Hamann, der ließ ihn nur abtropfen auf Adam Chubb, und der verwandelte zur Gaudi der Zuschauer. Sportliche Spannung wurde nicht geboten, aber ein kurzweiliges Basketballspielchen allemal.

So war auch Alba-Trainer Luka Pavicevic zufrieden. „Wir haben das bessere Team als Hagen, und es ist unsere Aufgabe, das auch auf dem Feld zu zeigen. Das ist uns über 40 Minuten gelungen.“ Jedenfalls mit wenigen Ausnahmen, wenn mal für einige Momente die Konzentration nachließ. „Es ist nicht immer leicht, fokussiert zu bleiben, wenn du schon in der ersten Halbzeit mit über 20 Punkten führst“, sagte Nationalspieler Hamann, „aber wir sind gut aus diesen Phasen herausgekommen.“ Was häufig gerade an ihm lag: Hamann war mit seinen sieben Rebounds, sechs Korbvorlagen und drei Ballgewinnen so etwas wie die treibende Kraft in seiner Mannschaft.

Am Mittwoch gegen Düsseldorf

„Steffen hat heute wieder extreme Spielfreude gezeigt“, lobte Sportdirektor Henning Harnisch, „er steht für mich exemplarisch dafür, dass wir auf einem guten Weg sind.“ Nach dem wenig überzeugenden Saisonstart mit Niederlagen in Le Mans, bei Maroussi Athen, in Tübingen und Bonn kommt die Mannschaft immer besser in Schwung. In der Defensive trat sie von Beginn an überzeugend auf (in noch keinem der zwölf Spiele kassierte Alba mehr als 79 Punkte); nun findet sie auch im Angriff allmählich ihren Rhythmus.

Bei seinem Heim-Debüt in der O2 World konnte sogar der erst vor kurzem verpflichtete Derrick Byars schon zweistellig punkten. Nach Wright, Jenkins (14), Chubb (12) und Blagota Sekulic (11) war er mit zehn Zählern bester Alba-Werfer. Auch zwei Dreipunktewürfe von ihm landeten im Hagener Korb, vier Rebounds landeten in seinen Händen. Berlin gefalle ihm „schon ganz toll“, sagte der athletische Flügelspieler brav. Wenn die ersten Eindrücke nicht täuschen, werden die Berliner Zuschauer den Amerikaner vielleicht auch bald toll finden.

Am Mittwoch besteht für den achtmaligen Meister die Möglichkeit, gegen die Giants Düsseldorf (20 Uhr) einen großen Schritt Richtung Bundesligaspitze zu machen. Noch hat Alba als Achter drei Punkte Rückstand auf Tabellenführer Artland Dragons, aber auch zwei Spiele weniger. Ein weiterer Sieg würde schon Rang drei bedeuten. Bei einer ähnlich konzentrierten Berliner Vorstellung wie gestern werden es auch die Düsseldorfer schwer haben. Da können ihre Fans singen, so viel sie wollen.



Erschienen am 15.11.2009

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