19.02.13

Basketball

Warum sich Center Ali Traoré für Alba entschied

Eigentlich übersteigt seine Verpflichtung die finanziellen Möglichkeiten der Berliner. Nur aufgrund vieler Verletzungen kamen sie zum Zug.

Foto: picture-alliance / DPPI

Treffsicherer Neuzugang: In der vergangenen Saison legte Traoré für Lokomotiv Kuban Krasnodar in der Liga im Schnitt 15,3 Punkten auf
Treffsicherer Neuzugang: In der vergangenen Saison legte Traoré für Lokomotiv Kuban Krasnodar in der Liga im Schnitt 15,3 Punkten auf

Hätte er bei der nationalen Konkurrenz in Quakenbrück einmal aus dem Fenster geschaut oder in Ulm eine Straße überquert, wäre die Nachricht wie ein Lauffeuer durch den Ort gerauscht: Ein neuer Basketballspieler ist in der Stadt.

In Berlin aber konnte Ali Traoré trotz seiner stattlichen Körpergröße von 2,08 m über Tage hinweg unerkannt durch die Stadt gehen, den Medizinscheck absolvieren und letzte vertragliche Dinge regeln, bis es dann gestern endlich offiziell war: Der französische Nationalspieler spielt ab sofort für Alba Berlin. Er unterschrieb bis zum Ende der Saison und ist sowohl für die verbleibenden sieben Partien in der Europaliga als auch für die Bundesliga spielberechtigt.

Traoré nach langer Verletzungspause sehr motiviert

Die Verpflichtung des Centers könnte sich als beachtlicher Coup herausstellen, denn dessen Bezüge liegen, wie Coach Sasa Obradovic zugibt, "normalerweise außerhalb unserer Möglichkeiten". Alba kam nur zum Zuge, weil sich Traoré bei den Olympischen Spielen in London am Knie verletzte und die Blessur sich dann als hartnäckiger als erhofft herausstellte.

"Ich habe nach meiner Verletzung lang und hart gearbeitet, um wieder spielen zu können und freue mich sehr, dass ich jetzt bei Alba die Chance dazu bekomme", gibt sich das Kraftpaket optimistisch, dass die Leidenszeit hinter ihm liegt. "Ich bin sehr hungrig darauf, endlich wieder Basketball zu spielen." Den Klub und die Kollegen habe er in den letzten Tagen schon etwas kennengelernt: "Mir gefällt die Art und Weise, wie hier gearbeitet wird."

15,3 Punkten und 7,1 Rebounds in der vergangenen Saison

Sollten sich die Hoffnungen des Spielers und derer, die ihn verpflichtet haben, erfüllen und Traoré zu alter Stärke zurückfinden, dürfte er das Berliner Spiel direkt unter den Körben weit mehr als nur ergänzen. Er war vor seiner Verletzung bei Lokomotiv Kuban Krasnodar unter Vertrag, schlug mit den Eisenbahnern in der vergangenen Saison im Eurocup auch Alba mit 84:70 und 73:70.

Im Ranking der Liga beendete er die Saison 2011/2012 mit einem Schnitt von 15,3 Punkten und 7,1 Rebounds jeweils auf Rang drei. Im Jahr zuvor stand er wie auch Nihad Djedovic in Italien beim Spitzenklub Lottomatica Rom unter Vertrag.

Neuzugang kann laut Coach Obradovic Schlüsselspieler werden

"Ich bin sehr froh, jetzt solch einen renommierten Spieler im Team zu haben. Er ist sehr vielseitig und athletisch und kann ein Schlüsselspieler für uns unter dem Korb werden", glaubt Obradovic. "Aber man darf nicht schon am Anfange zu viel von ihm erwarten."

Traoré ist für seine Größe extrem beweglich, sehr robust und kann springen. Und er bringt die gegnerischen Assistencoaches zum Staunen. Wie Albas Mauricio Parra, als der sich auf die Duelle mit Kuban vorbereitete. "Ich habe erst Ende der ersten Halbzeit gemerkt, dass Traoré Rechtshänder ist. Vorher hatte er unter dem Korb alles mit links gemacht", erzählte Parra damals verblüfft. Groß, beweglich – und beidhändig ist er also auch noch.

Top-Spiel gegen Bayern München als Fernziel

Am 10. Dezember wurde Traorés Vertrag bei Lokomotiv Kuban wegen seiner anhaltenden Beschwerden an der Patellasehne aufgelöst. Ende Dezember gab der Center bei Roter Stern Belgrad ein Kurzgastspiel. Dort wurde ihm zwar wie nun in Berlin attestiert, dass die Verletzung völlig ausgeheilt sei, er aber wohl noch rund vier Wochen brauchen würde, um wieder zu alter Form finden zu können.

Eine Prognose, mit der man bei Alba anders als in Belgrad sicherlich gut leben kann. Erst in knapp fünf Wochen, am 23. März wartet Bayern München im Pokal-Halbfinale, das Play-off in der Bundesliga beginnt erst Anfang Mai. "Uns stehen entscheidende Wochen und Monate bevor und daher war es mir wichtig, noch einmal frischen Wind und Verstärkung in das Team zu bringen", sagt Obradovic. "Wir werden ihm Zeit und Geduld zur Integration in das Team geben." Man wolle mit ihm nichts überstürzen, sagt Sportdirektor Mithat Demirel, dennoch soll er so schnell wie möglich Spielpraxis bekommen."

Freitag reist Alba zu Real Madrid

Das dürfte Traoré viel lieber hören und einen Mangel an Gelegenheiten gibt es auch nicht. Freitag spielt Alba bei Real Madrid, reist von dort direkt zur Partie am Sonntag in Bonn.

Eine Woche später wartet mit den Reisen zu ZSKA Moskau (Freitag) und nach Frankfurt (Sonntag) ein ähnlich anspruchsvolles Programm.

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