24.01.13

Basketball

Wie Alba-Trainer Sasa Obradovic mit Niederlagen umgeht

Alba trifft in der Europaliga auf Bamberg. Trainer Obradovic spricht mit der Morgenpost über den Gegner, junge Spieler und Ruhm von gestern.

Von Sebastian Arlt
Foto: pa/ZB

Engagiert: Albas Trainer Sasa Obradovic ist voll bei der Sache
Engagiert: Albas Trainer Sasa Obradovic ist voll bei der Sache

Sasa Obradovic ist Trainer des Basketballklubs Alba Berlin. Als Spieler wurde er einst mit Jugoslawien Welt- und Europameister, mit Alba Berlin holte er den Korac-Cup (1995) und 1997 die erste Deutsche Meisterschaft. Vor dem Europaligaspiel gegen die Brose Baskets Bamberg in der O2 World am Donnerstag sprach die Morgenpost mit ihm.

Berliner Morgenpost: Herr Obradovic, nach vier Niederlagen in der Europaliga muss doch gegen Bamberg jetzt endlich ein Sieg her.

Sasa Obradovic: Ein Satz wie "Wir müssen gewinnen" kommt mir nicht über die Lippen...

Sondern?

Ich sage lieber: Wir müssen gut spielen. Bamberg hat eine sehr gute Mannschaft, hat Leute wie Bostjan Nachbar, Anton Gavel oder Casey Jacobsen.

Aber Alba spielt daheim, vor ein paar Wochen hat Ihre Mannschaft Bamberg in Berlin klar geschlagen.

Okay, die Leute sehen uns in der Favoritenrolle. Das muss ich akzeptieren. Ich will mich aus der Rolle auch gar nicht wegstehlen. Aber noch einmal: Die Bamberger dominieren mit einer festen Basis in ihrem Kader seit Jahren die deutsche Liga. Da muss man realistisch sein und sehen, wie stark die auch auswärts sind. Schließlich haben sie bei Partizan Belgrad gewonnen. Ich weiß, wie schwer das ist. Das verdient höchsten Respekt.

Wie fällt denn Ihre bisherige Bilanz in der Europaliga aus?

Man sollte nicht unrealistisch sein. Auf dem Niveau in Europa ist es eben sehr schwer. Die Art und Weise, wie wir gegen Gegner wie Real Madrid, Efes Pilsen oder Panathinaikos Athen verloren haben, ist nun wirklich keine Schande. Niemand sollte vergessen: Es ist ein großer Erfolg, nach so vielen Jahren wieder die großen Gegner hier zu haben.

Was nimmt man mit von Spielen gegen die großen europäischen Gegner?

Wichtig ist, dass ich bestimmte Fortschritte sehe. Da zeigt sich, die Mannschaft profitiert von den Spielen auf diesem hohen Niveau. Und für mich zählt besonders: Wir haben nie aufgegeben.

Die Niederlagen in Europa und in der Bundesliga bringen Sie nicht um den Schlaf?

Nein, nein, aber ich schlafe sowieso nicht so lange. Ich wache früh auf und beginne zu arbeiten, wenn es noch dunkel ist. Es ist wichtig, die emotionale Balance zu halten, bei Siegen wie bei Niederlagen. Denn beide sind doch für uns alle Teil des Jobs. Ich jedenfalls habe ein gutes Gefühl.

Weshalb?

Ich komme jeden Tag fröhlich zum Training, weil ich sehe, wie motiviert die Spieler sind und welch gute Einstellung sie haben. Das lässt mich ruhig bleiben. Man darf ja nicht vergessen, unter welchen Bedingungen wir haben spielen müssen. Zum Beispiel hatten wir vier Spiele in einer Woche.

Bamberg hat auch die Doppelbelastung BBL und Europaliga.

Der Spielplan der Bamberger lässt sich nicht mit unserem vergleichen. Wir hatten ein viel härteres Programm, was in der Bundesliga zu nicht einkalkulierten Niederlagen geführt hat.

Ihr Team hat sich nach Europaligaspielen in der Bundesliga oft schwergetan. Fehlte da manchmal die richtige Einstellung?

Es ist keine Frage der mentalen Vorbereitung auf ein Spiel, auch nicht der taktischen Vorbereitung, es hängt einfach mit der Energie zusammen, die man noch zur Verfügung hat. Nein, nein, mangelnde Einstellung ist nicht der Grund für die eine oder andere Niederlage.

Im Vergleich zu den Topteams in Europa spielen Sie mit einer kleinen Rotation, können die jungen Deutschen da nicht helfen und etwas für Entlastung sorgen?

Ich glaube nicht, dass sie bereit sind, auf dem Niveau zu spielen. Sebastian Fülle kann zum Beispiel nicht immer zum Training kommen, Joey Ney hat auf seiner Position viele Spieler vor sich. Wenn sie auf die Statistik schauen, sieht man auch, dass keiner im Team über Gebühr eingesetzt wird und verheizt werden muss. Keiner spielt länger als 26, 27 Minuten.

Sind Sie erstaunt darüber, dass offenbar junge deutsche Talente von außerhalb wenig Interesse zeigen, zu Alba zu kommen?

Ich kann nur sagen: Sie sollten kommen und sie werden ihre Chance bekommen. Für mich gibt es keinen Zweifel, dass ich gern mit talentierten Spielern arbeite und ihnen eine Chance gebe. Denn eines gilt: Kein Trainer ist so verrückt, einen Spieler nicht einzusetzen, der helfen kann.

Sie waren als Spieler einer der Helden in der Alba-Geschichte. Spüren Sie das hier in Berlin noch?

Im Trainerjob existiert so etwas doch nicht mehr.

Zählen denn Ihre Verdienste als Spieler gar nichts mehr, heute, wo Sie Trainer sind?

(lacht) Doch: Fürs erste Spiel. Aber im Ernst: Man lebt von der Gegenwart, von Woche zu Woche, von Spiel zu Spiel. Was soll man zurückschauen auf das, was einmal war. Wer von den Fans erinnert sich denn noch an mich als Spieler? Ich will mir Respekt als Trainer verdienen und nicht von dem leben, was ich als ehemaliger Spieler erreicht habe. Nichts anderes.

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