15.01.13

Basketball

Albas Gegner Panathinaikos Athen leidet unter Familienfehde

Mit Trainer Zeljko Obradovic schrieben die Griechen große Erfolgsgeschichte. 2012 hat der den Klub jedoch verlassen. Es geht um viel Geld.

Foto: AFP

Trainer Argiris Pedoulakis trat die Nachfolge von Zeljko Obradovic an
Trainer Argiris Pedoulakis trat die Nachfolge von Zeljko Obradovic an

Diesmal wird es keine Geldscheine regnen. Wie damals, als das Basketballteam von Panathinaikos Athen zum letzten Mal in der Berliner O2 World spielte. Während die Griechen am Mittwoch in einem normalen Europaligaspiel des Top 16 bei Alba Berlin (Beginn 20 Uhr) antreten, standen sie am 3. Mai 2009 im Finale der europäischen Eliteliga gegen ZSKA Moskau auf dem Parkett. Am Ende triumphierte Panathinaikos mit 73:71 – dennoch flippte Vizepräsident Thanassis Giannakopoulos vollkommen aus. Weil er die Russen bevorzugt glaubte, warf er aus Wut mit 500-Euro-Scheinen nach den Schiedsrichtern und Europaliga-Chef Jordi Bertomeu.

Das war wieder einmal so ein legendärer Auftritt des heute 79-Jährigen, der 25 Jahre lang seit 1987 – gemeinsam mit seinem Bruder Pavlos (83) – die Geschicke bei den Griechen lenkte. Dabei ist Panathinaikos ein Paradebeispiel dafür, wie abhängig gerade griechische Klubs von ihren Besitzern sind. Meist sind es milliardenschwere Reeder, Unternehmer aus der Baubranche oder, wie die Brüder Giannakopoulos, aus der Pharmaindustrie. Für solche Leute spielt Geld keine Rolle. Auch wenn es um Bestrafungen durch die Ligen oder Verbände geht. 150.000 Euro musste Thanassis damals für seine Ausfälle in der O2 World bezahlen. Sein Kommentar zu der ganzen Sache: "Meine Handlungen sind nicht immer vernünftig."

Ex-Spieler bei Einreise verhaftet

Den Klub-Patriarchen in Griechenland geht es bei ihrem Engagement im Sport vor allem ums Image. Darum, das eigene Ego zu befriedigen und allen zu zeigen, was man sich leisten kann. Auch, um einen anderen Großkopfeten auszustechen. Im Falle von Panathinaikos und dem Giannakopoulos-Clan heißt das vor allem, den jeweiligen Präsidenten des verhassten Konkurrenten Olympiakos Piräus zu übertrumpfen. Wobei Albas Geschäftsführer Marco Baldi mit einem Blick auf den 32-maligen griechischen Meister Panathinaikos auch sagt: "Es ist dort schon sehr speziell, aber trotzdem ist es ein sehr sympathischer Verein, dessen Spitze mit viel Leidenschaft alles unternimmt, um den Klub nach vorn zu bringen."

Der griechische Klub ist eines der strahlenden Aushängeschilder des europäischen Basketballs. Unter der Ägide des Unternehmer-Duos gewannen die Hellenen in den vergangenen zwölf Jahren fünfmal die Europaliga, zuletzt 2011. Da nahmen es die Europaliga-Macher schweren Herzens auf sich, dass während Sitzungen einer der Brüder schon mal "rausrennt und dabei alle wüst beschimpft", wie Baldi erzählt. Für den Spanier Jordi Bertomeu sei das "ein Albtraum". Dennoch wurde das Duo noch im Juli 2011 mit dem Titel "Manager des Jahres" in der Europaliga ausgezeichnet. Man wollte die beiden Milliardäre wohl bei Laune halten, nachdem sie kurz zuvor angekündigt hatten, über einen Rückzug nachzudenken.

Viel Lug und Trug

Aber inzwischen hat die Basketballsektion von Panathinaikos (das Vereinsemblem ist ein dreiblättriges Kleeblatt) einiges von ihrem Glanz verloren nach dem schwarzen Freitag, dem 7. Dezember 2012. Damals trat der 38-jährige Dimitris Giannakopoulos vor die Presse, Sohn von Pavlos und Neffe von Thanassis. Erst ein paar Monate zuvor hatte er das Präsidentenamt übernommen. Unter Tränen brach es aus ihm heraus: "Ich bin vom eigenen Blut betrogen worden!" Ihm sei jetzt aufgegangen, dass er von seinem Onkel neben dessen Anteilen auch einen Haufen Schulden übernommen habe. "Ich habe nicht die finanziellen Mittel, um die Löcher zu stopfen, die Thanassis hinterlassen hat." Er trete daher zurück.

Von 2002 an bis zur Übergabe an Dimitris hatte der jüngere der beiden Alten die finanziellen Geschäfte abgewickelt. Sein Onkel und dessen Gefolgsleute "haben mir gefälschte Daten übergeben", jammerte nun der Junior. Das Gebilde aus Lug und Trug war spätestens einen Tag zuvor geplatzt, als der ehemalige Panathinaikos-Profi Michael Batiste, mit Dimitris freundschaftlich verbunden, auf dem Athener Flughafen verhaftet worden war.

Batiste wollte mit seinem neuen Klub Fenerbahce Istanbul zum Europaligaspiel gegen seinen Ex-Verein einreisen. Er habe Steuerschulden in Höhe von 200.000 Euro, wurde dem verdutzten US-Amerikaner beschieden, der darauf hinwies, dass dies doch Sache des Klubs gewesen sei. Doch er musste für eine Nacht in den Flughafen-Knast. Daraufhin durchforstete der aufgeschreckte Dimitris die Klubunterlagen und stieß dabei auf ein Loch ohne Boden. Er holte Batiste durch eine Kautionszahlung zurück in die Freiheit – und packte während besagter spektakulärer Pressekonferenz aus.

Diamantidis fehlt verletzt

Nebenbei kam noch heraus, warum Erfolgstrainer Zeljko Obradovic den Klub im Sommer 2012 nach 13 Jahren verlassen hatte. Damals hatte der Coach lediglich von "mangelndem Respekt" gesprochen. Dimitris stellte indes klar: "Thanassis hat ihm noch viel Geld geschuldet." Selbiges gelte auch für einige Spieler, die im Sommer den Klub verlassen haben.

Es geht trotz der erbitterten Familienfehde dennoch weiter bei Panathinaikos. Zwar hat man seit Saisonbeginn in Argiris Pedoulakis einen No-Name-Trainer, aber die Mannschaft ist nach wie vor mit Stars wie Dimitris Diamantidis (fehlt am Mittwoch verletzt), Sofokles Schortsanitis, Roko Ukic oder Marcus Banks nur so gespickt. Zwar wurde der Etat für die Spielzeit gesenkt, aber die Alten aus dem Giannakopoulos-Clan lassen den Klub bislang nicht verkommen. Noch nicht.

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