04.01.13

Europaliga

Gegen Moskau muss Albas Verteidigung wieder aggressiv sein

Die Niederlagenserie der Berliner scheint nicht abzunehmen. Auch die Chancen auf einen Sieg gegen die Russen stehen nicht gut.

Von Sebastian Arlt
Foto: picture alliance / Eibner-Presse

Nihad Djedovic gilt als großer Hoffnungsträger des Vereins und soll auch gegen die Russen ran.
Nihad Djedovic gilt als großer Hoffnungsträger des Vereins und soll auch gegen die Russen ran.

Die Dallas Mavericks, der Klub von Basketball-Superstar Dirk Nowitzki in der NBA, haben auf ihre sportliche Krise reagiert. Nach sechs Niederlagen in Folge wurde eine unerwartete Maßnahme ergriffen: Bei Auswärtsreisen gilt nun eine strenge Kleiderordnung. Statt Schlabberjeans und T-Shirt müssen die Profis jetzt immer Anzug und Krawatte tragen. Um zumindest außerhalb des Feldes ein stimmiges Bild abzugeben.

Alba Berlin hat zuletzt in der Bundes- und Europaliga viermal hintereinander verloren, aber irgendwelche panischen Reaktionen hat dies nicht hervorgerufen. "Es hat ein langes Gespräch mit dem Trainer gegeben", berichtet Center Yassin Idbihi. Es sei nicht so, dass das Training jetzt – zur Strafe – verschärft worden sei. Überlegt und ruhig versucht man bei Alba, aus dem krisenhaften Zustand herauszukommen. Vor allem die 65:90-Klatsche in Bayreuth "hat sehr weh getan", wie es Trainer Sasa Obradovic ausdrückt.

Es besteht allerdings kein Zweifel, dass der emotionale Serbe klare Worte gefunden hat für das, was er in einer ersten Reaktion als "beschämend" bezeichnete. "So etwas wie in Bayreuth darf nicht noch einmal passieren", fordert er. Er will jetzt unbedingt eine Reaktion, ein Zeichen der Mannschaft sehen. Und das ausgerechnet gegen das Topteam von ZSKA Moskau, heute Abend (19 Uhr, O2 World) Albas Gegner in der Europaliga.

Obradovic sieht das Ganze mit einem Schuss Ironie: "Das ist der beste Gegner, den wir jetzt bekommen können..." Einen Sieg erwartet von Alba jedenfalls kaum jemand, das Team vom Armeesportklub ist haushoher Favorit. In der vergangenen Saison scheiterten die Russen erst in letzter Sekunde im Europaliga-Finale an Olympiakos Piräus. Diese Saison wird der nächste Anlauf auf den Titel gestartet – mit einem Rekordbudget von offiziell 44 Millionen Euro. Zum Vergleich: Alba hat knapp acht Millionen zur Verfügung. Standesgemäß fliegt das Team von Trainer Ettore Messina mit dem vereinseigenen Jet ein.

Gute Verteidigung gefragt

"Wir denken erst einmal nicht ans Endresultat", umreißt Obradovic den Plan, "sondern sehen von Viertel zu Viertel, was möglich ist." Vor allem müsse die Mannschaft in der Verteidigung zu ihrem aggressiven Stil zurückfinden, der Alba bis Mitte Dezember 2012 ausgezeichnet hatte. "Da haben wir erst die Bayern und dann Bamberg aus der Halle geschossen", erinnert Idbihi. Seine Strategie nach dem Einbruch: "Wir müssen positiv miteinander umgehen, uns gegenseitig unterstützen, motivieren und hochziehen."

Idbihi und die anderen wissen aber auch, dass Taten folgen müssen. Natürlich hat die Mannschaft ein strammes Programm zu absolvieren, es gab Verletzungspech, und neue Spieler wie erst Derrick Byars und nun Je"Kel Foster müssen integriert werden. Byars sagt aber auch: "Es darf keine Entschuldigungen geben." Jetzt hofft man bei Alba, dass heute Nihad Djedovic nach seiner Zwangspause wegen einer Achillessehnenentzündung wieder dabei sein wird, dass Deon Thompson nach überstandenen Magen-Darm-Problemen wieder zu alter Stärke zurückfindet – und dass alle einen Schritt nach vorn machen.

Der Trainer stellt klar, dass es zuletzt an allem gehapert hat. "Die Pointguards müssen mehr Verantwortung übernehmen." Was sich an die Spielmacher Heiko Schaffartzik und DaShaun Wood richtet. "Wir brauchen ein besseres Spiel unterm Korb." Gemeint sind Idbihi, Thompson und Albert Miralles.

Obradovic wusste schon vorher, dass das Erreichen des Top 16 in Europa "gefährlich ist, weil wir keine Rotation mit elf Spielern haben". Da macht sich der Kräfteverschleiß durch die Doppelbelastung besonders bemerkbar. Zudem fehlte in den vergangenen Wochen die Zeit, um zu üben. "Wir sind auch Opfer der Tatsache, dass wir fast gar nicht trainieren konnten", meint Obradovic.

Vier Spiele in zehn Tagen

Ein Spiel jagte das nächste. Zuletzt waren es vier Partien in zehn Tagen. Müde Beine und ein müder Kopf gingen eine unheilvolle Allianz ein. Aber es gibt keinen anderen Weg, als dass sich die Mannschaft wieder auf das besinnt, was sie in dieser Saison schon ausgezeichnet hat: Aggressivität, Intensität, Kampfkraft, egal, ob der Gegner Tübingen, Bayreuth, Madrid oder eben Moskau heißt.

Die neue Kleiderordnung bei den Mavericks hat übrigens kurzzeitig einen Erfolg gebracht: Schnieke reiste der Tross nach Washington und gewann bei den Wizards. Doch zwei Tage später setzte es bei den Miami Heat für Nowitzki und Co. gleich die nächste Niederlage.

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